Datum30.06.2026 10:59
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Verfassungsschutz sieht Rechtsextremismus als größte Gefahr für die Demokratie, mit einem deutlichen Anstieg auf über 58.700 Personen. Besonders besorgniserregend ist die Verjüngung und Vernetzung der Szene. Linksextremismus verzeichnet ebenfalls Zuwachs (42.200 Personen), was mit dem wahrgenommenen "Rechtsruck" und dem Ukraine-Krieg zusammenhängen könnte. Islamistische Gruppen bleiben aufgrund des Nahostkonflikts relevant, zeigen sich aber zurückhaltend.
InhaltDer Verfassungsschutz verzeichnet einen deutlichen Anstieg an Rechtsextremen in Deutschland. Für die Demokratie seien sie die größte Gefahr. Doch auch Linksextremisten würden mehr. Das BfV sieht einen Zusammenhang. Immer mehr Menschen in Deutschland haben extremistische Einstellungen, vorwiegend im rechten Spektrum. Das geht aus dem Jahresbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) hervor. Der Inlandsgeheimdienst rechnete im vergangenen Jahr 58.700 Menschen dem rechtsextremen Personenpotenzial zu, also 8450 mehr als im Jahr zuvor. Als besonders beunruhigend wird der Trend zur Verjüngung, Vernetzung und der Orientierung auf Taten der Szene beschrieben. Als Beispiele werden der Rechtsterrorismus der Gruppe "Letzte Verteidigungs Welle" und die virtuelle Vernetzung im "Brenton Fanclub" genannt. Die Szene der "Reichsbürger" und "Selbstverwalter" umfasse bundesweit rund 26.000 Menschen, von denen etwa 2600 gewaltorientiert seien. Der Rechtsextremismus bleibe die größte Bedrohung für die Demokratie, heißt es im Bericht für 2025. Dem linksextremistischen Spektrum ordnete das Bundesamt 2025 bundesweit 42.200 Menschen zu, nach rund 38.000 im Vorjahr. Die linksextremistische Szene gilt in Fachkreisen als besonders schwer zu durchdringen. Wenig Erhellendes findet sich in dem Bericht beispielsweise in Bezug auf die Täterinnen und Täter, die hinter verschiedenen Anschlägen auf die Stromversorgung und die Bahninfrastruktur vermutet werden. So heißt es dort etwa: "Es lässt sich annehmen, dass sich hinter den ›Vulkangruppen‹ ein Netzwerk verbirgt." Dabei dürfte es sich um unterschiedliche Strukturen handeln, die den Namen "Vulkangruppe" als eine Art "Label" nutzten. "Verbindungen zwischen den einzelnen Strukturen sind nicht auszuschließen." Ideologisch ließen sich die "Vulkangruppen" dem gewaltorientierten, anarchistischen Spektrum zuordnen. Dass linksextremistische Gruppen aktuell Zulauf haben, sieht der Verfassungsschutz auch in Zusammenhang mit Entwicklungen im rechten Spektrum. So heißt es im Jahresbericht: "Aufgrund des von der Szene wahrgenommenen ›Rechtsrucks‹ in der Gesellschaft ist davon auszugehen, dass der ›militante Antifaschismus‹ seine wichtige Rolle behalten und es weiterhin zu einer Vielzahl von linksextremistisch motivierte Straf- und Gewalttaten in diesem Kontext kommen wird." Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat laut BfV nicht nur zu einer Zunahme von Spionage, Sabotage, Desinformation und Einflussoperationen durch Russland in Deutschland geführt, sondern auch den Linksextremismus befeuert – etwa wenn unter Berufung auf "antimilitaristische Gründe" Straftaten begangen würden. Der Nahostkonflikt habe 2025 erneut "ein hohes Mobilisierungspotenzial im islamistischen Spektrum" erzeugt, stellt das Bundesamt fest. Insgesamt hätten sich Anhänger von Hamas und Hisbollah aber mit öffentlichkeitswirksamen Handlungen weitestgehend zurückgehalten.