Datum29.06.2026 07:02
Quellewww.spiegel.de
TLDREine Ifo-Studie zeigt, dass der deutsche Tankrabatt nur teilweise an Verbraucher weitergegeben wurde. Während Superbenzin fast vollständig profitierte, kamen beim Diesel nur 12 Cent von den 16,7 Cent Steuersenkung an. Die Ölkonzerne profitierten also teilweise. Mit Auslaufen des Rabatts steigen die Preise wieder, abhängig vom Ölpreis. Forscher halten das Auslaufen für richtig, da die Maßnahme teuer war und die Weitergabe ungleich war.
InhaltNoch vor der Einführung des Tankrabatts standen die Ölkonzerne in Verdacht, die Steuersenkung in die eigene Tasche zu stecken. Jetzt zeigt eine Studie: Die Diskrepanz ist deutlich. Der Tankrabatt ist nach Schätzung des Münchner Ifo-Instituts nur teilweise bei den Verbrauchern angekommen. Für Diesel haben sie bis inklusive 25. Juni nur eine Weitergabe von durchschnittlich 12 Cent pro Liter errechnet. Das wäre deutlich weniger als die 16,7 Cent, um die die Steuer gesenkt wurde. Super E5 und Super E10 liegen mit einer errechneten Weitergabe von 17 und 16 Cent pro Liter dagegen sehr nah am Wert der Steuersenkung. "Damit wurde der Tankrabatt beim Superbenzin nahezu vollständig an die Autofahrerinnen und Autofahrer weitergegeben", sagt Florian Neumeier, der stellvertretende Leiter des Ifo-Zentrums für Finanzwissenschaft. Anfang Juli sei durch das Auslaufen des Tankrabatts wieder mit steigenden Kraftstoffpreisen zu rechnen. "Wie hoch es geht, wird vor allem von der Entwicklung des Ölpreises abhängen. Da dieser zuletzt gesunken ist, haben auch die Kraftstoffpreise nachgegeben", sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Ramona Schmid. Dennoch ist es nach Ansicht der Forscher richtig, dass der Tankrabatt ausläuft. Mit Kosten von 1,6 Milliarden sei die Maßnahme teuer gewesen. "Die unvollständige Weitergabe beim Diesel bedeutet, dass ein Teil davon bei den Mineralölkonzernen gelandet ist", sagt Doktorand Christian Gréus. Sollte es zwischen den USA und Iran tatsächlich zu einer Einigung kommen, dürften sich die Kraftstoffpreise ohnehin wieder normalisieren. Noch ist das aber nicht mehr als eine vage Hoffnung. Basis der Abschätzung des Ifo-Instituts war ein Vergleich mit den Spritpreisen in Frankreich. Dadurch sollte bei der Preisentwicklung zwischen normalen Veränderungen – zum Beispiel durch sinkende Ölpreise – und dem Effekt des Tankrabatts differenziert werden. Die Ergebnisse des Ifo stehen im Kontrast zu Aussagen des Mineralölwirtschaftsverbands en2x, der in der Vergangenheit stets betont hat, der Steuerrabatt werde vollständig weitergegeben. Eine vor knapp zwei Wochen veröffentlichte Untersuchung der Monopolkommission war allerdings ebenfalls zum Ergebnis gekommen, dass der Rabatt nicht vollständig weitergegeben wurde. Auf Basis der Preise bis zum 11. Juni hatte sie allerdings bei Diesel eine etwas höhere, bei Benzin eine etwas niedrigere Weitergabe errechnet als das Ifo. Hintergrund dürften voneinander abweichende Rechenmodelle zur Abschätzung der Weitergabe sein.