Datum30.06.2026 10:57
Quellewww.spiegel.de
TLDRNach dem frühen WM-Aus kritisierten Experten wie Kramer und Hummels die Leistung der deutschen Nationalmannschaft und Bundestrainer Nagelsmann. Mats Hummels forderte personelle Konsequenzen. Nagelsmanns TV-Auftritt nach der Niederlage gegen Paraguay wurde als "schmallippig" und "dünnhäutig" bezeichnet, während andere wie Christian Streich Verständnis zeigten. Das dritte frühe Ausscheiden seit 2014 wird als Debakel und Spiegelbild eines miserablen Turniers bezeichnet.
InhaltNach dem frühen WM-Aus der DFB-Elf wird über die Gründe für den sportlichen Misserfolg diskutiert. Besonders im Fokus: Bundestrainer Julian Nagelsmann. Dessen Interview nach dem Spiel kam nicht bei allen gut an. Die TV-Experten haben die deutsche Nationalmannschaft und Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem WM-Aus gegen Paraguay scharf kritisiert. "Du darfst gegen Paraguay nicht in die Verlängerung kommen. Wir werden am Samstag sehen, wie gut oder schlecht Paraguay ist. Wir haben entschieden, dass sie so spielen können und wir uns am Ende über eine Schiedsrichterdiskussion beklagen. Dazu darf es niemals kommen", sagte Ex-Weltmeister Christoph Kramer im ZDF. MagentaTV-Experte Mats Hummels wurde ebenfalls deutlich und forderte personelle Konsequenzen. "Es schreit nach Konsequenzen. Die Heim-EM wird mir immer noch zu gut geredet. Deswegen muss das ein Thema sein, sowohl glaube ich vom Bundestrainer selbst aus als auch vom Verband. Auf Spielerseite: Da kann ich mir schon vorstellen, dass einige zurücktreten werden", erklärte der Weltmeister von 2014. Das Nagelsmann-Team spielte gegen Außenseiter Paraguay zunächst in 120 Minuten 1:1 und verlor im Anschluss das Elfmeterschießen mit 3:4. Jonathan Tah hatte in der Verlängerung vermeintlich noch den 2:1-Führungstreffer erzielt. Doch Schiedsrichter Jalal Jayed nahm das Tor zurück, weil Waldemar Anton zuvor Paraguays Torhüter Orlando Gill gefoult haben soll. (Warum die Entscheidung strittig ist, lesen Sie hier ). Für das DFB-Team ist es nach dem Vorrundenaus 2018 und 2022 das dritte frühe Scheitern seit dem WM-Titel von Rio de Janeiro vor zwölf Jahren. Auch Jürgen Klopp war bedient. "Wir hatten Phasen, wo wir es abgerufen haben, die waren nicht lang genug. Wir haben nicht genug kreiert, weil wir ein paar Dinge nicht richtig gemacht haben", sagte der langjährige Chefcoach von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool bei MagentaTV. "Im Moment gab es nur ein Ziel, nur einen Traum, und der ist jetzt geplatzt." "Vor zwei Jahren wurde geflachst, wir müssen nur zwei Jahre warten, bis wir Weltmeister werden. Die Aussage können wir total vergessen. Wir müssen uns einiges wieder hart arbeiten", sagte der frühere Abwehrspieler Per Mertesacker, der wie Kramer zur Siegerelf von Brasilien gehörte. Mertesacker legte nach: "Für die, die es noch nicht kapiert haben: Wir haben gegen die schwächste Mannschaft aus der Vorrunde gespielt und haben es nicht geschafft, mehr als zwei Chancen in 120 Minuten zu bekommen." Paraguay hatte in der Vorrunde mit 1:4 gegen die USA verloren, mit 1:0 gegen die Türkei gewonnen und 0:0 gegen Australien gespielt. Im US-amerikanischen Fernsehen fand auch der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann deutliche Worte für das WM-Aus des deutschen Teams. "Die Art und Weise, wie wir heute Abend ausgeschieden sind, ist verheerend, ist eine Blamage, ist etwas, womit niemand, wirklich niemand gerechnet hat", sagte Klinsmann in einem Interview beim US-Sender ESPN. Das Ergebnis stürze den deutschen Fußball in ein "riesiges Loch". Zur Frage nach der Verantwortung von Bundestrainer Nagelsmann sagte Klinsmann, diese liege nicht bei einer einzelnen Person. "Die Verantwortung liegt bei allen – vom Trainerstab über den Verband bis hin zu jedem einzelnen Spieler, der in diesen 26-Mann-Kader berufen wurde. Jeder hat seinen Teil zu diesem Desaster beigetragen." Die Mannschaft habe "definitiv ihr Gesicht verloren" und müsse die Schuld bei allen Beteiligten suchen. Neben der sportlichen Kritik am WM-Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft hat auch der TV-Auftritt von Nagelsmann für teils kritische Reaktionen gesorgt. Im ZDF-Interview reagierte der 38-Jährige mehrfach eher schroff und kurz angebunden auf die Fragen von Moderatorin Lili Engels. Im ZDF-Studio bezeichnete Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein den Auftritt anschließend als ein "bisschen schmallippig". TV-Expertin Fritzy Kromp nannte Nagelsmann "dünnhäutig". Nach einem späteren Interview mit Manuel Neuer sah sie bei dem Keeper und zuvor auch anderen interviewten Nationalspielern eine andere Reaktion. "Da siehst du halt schon, dass wirklich eine Betroffenheit da ist, dass sie demütig sind. Dass es ihnen auch total leidtut", sagte Kromp. Auch Christoph Kramer verwies auf Demut: "Ich will es dem Bundestrainer gar nicht unterstellen, dass er es nicht gezeigt hat, aber generell freue ich mich immer über eine Portion Demut. Nicht nur bei einer Niederlage, auch im Erfolgsfall", sagte der Weltmeister von 2014 und sprach zugleich von einer "schwierigen Situation für ein Interview". Ex-Nationalspieler Per Mertesacker bilanzierte: "Das zeigt, dass wir verdient ausgeschieden sind, finde ich." Verständnis für den TV-Auftritt von Bundestrainer Nagelsmann äußerte indes der frühere Bundesliga-Coach Christian Streich. "Nach so einem Spiel wäre ich noch schmallippiger und noch dünnhäutiger gewesen", sagte der langjährige Trainer des Bundesligisten SC Freiburg. Man sei als Trainer vor allem von sich selbst enttäuscht. "Wenn du dann gefragt wirst, dann hätte ich noch weniger gesagt", betonte der 61-Jährige. Die Fußball-WM ist für das deutsche Team zum Debakel geworden. Das sportliche Abschneiden spiegelt den miserablen Auftritt des DFB bei diesem Turnier wider. Er hat den Niedergang verdient: Den SPIEGEL-Leitartikel lesen Sie hier .