Datum30.06.2026 21:47
Quellewww.spiegel.de
TLDRNorwegen siegt dank Haaland gegen Elfenbeinküste und erreicht das Achtelfinale der WM. Erling Haaland erzielte in der 86. Minute den entscheidenden Treffer zum 2:1-Sieg. Zuvor hatte Antonio Nusa Norwegen in Führung gebracht, bevor die Elfenbeinküste ausglich. Norwegen trifft nun auf Brasilien. Ein fragwürdiger Schiedsrichterentscheid zugunsten Norwegens wird kritisiert.
InhaltMinuten vor Schluss wird Erling Haaland vom Phantom zum Torjäger. Bis dahin sah Dirk Nowitzki einen Geheimfavoriten, der sich schwertat – und von einer fragwürdigen Schiedsrichterentscheidung profitierte. Der Braut, der sich traut: Lange war Erling Haaland kaum zu sehen. Ein früher, geblockter Kopfball (3. Minute), ein späterer, zu lascher Kopfball (37.), das war es dann auch schon von Norwegens Superstar gegen die Elfenbeinküste. Oder? In der ARD-Übertragung ging es irgendwann weniger um Haalands Leistung, mehr um den Zusatz "Braut" auf Haalands Nationaltrikot – dem Nachnamen seiner Mutter, einer erfolgreichen Siebenkämpferin. Ebenjener soll der 1,95-Meter-Spross seine überragende Athletik verdanken. Doch die brauchte er diesmal gar nicht: Man-City-Kollege Oscar Bobb schickte Patrik Berg in die Tiefe, der legte quer, und Haaland schob aus gut fünf Metern fast schon aufreizend lässig ein (86.). Sein fünfter WM-Treffer im dritten Einsatz, eine typische Haaland-Quote. Das Ergebnis: Der große Geheimfavorit (Norwegen) schlägt den kleinen Geheimfavoriten (Elfenbeinküste) 2:1 (1:0). Damit wird es im Achtelfinale zum Duell zwischen den Norwegern und Brasilien kommen. Erling Haaland gegen Vinícius Júnior, am 5. Juli (22 Uhr) erwartet die Welt eine Partie mit Starpower. Gut erholt? Norwegens Nationaltrainer Stale Solbakken tauschte im Vergleich zum Gruppenfinale gegen Frankreich seine Startelf auf beinahe jeder Position. Das überraschte nicht, hatten die Norweger das sportlich nur minimal relevante Duell gegen die Franzosen doch bewusst mit dem zweiten Anzug bestritten. In der Anfangsphase ließen sich die gesparten Kräfte aber nur bedingt auf den Platz übersetzen: Die Elfenbeinküste wirkte aktiver, hatte mit einem Schuss von Ghislain Konan ans Außennetz (21.) auch den ersten Moment, der ein Raunen durch's Dallas Stadium gehen ließ. Ein großer (2,13 Meter) Fan: Früher traf man Basketball-Superstar Dirk Nowitzki auch schon mal bei Benefiz-Fußballspielen. Mittlerweile, mit 48 Jahren, ist die Ikone der Dallas Mavericks hauptsächlich Fan, litt tags zuvor etwa in den sozialen Medien prominent mit dem DFB-Team ("That's not a foul!!!"). Am Dienstag bequemte er sich dann selbst ins Stadium, um sich diesen WM-Leckerbissen zu genehmigen. Dieser Mann lebt Fußball fast so sehr wie Basketball. Der Flügelstürmer von Leipzig. Nee, der andere: Kaum jemandes internationaler Durchbruch ist bei dieser Fußball-WM so herbeigeredet worden wie der von Yan Diomande. RB Leipzigs Shootingstar hat alles, was ein moderner Außenstürmer braucht, Tempo, Technik, Torgefahr. Der FC Liverpool soll für Diomande geboten haben, Paris Saint-Germain sich gar schon mit ihm einig sein. In Diomandes erstem K.-o.-Spiel blieb dem Linksaußen nur eine Nebenrolle. Stattdessen spielte sich einer in den Vordergrund, den Diomande im Verein auch schonmal auf die Bank verdrängt: Antonio Nusa nämlich, Norwegens filigranster Offensiv-Techniker. Mit dem veranstaltete die Elfenbeinküste etwas, das man eigentlich nicht machen darf: Sie ließ ihm Platz. Als Nusa in den Strafraum dribbelte, war nur Nicolas Pépé aufmerksam genug, den Norweger zu stellen. Bloß ist Pépé selbst Stürmer, der Defensivzweikampf nicht seine Stärke. Nusa wackelte Pépé aus, zog nach innen, und schlenzte den Ball mit rechts in den Winkel. Ein Traumtor, Nusas erstes im Turnier (39. Minute). Diallo, der Alleskönner: Nach einer Stunde ging durch die Mannschaft der Elfenbeinküste, was man am ehesten als Ruck bezeichnen konnte. Dann nämlich betrat Joker Amad Diallo den Platz. Der Mann von Manchester United verhinderte mit einer Klärung auf der Linie ein mögliches 0:2, Torbjørn Heggem hatte nach einem Eckball direkt abgeschlossen (66.). Ein fantastisches Solo-Tor brachte die Ivorer vorübergehend gar auf Gleichstand zurück (74.). Beinahe hätte Diallo sich ein drittes Mal als Retter betätigt, aber seinen wunderbar getretenen Freistoß kratzte Torwart Ørjan Nyland aus dem Winkel (90.+6). Diese WM hat ein Schiedsrichterproblem: Die Fehlentscheidung gegen das deutsche Team (siehe Nowitzki-Zitat) ist noch nicht ganz verdaut, da suchte die nächste fragwürdige Szene das Sechzehntelfinale heim. Diesmal darf sich Elfenbeinküste verschaukelt vorkommen, trat Norwegens Andreas Schjelderup seinem Gegenspieler Pépé doch recht unmissverständlich im Strafraum gegen den Fuß (78.). Die Pfeife von Jesús Valenzuela (Venezuela) blieb stumm. Und die Fifa wird sich fragen müssen, ob man nicht ein wenig Internationalität gegen höhere Qualitätsstandards eintauschen möchte. 1998 in der Neuauflage: Nun wartet also Brasilien. Kaum zu glauben, aber: Norwegen, wahrlich kein WM-Dauergast, hat gegen den Rekordweltmeister bereits ein Turnierspiel gewonnen. 1998 war das, ein 2:1 in der Vorrunde. Damals schrieb der "Kicker" über die Schiedsrichterleistung: "Pfiff einen lächerlichen Foulelfmeter, traf auch bei Abseits und in vielen anderen Situationen haarsträubende Entscheidungen." Das Problem ist also nicht neu.