Datum30.06.2026 12:38
Quellewww.spiegel.de
TLDRForscher der Stanford University entwickelten eine KI, die personalisierte Burger-Rezepte erstellt. Basierend auf Geschmack, Nachhaltigkeit und Nährwert passt die KI Rezepte für Nutzer an. In einem Blindtest schnitten die KI-generierten Burger, insbesondere ein Pilz- und ein Bohnen-Burger, in Bezug auf Nachhaltigkeit und Nährwert deutlich besser ab und waren geschmacklich mindestens ebenbürtig mit einem Big Mac. Die KI wandelt die Essenszubereitung in eine quantitative Wissenschaft um.
InhaltUS-Forscher haben eine künstliche Intelligenz darauf trainiert, personalisierte Hamburger-Rezepte zu erstellen. Bei einer Blindverkostung mussten sich die erdachten Produkte mit einem Klassiker messen. Künstliche Intelligenz (KI) kann so manches: in der Medizin Krankheiten erkennen, im Alltag knifflige Fragen beantworten oder Witze erzählen. Nun haben Forscher der kalifornischen Stanford University eine KI entwickelt, die für jeden Geschmack das optimale Hamburgerrezept zusammenstellen soll. Ob dabei ein Pilz-Burger, ein Bohnen-Burger, ein Fisch-Burger oder ein klassischer Hamburger herauskommt, hängt ganz von den Präferenzen der Nutzer ab – etwa in Bezug auf Geschmack, Nachhaltigkeit und Nährstoffgehalt. Letztlich haben die KI-Rezepte sogar einen Praxistest mit Restaurantbesuchern bestanden, wie das Forschungsteam im Fachjournal "npj Science of Food" dokumentiert . Die KI habe "nicht nur akzeptable Burger-Rezepte erstellt, sondern sie schuf Burger, die echte Menschen genießen", schreibt die Biotechnik-Ingenieurin Ellen Kuhl in einer Stanford-Mitteilung. "Das mag simpel klingen, bedeutet aber, dass das Modell gelernt hat, wie Nahrung für den menschlichen Gaumen reizvoll wird." Das sei keineswegs trivial. Der moderne Hamburger sei im späten 19. Jahrhundert als simple Kombination von Hackfleisch und Brot entstanden, schreibt Kuhl im Fachblatt "Computer Methods in Applied Mechanics and Engineering ". Zwar würden inzwischen allein in den USA pro Jahr 50 Milliarden Hamburger verspeist, aber die Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Zutaten seien weitgehend unerforscht. Kein Wunder: Die Zahl der möglichen Burgerrezepte weltweit schätzt das Team im "npj Science of Food"-Artikel auf 1043, das ist eine 1 mit 43 Nullen. Um etwas Ordnung in diese schier endlosen Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Lebensmittel zu bringen, entwarfen Kuhl und zwei Kollegen das öffentlich zugängliche Onlinetool BurgerAI , trainiert an 2216 Rezepten. Nutzer können der KI auf der Website Vorgaben zu ihren Vorlieben machen und etwa per Schieberegler wählen, wie wichtig ihnen die Themen Nachhaltigkeit und Gesundheit sind. Wählt man statt der Variante "Optimize" die "Personalize"-Funktion, berücksichtigt die KI zudem Alter, Größe, Geschlecht und das Aktivitätslevel der Nutzerin oder des Nutzers. Da die Seite sich offensichtlich an US-Nutzer wendet, kann man diese Daten nicht in metrischen Einheiten eingeben, sondern muss etwa sein Gewicht von Kilogramm in amerikanische Pfund (lbs) umrechnen. Auf dieser Basis erstellt die KI dann ein personalisiertes Hamburger-Rezept. Nach Angaben der Forscher wird dabei nicht nur der Geschmack des Burgers, sondern auch seine Textur, sein Nährstoffgehalt und seine Nachhaltigkeit – also Umweltverträglichkeit – berücksichtigt. Doch Obacht: Das Ergebnis enthält zwar eine Nährstofftabelle und Angaben zu Umwelteinflüssen, aber keine einfache Rezeptur, wie man sie aus Kochbüchern kennt. Ausgespielt wird lediglich eine Tabelle, in der die benötigten Zutaten grammgenau aufgeführt sind. Also etwa 72,2 Gramm Bohnen, 39,9 Gramm Spinat, 1,1 Gramm Salz und so weiter. Wie man daraus einen Hamburger macht, bleibt den Nutzern überlassen. "Jahrhundertelang war die Zubereitung von Essen eine Kombination aus Intuition, Erfahrung sowie Versuch und Irrtum", sagt Kuhl. "Wir zeigen, dass die Zubereitung von Essen mithilfe von KI zu einer quantitativen Wissenschaft werden kann." Der ultimative Test für das Können der KI war ein Blindversuch mit 101 Freiwilligen in einem Restaurant in San Francisco. Den Teilnehmenden wurden dabei fünf von der KI entworfene und professionell zubereitete Burger sowie ein Big Mac zum Vergleich serviert. Dabei übertraf der Pilz-Burger das konventionelle Produkt in Bezug auf Nachhaltigkeit um mehr als das Zehnfache, der Bohnen-Burger in Bezug auf den Nährstoffwert immerhin noch um fast das Doppelte, schreiben die Wissenschaftler. In dem Blindtest konnten die KI-Burger im direkten Vergleich aber auch sonst mithalten. Wie die Bewertungen der Testesserinnen und -esser zeigten, waren sie dem Klassiker hinsichtlich ihrer Textur und des Geschmacks sowie im Gesamturteil offenbar mindestens ebenbürtig – nur eben nachhaltiger und gesünder. "Wir hatten einen Kompromiss zwischen Nachhaltigkeit und Verbraucherakzeptanz erwartet", sagt Mitautor Vahidullah Tac. "Aber wir fanden heraus, dass ein Burger, der drastisch geringere Umweltfolgen hat als herkömmliche Produkte, mit einem der weltweit erfolgreichsten Burger mithalten kann."