Datum30.06.2026 05:00
Quellewww.zeit.de
TLDRBerliner und Brandenburger Apotheken werden zu "Safe Spaces" für Jugendliche mit Problemen. Sie bieten einen geschützten Ort und Informationen zu Hilfsangeboten, da der Zugang zu Therapeuten erschwert ist. Die Initiative ergänzt digitale Angebote und soll Jugendlichen erste Orientierung in psychischen Belastungssituationen geben. Apothekerinnen fungieren als Lotsen zu spezialisierten Stellen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Sorgen und Probleme“. Lesen Sie jetzt „"Safe Space Apotheken" sind Lotsen für Jugendliche mit Nöten“. Bist du lost? Wird dir alles zu viel? Lähmt dich ein Streit? Mit dieser Art von Fragen wollen Apotheken in Berlin und Brandenburg Jugendliche ansprechen - und ihnen bei Problemen einen sicheren Ort bieten, an dem sie reden können. Die "Safe Space Apotheken" haben meist einen separaten Raum dafür und einen Überblick über Hilfestellen in der Umgebung, wie Jana Noatzke erklärt. Sie arbeitet in der Rosen-Apotheke in Forst in der Lausitz, die seit kurzem auch bei dem Hilfsprojekt dabei ist. Die Idee: Kinder und Jugendliche wissen oft nicht, an wen sie sich wenden sollen, wenn sie Sorgen und Nöte haben. Therapeuten-Termine sind Mangelware. Apotheken sind zuverlässige Adressen und oft mitten in den Städten verankert. "Die Jugendlichen sollen wissen, es gibt Hilfe", erklärt Apothekerin Noatzke aus Forst. "Sie sollen nicht wild im Internet etwas googeln, sondern an seriöse Ansprechpartner geraten." Vier Apotheken haben sich schon als "Safe Space" in Brandenburg registriert - neben Forst außerdem in Cottbus, Fredersdorf-Vogelsdorf und in Petershagen. In Berlin gibt es drei in Lichtenberg, Steglitz und Hellersdorf. Lara Laurenz ist Mitgründerin der Jugendinitiative und Online-Community "OurGenerationZ": Hier wird Kindern und Jugendlichen geholfen - in einem digitalen #safespace zum Beispiel auf Instagram. Gefördert wird das unter anderem vom Bundesfamilienministerium. Das haben Laurenz zufolge bereits viele Kinder und Jugendliche angenommen. Oft gehe es um weniger akute Themen wie eine dauerhafte Druckbelastung oder Stress zu Hause. "Wir haben aber gemerkt, dass es auch wichtig ist, in der analogen Welt Ansprechpersonen zu haben", sagt Laurenz. Denn einige Fragestellungen brauchten ausgebildete Therapeutinnen und Therapeuten. "Die Apotheken haben dann eine Lotsenfunktion", so Laurenz. Generell sei die psychische Belastung unter Jugendlichen sehr hoch und das System überlastet. "Mit "OurGenerationZ" geht es uns auch um eine Entstigmatisierung - niemand sollte Angst haben, sich Hilfe zu holen." Ein Instagram-Account könne Hilfestellung anbieten, aber vor Ort kennen sich Menschen etwa aus Apotheken viel besser aus. "Wir sind meist barrierefrei, haben lange geöffnet und ein wichtiger Punkt ist auch unsere Schweigepflicht", erklärt Apothekerin Noatzke. "Alle können immer zu uns kommen und müssen nicht mal den Namen sagen. Zum Beispiel: Ich habe ein Drogenproblem." Die "Safe Space Apotheken" können dann ein erster Ort der Offenbarung sein - und schon Impulse geben. Aus der Lausitz berichtet sie, dass Schulstress für viele Jugendliche ein wichtiger Punkt sei. Auch Gewalterfahrungen seien wie an vielen anderen Orten ein Thema. "Interessant ist auch der Gesundheitsstress, den sich viele machen: Ihre Uhren sagen ihnen: Ich habe nicht gut geschlafen. Also holen sie sich in der Apotheke Schlaftabletten", so Noatzke. Letztlich seien die Apotheken oft die erste Anlaufstelle und dann die Vermittler zu den konkreten Beratungsstellen. © dpa-infocom, dpa:260630-930-307234/1