Asylpolitik in Großbritannien: Großbritannien will Asylbewerber für Kosten aufkommen lassen

Datum30.06.2026 04:32

Quellewww.zeit.de

TLDRGroßbritannien plant, von Asylbewerbern bis zu 10.000 Pfund für Unterbringung und Versorgung zurückzufordern, bevor diese eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis erhalten. Nur zahlungsfähige Erwachsene wären betroffen, Kinder ausgeschlossen. Ziel ist die Entlastung der Steuerzahler, die jährlich rund vier Milliarden Pfund für Asylsuchende aufwenden. Hilfsorganisationen kritisieren die Pläne als eine "Steuer für Flüchtlinge", die jene schädigen, die bereits mit leeren Händen ankommen. Die Labour-Regierung verschärft unterdessen die Einwanderungspolitik.

InhaltBevor Geflüchtete einen dauerhaften Aufenthalt beantragen können, will die britische Regierung Geld von ihnen zurückverlangen. Zahlungen bis zu 10.000 Pfund sind geplant. Die britische Regierung will künftig von Asylbewerbern die Kosten für ihre Unterbringung und Versorgung zurückverlangen, bevor diese eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung beantragen können. "Sobald die Menschen in der Lage ​sind, einen Beitrag zu leisten und die Großzügigkeit des britischen Volkes zurückzuzahlen, erwarten wir, dass sie dies auch tun", sagte Innenministerin ⁠Shabana Mahmood. Nach Regierungsangaben werden Zahlungen von bis zu 10.000 Pfund in Betracht gezogen. Den Plänen zufolge sollen nur Erwachsene zur Kasse gebeten werden, ⁠die sich die ​Zahlung leisten können. Die Regelung soll nicht rückwirkend ‌gelten, Kinder wären ausgenommen. Mit der geplanten Reform beabsichtigt die britische Regierung nach eigenen Angaben, die Belastung für Steuerzahler zu verringern. Nach ​Schätzungen des Innenministeriums belaufen sich die ‌jährlichen Kosten für die Unterbringung und Unterstützung von Asylbewerbern auf etwa vier Milliarden Pfund. Hilfsorganisationen haben die Pläne bereits deutlich kritisiert. "Diese neue finanzielle Belastung würde nur jenen schaden, die mit nichts an unseren Küsten ankommen", sagte Imran Hussain von der Organisation Refugee Council dem britischen Guardian. Der Vorstoß komme einer Steuer für Flüchtlinge gleich, die vor Krieg, Folter und Hungersnot fliehen. Zudem kritisierte Hussain, Geflüchtete seien auf die finanzielle Unterstützung angewiesen, weil das Innenministerium ihnen untersage, zu arbeiten. Großbritannien hat seine Einwanderungs- und Asylpolitik unter Premierminister Keir Starmer von der Labourpartei, der kürzlich seinen Rücktritt angekündigt hat, deutlich verschärft. Erst im April hatten Frankreich und Großbritannien eine Neuauflage ihres Abkommens zur Bekämpfung der irregulären Migration über den Ärmelkanal vereinbart. Mehr als 200.000 Menschen haben nach Behördenangaben seit 2018 in kleinen Booten den Ärmelkanal in Richtung Großbritannien überquert. Die migrationsfeindliche Partei Reform UK hatte bei den Regionalwahlen zuletzt trotzdem starke Zugewinne erzielt. Labour steht daher unter großem innenpolitischem Druck.