Senat: Historikerin Anna von Villiez neue Antisemitismusbeauftragte

Datum30.06.2026 15:37

Quellewww.zeit.de

TLDRAnna von Villiez, Historikerin und Leiterin der Gedenkstätte Israelitische Töchterschule, ist Hamburgs neue Antisemitismusbeauftragte. Nach einem juristischen Verfahren trat sie ihr Amt für drei Jahre an. Von Villiez betont die Notwendigkeit, Antisemitismus wirksam zu bekämpfen und jüdisches Leben zu schützen. Wissenschaftssenatorin Blumenthal lobt ihre Expertise und Erfahrung. Der Senat und die Fraktionen von SPD, Grünen, CDU und Linken begrüßen die Ernennung.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Senat“. Lesen Sie jetzt „Historikerin Anna von Villiez neue Antisemitismusbeauftragte“. Ein halbes Jahr nach dem Rücktritt von Hamburgs erstem Antisemitismusbeauftragten ist die Nachfolge geregelt. Die Historikerin Anna von Villiez wird das Amt übernehmen, wie die Wissenschaftsbehörde mitteilte. Die Leiterin der Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule an der Hamburger Volkshochschule hatte sich im Auswahlverfahren durchgesetzt, konnte zunächst aber nicht als Beauftragte für jüdisches Leben und die Bekämpfung und Prävention von Antisemitismus bestellt werden. Weil ein Mitbewerber vor Gericht gezogen war, musste erst die Entscheidung des Hamburgischen Oberverwaltungsgerichts abgewartet werden. Die Bestellung ist nach Behördenangaben sofort wirksam und gilt für die kommenden drei Jahre. Von Villiez leitet die Gedenk- und Bildungsstätte seit 2018 und publiziert zur Medizingeschichte im Nationalsozialismus, Wissenschaftsgeschichte und Provenienzforschung. Zuvor war sie den Angaben zufolge unter anderem am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf als wissenschaftliche Mitarbeiterin sowie an der Arbeitsstelle für Provenienzforschung der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg tätig. Von Villiez nannte die Bestellung eine Ehre. Hamburg habe nach Verfolgung und Vertreibung in der NS-Zeit wieder eine lebendige und spannende jüdische Gegenwart, die von vielen Engagierten getragen werde. "Durch meine bisherigen Tätigkeiten habe ich das Glück, bereits mit vielen jüdischen Menschen in Hamburg im Kontakt zu sein." Sie stellte aber auch klar: "Es darf nicht sein, dass manche von ihnen heute wieder ihre Identität in der Öffentlichkeit verbergen müssen, aus Angst vor Anfeindungen." Eine ihrer wichtigsten Aufgaben sei daher, dem grassierenden Antisemitismus in Hamburg gemeinsam mit Politik und Zivilgesellschaft schnelle und effektive Maßnahmen entgegenzusetzen. "Antisemitismus ist ein Angriff auf Jüdinnen und Juden und zugleich auf die Werte unserer Demokratie", betonte Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne). Für seine Bekämpfung spiele das Amt eine entscheidende Rolle. Von Villiez bringe wissenschaftliche Expertise, eine starke Verankerung in der jüdischen Stadtgesellschaft und viel Erfahrung im Dialog mit allen Hamburgerinnen und Hamburgern mit. Die Fraktionen von SPD, Grünen, CDU und Linken begrüßten die Bestellung von von Villiez. Ihr Vorgänger Stefan Hensel war nach vier Jahren im Amt zurückgetreten. "Der zeitliche Aufwand und die anhaltende Konfrontation mit Hass und persönlichen Übergriffen sind im Rahmen eines Ehrenamts für mich nicht mehr vereinbar. Zukünftig möchte ich mich den positiven Seiten jüdischen Lebens widmen", hatte Hensel damals erklärt. Erst im November 2024 hatte der rot-grüne Senat Hensel für eine zweite Amtszeit bestätigt. © dpa-infocom, dpa:260630-930-310767/1