KI in der Politik: Ministerien und Kanzler setzen KI für Recherche- und Hilfsaufgaben ein

Datum29.06.2026 03:44

Quellewww.zeit.de

TLDRMehrere deutsche Ministerien, darunter das Bundeskanzleramt, nutzen KI für Recherche- und Hilfsaufgaben bei der Vorbereitung von Reden. Politiker wie Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Johann Wadephul betonen, dass ihre Texte maßgeblich eigenständig verfasst werden, auch wenn KI punktuell unterstützt. Im Gegensatz dazu gerieten Digitalminister Karsten Wildberger und Ministerpräsident Mario Voigt in die Kritik, da KI offenbar stärker für die Texterstellung genutzt wurde.

InhaltFriedrich Merz nutzt nach Angaben des Bundeskanzleramts KI vor Reden nur für die Recherche. Auch Klingbeil und Wadephul geben an, Texte ohne Einsatz von KI zu verfassen. Bei der Vorbereitung von Reden werden im Bundeskanzleramt in Einzelfällen auch KI-Anwendungen genutzt – allerdings ausschließlich für die Recherche und nicht für die Textproduktion. Dies teilte die Behörde dem Spiegel auf Anfrage mit. Kanzler Friedrich Merz und seinem Amtschef Thorsten Frei (beide CDU) seien ihre Reden persönlich sehr wichtig, hieß es. "Sie nehmen Entwürfe an, formen daraus aber eigene Texte." Beide seien auch bekannt dafür, ihre Reden selbst zu schreiben. "Darüber hinaus halten Sie eine Vielzahl von Reden frei", zitierte das Magazin aus der schriftlichen Antwort. Eine Sprecherin von Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) sagte zu dem Thema: "Reden und Texte der Hausleitung werden im Bundesfinanzministerium grundsätzlich ohne den Einsatz von KI geschrieben." Es gebe auch eine Dienstanweisung mit Regeln, "welche KI-Systeme im BMF zu dienstlichen Zwecken eingesetzt werden können und was bei deren Einsatz zu beachten ist". Außenminister Johann Wadephul (CDU) ließ über sein Ministerium Ähnliches mitteilen. "Die Reden und Debattenbeiträge des Außenministers werden nicht durch KI erstellt. Sie werden durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Auswärtigen Amt vorbereitet." Zudem gab sich das Amt demnach 2024 eine KI-Charta. Auch im Hause von Bundesarbeitsministerin (BMAS) Bärbel Bas (SPD) wird KI genutzt. "Im BMAS bleibt das Verfassen von Reden und Texten ein Prozess menschlicher Intelligenz, der lediglich punktuell durch Künstliche Intelligenz unterstützt wird", schrieb eine Sprecherin dem Spiegel. KI werde dabei für Recherche- und Hilfsaufgaben ergänzend eingesetzt. Mitte des Monats zeigte eine ZEIT Recherche, dass Bundesdigitalminister Karsten Wildberger offenbar Reden und Gastbeiträge von einer KI schreiben ließ. Das Handelsblatt hatte einen Gastbeitrag des CDU-Politikers vorerst aus seinem Angebot entfernt. Zuvor war bereits der thüringische Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) in die Kritik geraten, weil mehrere seiner Reden und Gastbeiträge für Medien oder Teile davon mit Hilfe KI erstellt worden sein sollen, so etwa eine Rede zum Holocaust-Gedenktag, eine Trauerrede und eine Neujahrsansprache.