Datum01.07.2026 04:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Sozialküche der Barmherzigen Brüder versorgt täglich 40-70 bedürftige Menschen, darunter Obdachlose und Geringverdiener, mit warmen Mahlzeiten. Das Essen stammt aus der Krankenhaus-Großküche und ist oft vom Vortag. Neben Essen bietet die Einrichtung auch Waschmöglichkeiten, Duschen und Kleiderkammern. Die Helfer und Bruder Elias, der die Küche seit 24 Jahren leitet, betonen die Wichtigkeit der Werke der Barmherzigkeit und des sozialen Kontakts für die Besucher.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Armenküche“. Lesen Sie jetzt „Hungrig - Wo Arme satt werden“. Sie haben Hunger. Sie stehen in einer Schlange vor der Essensausgabe und warten, bis sie einen Teller bekommen. Mit Fleisch, Kartoffeln, Blumenkohl und Soße. Einige sind wohnungslos, leben auf der Straße. Andere haben kein Geld für Essen. Es ist kurz nach 9.00 Uhr. Immer mehr Menschen nehmen an den Tischen der Sozialküche der Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf Platz. Manche haben auch Erbsensuppe, Kuchen und Kekse bekommen. 40 bis 70 Essen am Tag geben die freiwilligen Helfer am Tag aus. "Wenn es leer ist, ist es leer", sagt Stephan Schneider. Die Fleischstücke hat er vor 10 Uhr schon halbiert, damit mehr davon bekommen. Ansonsten gibt es noch Bratkartoffeln und Kartoffelbrei als "Sättigungsbeilage". "Ich komme fast jeden Tag", sagt Christian (50). Er lebt in der Nähe von Trier auf einem Gartengrundstück. "Hat sich so ergeben." Er habe Covid gehabt, seitdem funktioniere seine Lunge nicht mehr richtig. Er könne nicht mehr auf dem Bau arbeiten. Und das Bürgergeld reiche nicht: Daher komme er zum Essen in die Sozialküche. Hier könne er auch Wäsche waschen. Marcel (26) lebt auf der Straße. Er hat seinen Teller schon fast leer gegessen. Was war am besten? "Die Kekse. Ich esse aber auch gerne Fleisch und Kartoffeln", sagt er. Unter seinem T-Shirt trägt er immer einen kleinen Kuschelhund mit sich. "Das ist Tanja", sagt er. Und Harry (62) am Nachbartisch hat zwar eine Wohnung, aber wenig Geld. "Hier spare ich ein bisschen Geld ein", sagt er. Er kommt jeden Tag. Er nutzt auch die Dusche, die es dort gibt. Viele laden in den Räumen ihr Handy auf. Das Essen kommt aus der Großküche des benachbarten Krankenhauses der Barmherzigen Brüder, erzählt der Leiter der Sozialküche Villa St. Vinzenz, Bruder Elias. Es ist vom Vortrag übriggeblieben. "Und das servieren wir dann für wohnungslose und sozial benachteiligte Menschen." Außerdem gebe es Wurst, Käse und Brot zum Verteilen. "Das nehmen sich manche als Lunchpaket mit", erzählt der 58-Jährige. Er leitet die Küche seit 24 Jahren. "Heute kommen viel mehr psychisch kranke Menschen", erzählt er. Daher gebe es viel mehr Gewalt und viel mehr Unruhe als früher. Generell gelte: Jeder, der komme, bekomme etwas zu essen. "Hier wird nicht gefragt. Wer mag, kann seine Geschichte erzählen, aber er kann es auch lassen", sagt der Ordensmann, der auch als Pfleger in der Notaufnahme arbeitet. "Sättigungsbeilagen, Gemüse und Soße können wir auch noch nachfordern." Es ist kurz vor 10.00 Uhr. Das Fleisch ist alle. "Wir haben aber auch noch Vegetarisches im Wärmewagen", sagt Helferin Josefa Becker. Und Kürbissuppe. Eine ältere Dame im Kleid kommt und reicht eine Plastikbox durch die Essensausgabe. "Ich nehme Suppe, bitte", sagt sie. Sie hole jeden Tag Essen für ihren kranken Nachbarn. Bruder Elias kennt nicht alle, die kommen, aber viele. "Ich habe mich schon immer für Obdachlose interessiert", erzählt er. Jeder habe doch als Kind mal von etwas Anderem geträumt, als auf der Straße zu landen. "Ich habe das Glück, dass es mir gut geht. Und ich möchte mich um Leute kümmern, denen es nicht so gut geht." Außerdem sei es interessant, diese Menschen kennenzulernen. Was man hier sehe: "Das ist Leben im Augenblick. Die Menschen haben nur das, was sie am Körper tragen, sonst nichts." Die Armenspeisung habe es bei den Barmherzigen Brüdern schon immer gegeben. "Wir tun Werke der Barmherzigkeit und dazu gehört auch, Hungernde zu speisen, Dürstende zu tränken und Nackte zu bekleiden", sagt Bruder Elias Brück, der aus Nack im Kreis Alzey-Worms stammt. Er zeigt die Kleiderkammer. Ein Mann fragt: "Hast du noch ein T-Shirt in XL für mich?" Bruder Elias sucht - und findet. Neben der Küche ist auch eine Wohnungslosenambulanz. Zweimal die Woche gibt es eine Ärztesprechstunde. "Über Essen kann man Menschen erreichen." Alex hat noch ein Stück Fleisch bekommen. "Ich lebe allein, kann nicht kochen, bin einsam und habe psychische Probleme." Er komme auch wegen der sozialen Kontakte, sagt er am Tisch vor seinem Teller. Das meint auch Marcel: "Ich finde es gut, dass wir so ein Gruppengefühl haben. Und dass du Leute hast, denen ich persönlich vertraue." Helferin Becker macht das Ehrenamt Freude. "Ich sage mir: Jeder kann mal abrutschen und braucht Hilfe. Ich sehe das als meine Hilfe, die ich dazu geben kann." Sie komme einmal die Woche. Schneider meint, er merke, dass das, was er gebe, mindestens dreifach zurückkomme. Es ist noch nicht 12.00 Uhr. Die Essenstöpfe sind leer. Alle haben etwas bekommen. Morgen sehen sie sich wieder. "Wir haben jeden Tag offen, auch an Wochenenden oder Feiertagen. Hunger hat man ja jeden Tag", sagt Bruder Elias. Er ist gerne da. "Ich gehöre zu Gottes Bodenpersonal." Das steht auch auf seiner Kaffeetasse. © dpa-infocom, dpa:260701-930-313274/1