Fußball-WM heute: Deutschland sucht den Decider

Datum29.06.2026 17:38

Quellewww.zeit.de

TLDRDeutschland trifft heute auf Paraguay in der WM. Ein Sieg ist zur Klärung der angespannten Situation im DFB-Team nötig. Der Gegner ist unangenehm und auf Zerstörung fokussiert. Ein Blick zurück zeigt Parallelen zu früheren Spielen. Brasilien spielt gegen Japan, mit dem jungen Talent Rayan im Fokus. Unterdessen spielt das deutsche Team abseits des Platzes Verstecken und Werwolf, während Südkoreas Präsident eine Untersuchung des WM-Ausscheidens fordert.

InhaltVor der Paraguay-Partie spielt das deutsche Team Verstecken in Winston-Salem. Südkoreas Präsident fordert eine Untersuchung des frühen WM-Aus seiner Nation. Der WM-Abend Aus deutscher Sicht natürlich das Sechzehntelfinale der DFB-Auswahl in Boston gegen Paraguay (22:30 Uhr, ZDF). Nach dem lauwarmen Auftritt gegen Ecuador zuletzt hängt ein gewaltiges Tiefdruckgebiet über Bundestrainer Julian Nagelsmann. Ein deutlicher Sieg könnte die Luft klären, bei einem Ausscheiden hingegen dürfte es beim DFB zu einem Sommergewitter kommen. Kündigungen, Neuaufstellungen, große Reformdebatten – alles möglich, wenn es heute gegen Paraguay nicht reicht. Deren Mannschaft ist zwar nicht besonders gut, aber doch unangenehm, wie meine Kollegen Laura Sophia Jung und Nico Horn analysieren. Die Paraguayer gehen lieber auf Gegner- als auf Torjagd. Die Decider. So nennt Julian Nagelsmann Spieler, die mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten eine Partie entscheiden können. Als Deutschland 2002 das bisher letzte Mal bei einer WM auf Paraguay traf, hieß der Decider Oliver Neuville, der kurz vor Schluss das 1:0 schoss. Damals war vieles anders: Fußballschuhe gab es nur in schwarz, Oli Kahn trug Koteletten bis zum Kinn und hinten rechts spielte ein gewisser Torsten Frings. Der war eigentlich defensiver Mittelfeldspieler, musste aber auf der rechten Abwehrseite aushelfen. Kommt Ihnen irgendwie bekannt vor? Joshua Kimmich auch. Ob Kimmich heute Abend auf der Sechs starten würde, ließ der Bundestrainer auf der Pressekonferenz vor dem Spiel zumindest mal offen. Rayan. Vor acht Jahren schrieb ein Sportportal über ihn, man solle sich diesen Namen merken: Rayan, 11 Jahre alt, mit 115 Toren im Jahr 2017. Heute ist der immer noch erst 19-Jährige bei seiner ersten Weltmeisterschaft angekommen. Vor einem halben Jahr wechselte er aus Brasilien, wo er 20 Tore in 57 Spielen schoss, für knapp 30 Millionen Euro nach England zum AFC Bournemouth. Mit 15 Spielen und fünf Toren empfahl sich der Linksfuß für den brasilianischen WM-Kader von Trainerlegende Carlo Ancelotti. Heute Abend trifft er auf Japan (19 Uhr, ZDF), auf das er sich allerdings ähnlich gewissenhaft vorbereitet hat wie andere 19-Jährige auf eine weitere, nervige Klausur in einem Nebenfach. Als ein japanischer Journalist ihn fragte, wer denn der gefährlichste Spieler Japans sei, sagte Rayan erst: "Oje." Und dann: "Ich weiß nicht, wer ihr gefährlichster Spieler ist, bevor wir nicht die Videoanalyse gemacht haben. Aber ich weiß, dass sie ein starkes Team sind." Wir sagen: Prüfung gerade noch so bestanden. Spielen. Also Karten. Oder Verstecken. Es sei wie auf Klassenfahrt, erzählen Nick Woltemade und Kai Havertz in diesem Video. Kai Havertz hatte bereits im ZEIT-Interview gesagt, er versuche auf dem Platz ein Gespenst zu sein. Dass er das aber offenbar auch abseits des Platzes trainiert, also beim Verstecken, hat er meinem Kollegen Oliver Fritsch letzte Woche verschwiegen. Nick Woltemade wurde wohl die eigene Größe zum Verhängnis, weil dessen Kopf aus dem Versteck herausragte. Auch Werwolf wurde gespielt. Das WM-Ressort der ZEIT hat Fragen: Wer ermordet wen? Wer wird am häufigsten beschuldigt? Und wen wählen die Spieler zum Bürgermeister – und warum ist es Manuel Neuer?