Joe Biden rechnet in Rede mit Donald Trump ab und nennt ihn »Verlierer«

Datum29.06.2026 02:15

Quellewww.spiegel.de

TLDRJoe Biden rechnete bei einer Benefizveranstaltung mit seinem Nachfolger Donald Trump ab und nannte ihn einen "Verlierer". Biden kritisierte Trumps angebliche Schamlosigkeit und dessen schädliche Wirkung auf das Ansehen der USA. Er prangerte Trumps Bauprojekte und die "dreiste Korruption" bei der Sanierung des Reflecting Pool an. Die Rede fand am Jahrestag eines für Biden desaströsen TV-Duells statt, das sein damaliges Aus als Präsidentschaftskandidat einleitete.

InhaltVor genau zwei Jahren brachte sich Joe Biden im desaströsen TV-Duell gegen Donald Trump um seine Präsidentschaftskandidatur. Am Jubiläum des Debakels holt er zum Rundumschlag gegen seinen Nachfolger aus. Joe Biden absolviert nicht mehr allzu viele öffentliche Auftritte. Seit dem Bekanntwerden seiner Krebserkrankung (mehr dazu hier) hält sich der ehemalige US-Präsident im Hintergrund und nimmt nur an ausgewählten Terminen teil. Da überrascht das Timing des Auftritts in Hanover (US-Bundesstaat Maryland) dann doch. Vor genau zwei Jahren absolvierte Biden im Wahlkampf eine TV-Debatte gegen Donald Trump, die im Desaster endete – und das Aus seiner Kandidatur einläutete. An diesen dunklen Tag wollen wohl die wenigsten Demokraten erinnert werden. Trotzdem war Biden am zweiten Jubiläum des Fernsehdebakels eingeladen, um bei einer Benefizveranstaltung zu sprechen. Das tat er dann auch – und es wurde eine Abrechnung mit seinem Amtsnachfolger. "Es ist wirklich verblüffend. Er hat keinerlei Schamgefühl. Offen gesagt, es ist peinlich für das Land", sagte der 83-Jährige unter anderem über Trump. Und weiter: "Was für ein Verlierer." Trump habe dem Ansehen der USA in der Welt mehr geschadet als irgendein anderer Präsident vor ihm, so Biden. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Bei seinem Auftritt ging er zudem die verschiedenen Bauprojekte durch, mit denen sich der amtierende Präsident in der US-Hauptstadt verewigen will, vom Ballsaal am Weißen Haus (mehr hier) bis zum geplanten Triumphbogen. Und dann ist da ja noch Drama um den algengrünen Reflecting Pool im Herzen der US-Hauptstadt (hier  mehr dazu). Es steht laut Biden "für etwas Schlimmeres als den Narzissmus und die Inkompetenz dieser Regierung". Der Ex-Präsident weiter: "Es ist die Korruption, die dreiste, unverhohlene Korruption auf einem Niveau, wie es sie in der US-Geschichte noch nie gegeben hat." Kritiker gehen davon aus, dass bei der Sanierung des Pools nicht fachgerecht gearbeitet wurde. Sie werfen Trump außerdem vor, den Auftrag ohne Ausschreibung vergeben zu haben. Rund 14,2 Millionen US-Dollar soll das Ganze gekostet haben, etwa 12,4 Millionen Euro. Biden ging bei dem Auftritt nicht auf seinen eigenen Gesundheitszustand ein, hustete während der Rede aber immer wieder. Im Mai 2025 hatte er öffentlich erklärt, dass er an einer aggressiven, aber behandelbaren Form von Prostatakrebs erkrankt ist, der in die Knochen metastasiert ist. Ende Mai dieses Jahres hatte sich Bidens Ehefrau Jill Biden in deutlichen Worten über den Auftritt während des TV-Duells 2024 geäußert. Sie wisse nicht, was damals vorgefallen sei, sagte Jill Biden im US-Sender CBS. Und: "Als ich es mir ansah, dachte ich: ›Oh mein Gott, er hat einen Schlaganfall‹. Und das hat mich zu Tode erschreckt." Während des wichtigen TV-Duells war Joe Biden schwer zu verstehen gewesen. Er wirkte schläfrig, seine Antworten waren teils zusammenhangslos. Entsprechend harsch fiel das Urteil hinterher aus. Biden war damals 81 Jahre alt, und der Abend läutete das Ende seiner Präsidentschaft ein. Auf Druck seiner Partei zog er sich etwa einen Monat später aus dem Rennen um das Weiße Haus zurück, Kamala Harris rückte für die Demokraten nach – und der Republikaner Trump wurde schließlich erneut zum Wahlsieger. Ein gigantischer Triumphbogen, ein Golfplatz, ein Heldenpark – der US-Präsident verewigt sich im Stadtbild von Washington. Das neue Antlitz der Hauptstadt wirkt kaum mehr republikanisch. Wo sich Trump überall Denkmäler setzen will, lesen Sie hier .