Ukraine: Was Vogelnester aus Glasfaserkabeln über den Krieg verraten

Datum30.06.2026 18:05

Quellewww.spiegel.de

TLDRAn der ukrainischen Frontlage nutzen Soldaten ultradünne Glasfaserkabel zur Steuerung von Drohnen. Vögel bauen nun Nester aus diesen Kabeln und Gras

InhaltUkrainische und russische Soldaten steuern Drohnen mithilfe ultradünner Kabel, die sich wie ein Spinnennetz über die Landschaft legen. Verbaut in Vogelnestern sind solche Überbleibsel nun in ein Kriegsmuseum gelangt. In der Ukraine haben Soldaten an der Frontlinie Vogelnester gefunden, die die Tiere aus Gras und Glasfaserkabeln gebaut haben – ein Zeichen, wie der seit mehreren Jahren andauernde Krieg die Umwelt verändert. Die Gebiete entlang der 1200 Kilometer langen Frontlinie sind mit den hauchdünnen Kabeln übersät, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Sowohl ukrainische als auch russische Truppen steuern Angriffsdrohnen mithilfe der Kabel, die sich während des Flugs hinter der Drohne herziehen. Diese Methode soll die Drohnen gegen elektronische Störsignale immun machen – doch stürzt die Drohne ab, bleiben die Kabel liegen. Wie ein riesiges Spinnennetz liegen sie inzwischen verheddert in Bäumen, verstreut über Feldern oder auf Dächern in Städten. Offenbar haben Vögel begonnen, die Kabel für den Nestbau zu verwenden, sagt Yana Hrynko, die leitende Wissenschaftlerin am Kriegsmuseum in Kyjiw. "Objekte wie Vogelnester mit Fragmenten von Glasfaserkabeln verdeutlichen den Wandel in der Art von Kriegsführung", sagt Hrynko. Im Krieg gegen Russland setzt die Ukraine stark auf Drohnen, um der Überlegenheit des Gegners bei konventionellen Waffen entgegenzuwirken. Mit Billigwaffen und revolutionärer Kriegssoftware fügt die Ukraine Russland immer schwerere Verluste zu. Ist das die Kriegswende? Lesen Sie hier  die SPIEGEL-Titelstory. Reuters berichtet von Gesprächen mit mehreren ukrainischen Soldaten in den Frontregionen Donezk, Charkiw und Saporischschja, die solche Nester gefunden und ihre Bilder und Videos online gestellt hatten. Zwei Nester haben sie von der Front an das Museum geschickt, eines davon soll in der dortigen Kriegssammlung verbleiben, das andere werde zur Forschung in die Niederlande geschickt und später zurückgegeben, heißt es. In den Niederlanden soll der Biologe Auke-Florian Hiemstra vom Naturalis Biodiversity Center in Leiden das Nest untersuchen. Ihm zufolge gebe es in der Ukraine eine reiche Vogelvielfalt und viele Arten, die die Nester gebaut haben könnten. "Wir werden nach DNA-Spuren suchen, die noch im Nest vorhanden sind, um festzustellen, wer das Nest tatsächlich gebaut hat", sagt er. "Ich habe noch nie zuvor solche Nester gesehen – und ich habe schon sehr, sehr viele Vogelnester gesehen." Mehr zur Arbeit von Hiemstra lesen Sie hier: Stadtökologie: Wo Vögel auf Kokaintütchen brüten  Welche Auswirkungen die Glasfaserkabel auf die Vögel haben, sei bisher unklar, sagte Hiemstra. Möglicherweise schadeten sie den Vögeln, wenn diese sich darin verfangen, vielleicht kommen sie ihnen aber auch zugute, wenn sie beim Nestbau helfen.