Datum24.11.2025 17:35
Quellewww.spiegel.de
TLDREin neuer Friedensplan für die Ukraine zwischen den USA und Ukraine hat verhaltenen Optimismus ausgelöst. Der Lobbyverband „Familienunternehmer“ lockert seinen Umgang mit der AfD, was in der Öffentlichkeit kritisiert wird. Auf der Artenschutzkonferenz in Samarkand setzen sich Staaten dafür ein, den internationalen Haienhandel zu verbieten, da Haie für das Ökosystem unerlässlich sind. Gleichzeitig kämpft Entertainer Howard Carpendale um Verständnis für seine laxe Haltung zur Musik, während Donald Glover nach gesundheitlichen Problemen über die Bedeutung des Lebens reflektiert.
InhaltDer Handel mit Haien könnte weltweit verboten werden. Die Reaktionen auf den Friedensplan für die Ukraine sind verhalten optimistisch. Der Lobbyverband "Familienunternehmer" lockert den Umgang mit der AfD. Das ist die Lage am Montagabend. Die drei Fragezeichen heute: Heute Nacht verkündeten die Nachrichtenagenturen, die USA und die Ukraine hätten sich auf einen überarbeiteten Friedensplan geeinigt. Über die Details wurde zwar Stillschweigen bewahrt, doch im Laufe des Tages haben sich nach und nach die an den Verhandlungen in Genf beteiligten Akteure geäußert: nicht euphorisch, aber immerhin vorsichtig optimistisch. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Nach allem, was man hört, würde US-Präsident Donald Trump gern zum Feiertag Thanksgiving in ein paar Tagen das Ende des Krieges zwischen Russland und der Ukraine verkünden. Dafür wurde Trump im Zweifel auch die russischen Positionen bevorzugen, warnt mein Kollege Roland Nelles aus dem Hauptstadtbüro: "Das ist keine Realpolitik, sondern Unfug", schreibt er. Europa sei einflussreicher, als es manchmal glaubt. Und müsse eigene, bessere Gegenvorschläge einbringen. Der Verband "Die Familienunternehmer" hat seinen Umgang mit der in großen Teilen rechtsextremen AfD gelockert. Der Lobbyverband vertritt rund 6500 Unternehmen aus ganz Deutschland, kleine Betriebe genauso wie die Weltkonzerne BMW und Merck, die ebenfalls in Familienhand sind. Das "Kontaktverbot" zu AfD-Bundestagsabgeordneten sei mit dem jüngsten parlamentarischen Abend am 8. Oktober aufgehoben worden, sagte Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann dem "Handelsblatt". Dort war offenbar auch ein AfD-Vertreter eingeladen gewesen. Statt Brandmauer wolle man zeigen, dass AfD-Politiker häufig "inhaltlich blank oder widersprüchlich" seien, so Ostermann. Mein Kollege Tim Bartz aus dem Wirtschaftsressort findet Ostermanns Argumentation "verstörend". (Hier mehr dazu.) Er merkt in einem Leitartikel an, dass ihr Verband die Interessen privater Unternehmen vertrete und nicht dafür verantwortlich sei, die Stimmen der AfD zu halbieren. Das sei Sache der Politik. "Und sie muss den Rechtsextremen auch keine Bühne bieten. Jede Veranstaltung kommt ohne AfD-Teilnehmer bestens aus, denn wie sagt Ostermann selbst? ›Wer sich intensiver mit den AfD-Programmen beschäftigt hat, wird nachvollziehen, dass wir trotz Gesprächen eine AfD auf keinen Fall als Koalitionspartner in einer Regierung sehen wollen.‹" Dass Haie als irre gefährlich wahrgenommen werden, liegt an den regelmäßigen Berichten über Surfer oder Schwimmerinnen, die im Meer von Haien angegriffen werden. Und vielleicht auch ein kleines bisschen an Steven Spielbergs Blockbuster "Der weiße Hai" – auch wenn der schon fünfzig Jahre alt ist. Dabei ist die Realität eine andere: Menschen sind viel gefährlicher für Haie als umgekehrt. Haie töten pro Jahr weniger als zehn Menschen, Menschen töten jährlich etwa 100 Millionen (!) Haie. Denn ihre Flossen, ihr Fleisch und ihr Öl sind begehrt. Bei der 20. Artenschutzkonferenz (Cites COP20), die heute im usbekischen Samarkand beginnt, bemühen sich deshalb mehrere Staaten, weltweit den internationalen Handel mit Haien zu verbieten. Denn: "Gibt es keine Haie mehr, gibt es Chaos", sagt der Haiforscher Gibbs Kuguru, mit dem meine Kollegin Alina Schadwinkel gesprochen hat. (Hier mehr dazu. ) Haie seien die "Reiniger der Ozeane", sagt Kuguru. Sie fressen, was tot oder sterbend ist, und sorgen dafür, dass alles, was evolutionär nicht überlebensfähig ist, entfernt wird. Wird das gelingen? Meine Kollegin Alina ist vorsichtig optimistisch; noch nie stünden auf einer Cites-Konferenz so viele Vorschläge zum Schutz von Haien und Rochen auf der Tagesordnung. Jetzt müssen sich nur noch die 184 Mitgliedstaaten und die Europäische Union auf die Handelsverbote einigen. Howard Carpendale, 79, ist einer der bekanntesten Entertainer des Landes. Geboren in Südafrika, steht er seit fast sechs Jahrzehnten auf deutschen Bühnen. Im Gespräch mit meinem Kollegen Tobias Becker spricht er unter anderem darüber, dass er sich selbst nicht als Musiker sieht: "Peter Maffay ist Musiker, Udo Lindenberg ist Musiker. Diese Typen leben für ihre Musik. Ich bin immer lieber mit den Jungs Golf spielen gegangen als ins Studio. Klar, ich kann mich auf die Musik fokussieren. Aber bei meinen Konzerten will ich den Leuten mehr geben als nur meine Hits." Zweite Chance: Der Schauspieler und Musiker Donald Glover, 42, hat auf die Spekulationen über seine kurzfristig gestrichene Tour reagiert. Nachdem er mit starken Kopfschmerzen ins Krankenhaus gegangen sei, hätten die Ärzte einen Schlaganfall festgestellt und ein Loch in seinem Herzen entdeckt. Außerdem habe er sich einen Fuß gebrochen. "Sie sagen, jeder habe zwei Leben – und das zweite beginnt, wenn man merkt, dass man nur eines hat", sagte er US-Medien zufolge. Man solle das eigene Leben genau so führen, wie man es wolle. Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Im Sommer hat Jérôme Boateng das Ende seiner Karriere als Fußballspieler bekannt gegeben; er möchte jetzt Trainer werden. In der neuen, dreiteiligen ARD-Doku-Serie "Being Jérôme Boateng" lernt das Publikum den Ex-Fußballer in der Rolle des liebenden Vaters kennen, der sich nachdenklich zeigt und Fehler zugibt. Dass es Gewaltvorwürfe gegen ihn gab, dass er wegen Körperverletzung rechtskräftig verurteilt wurde, kommt zwar vor; allerdings vor allem aus seiner Perspektive. Interessant ist das trotzdem – weil es zeigt, wie Boateng sich darum bemüht, seinen schlechten Ruf loszuwerden. Sie könnten die Doku schauen. Und als eine Art Lektüreschlüssel dazu empfehle ich Ihnen den Text meiner Kollegin Maike Backhaus und meines Kollegen Jörn Meyn, die Boatengs Aussagen kritisch analysieren. Einen schönen Abend. Herzlich Ihre Laura Backes, Autorin