Datum20.11.2025 13:00
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Zusammenarbeit zwischen Mike Patton und den Avett Brothers in ihrem Album "AVVT/PTTN" erweist sich als misslungen. Trotz der außergewöhnlichen Stimme Pattons und dem bewährten Stil der Folk-Rock-Country-Band gelingt es nicht, die beiden Talente zu vereinen. Stattdessen verstärken sie sich gegenseitig negativ. Einige Momente, wie "Heaven’s Breath", lassen auf Potential hoffen, doch überwiegend bleibt das Ergebnis enttäuschend. Die Texte und das Gesamtkonzept tragen zur Misserfolgsbilanz bei, was die These bekräftigt, dass Kollaborationen oft nicht funktionieren.
InhaltKann eine der eigenwilligsten Stimmen des Rocks mit einer Country-Kappelle kooperieren? In der Vergangenheit hat eine ähnlich unerwartete Kombo funktioniert – bei Mike Patton und The Avett Brothers geht der Versuch schief. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. "Collaborations Don’t Work" hieß der beste Song auf dem erstaunlichen Album "FFS", für das 2015 zwei sehr verschiedene Bands kollaborierten. Hier Franz Ferdinand, eine 2001 gegründete Indieband aus Schottland. Dort Sparks, ein Brüderduo aus den USA, das seit 1971 Pop und Rock macht. Wie sollte das gehen? Es ging – dank Ironie. Die besten Romane 2025 Welche Bücher sind die wichtigsten des Jahres? Unsere Jury stellt 20 belletristische Werke vor und die Gewinnerin des SPIEGEL-Buchpreises. Lesen Sie unsere Titelgeschichte, weitere Hintergründe und Analysen im digitalen SPIEGEL. Ein vergleichbar riskantes Experiment wagten nun Mike Patton und die Avett Brothers. Auf "AVTT/PTTN" singt eine der eigenwilligsten und vielseitigsten Stimmen des Rock (Faith No More, Mr. Bungle, Fantômas), während die Folk-Rock-Country-Brüder dazu ihren bewährten, von Freunden des Genres geschätzten Cowboystiefel herunterspielen. Doch dieser Versuch scheitert – nicht mit Pauken und Trompeten, sondern mit Banjo und Mundharmonika. Vereinzelt blitzt auf, wie die Sache möglicherweise mal gedacht war. In "Heaven’s Breath" zerreißt irgendwann Lärm das Gewebe der Lieblichkeit, halb Drone, halb Growl. "Eternal Love" ist eine zwar konventionelle, aber wuchtige Ballade – nicht zuletzt wegen Pattons unberechenbarem Gesang. Der Mann sprengt mit seiner vokalen Präsenz jeden Raum, den er betritt. Und das gilt erst recht für die schnuckelige Kapelle der gottesfürchtigen Avett Brothers. Leider ist das Ganze weniger als die Summe seiner Teile. Statt sich gegenseitig zu befruchten, heben beide Talente einander auf. Auch die Texte tragen ihren Teil zur Pleite bei: "Your beauty is too awesome to explain". Im Ernst? Hätte man’s nicht mal versuchen können? Notfalls mit Ironie? FFS hatten wohl recht: Kollaborationen funktionieren nicht – zumindest bei allen anderen. The Avett Brothers/Mike Patton: "AVTT/PTTN"