Datum28.06.2026 19:59
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Artikel stellt fünf Brettspiele vor, die sich für einen entspannten Abend auf dem Balkon eignen. Die vorgestellten Spiele sind "Bergsteiger" (kurz, logisch), "Genius" (schnell, herausfordernd), "Die Gärten der Königin" (visuell, friedlich), "Project L" (ästhetisch, Tetris-ähnlich) und "Urbino" (strategisch, taktisch). Ebenfalls kurz erwähnt wird das Quizspiel "Smart 10". Hintergrund sind Spiele, die robust sind, wenig Regeln haben und schnell spielbar sind, um den Bogen oder Wind zu trotzen.
InhaltEin lauer Abend macht Lust auf ein entspanntes Spiel im Freien. Doch der Spaß endet schnell, wenn Spielmaterial und Karten jäh davonfliegen. Bei diesen Spielen kann das nicht passieren. Dieser Artikel erschien erstmals am 10. Juli 2022. Wir haben zwei neue Spiele getestet und den Text aktualisiert. Da steht er, der Berg, mitten auf dem Balkontisch: Ein solider dreieckiger Holzblock mit Löchern. Wir sitzen einander gegenüber und wollen ein Mitglied unseres Teams auf den Gipfel bringen, bevor unsere Widersacherin vom gegnerischen Trupp oben ankommt. Jeder von uns hat eine Seilschaft von fünf miteinander verbundenen Stiften, die man in die Löcher des Bergs stecken kann. Das Schöne: Man muss kaum Regeln lernen, sondern kann direkt loslegen. Das Spiel folgt einfach seiner immanenten Logik: Bewegen darf man sich so weit wie das jeweilige Seil reicht – je ein Bergsteigerchen macht sich auf den Weg nach weiter oben, dann ist das Gegenüber dran. Unterwegs muss man am Proviantlager Halt machen. Dieser Text enthält mit dem Hinweis "Anzeige" gekennzeichnete Affiliate-Links, über die der Verlag, aber nie der Autor individuell, bei Verkäufen eine geringe Provision vom Händler erhält. Der Clou: Mit unseren Stiften können wir die der konkurrierenden Mannschaft aus dem Berg schubsen – wenn zwei eigene Leute in den Seilen hängen, hat man verloren. Also schnell wieder absichern, das hat Priorität! Der kleine Wettbewerb spielt sich munter und ist wohltuend haptisch. Kein Spiel, das man auf eine Reise mitschleppen würde, aber genau das Richtige für einen kleinen spielerischen Absacker auf dem Balkon. Ein paar Regelvarianten sorgen für Abwechslung und können das Spiel etwas anspruchsvoller machen. Insgesamt bleibt es aber eine angenehm überschaubare Herausforderung ohne große Überraschungen. Von Romain Eyheramendy und Semir Kryidy, für zwei Personen ab sieben Jahren, rund zehn Minuten Hand drauf: Regelunlustige und Gern-Gegeneinander-Spielerinnen. Finger weg: Notorisch motorisch Ungeschickte. Mit bunten Klötzchen schnell was bauen. Das macht Laune und spornt an, das nächste Level auch noch zu probieren. Bei diesem Legespielklassiker, den es seit ein paar Jahren auch auf Deutsch gibt, müssen wir neun tetrisartige Steine auf einem quadratischen Raster unterbringen. Vorher werden die Positionen von sieben Störsteinen erwürfelt. Wer zuerst alles eingepuzzelt hat, steigt ein Level auf: Jetzt dürfen zwei bestimmte Steine nicht mehr aneinander angrenzen, sodass die Aufgabe schwieriger wird. Wer es zuerst auf Level fünf schafft, gewinnt. Das spielt sich ebenso schnell wie munter; die Regeln sind nahezu selbsterklärend. Es fühlt sich ungemein gut an, nach einigen Partien eine steile Lernkurve genommen und dann selbst die Nase vorn zu haben, wenn man es Neulingen erklärt. Die ebenfalls hübschen Varianten "Genius Star" und "Genius Sapphire" funktionieren nach demselben Spielprinzip. Von Salim Berghiche, Alain Brobecker und Cameron Browne für zwei Personen ab sechs Jahren, rund fünf Minuten Hand drauf: Gelegenheitsspielerinnen, Wettbewerbsfreudige und Menschen, die das Brettspiel "Ubongo" lieben, aber gerade keine Zeit für eine längere Partie haben. Finger weg: Zeitdruckhasser und Duellanten, die ein sehr unterschiedliches Niveau räumlichen Vorstellungsvermögens haben. Vor vier Jahren wurde "Azul" das Spiel des Jahres – bei dem man hübsche Fliesenmuster in einem Palast legt. Schon damals waren es vorwiegend die schweren, bunten, angenehm zu berührenden Spielsteine, mit denen man fast jede Runde zu noch einer Partie locken konnte. Mit "Die Gärten der Königin" ist jetzt das vierte Spiel der "Azul"-Familie erschienen, und wieder kann man die Finger kaum von den kühlen, farbsatten, diesmal noch größeren Steinen lassen, mit denen wir unsere Gartenauslagen füllen. Glatt, wie rundgeschliffene Bachkiesel, liegen die Sechsecke in der Hand. Tiefe Befriedigung durchströmt die Glückliche, die endlich die passende Gruppe fertigstellen kann, in der alles sich zu wohltuender Ordnung und reichem Punktesegen fügt. Man plant friedlich vor sich hin, legt Tiere, Pflanzen und Ornamente, heimst Jokerplättchen ein. (Die sind nicht ganz so schön. Wer hat bloß dieses Grau ausgesucht?) Die Spielregeln sind leicht zu lernen und recht intuitiv: Gleiche Farben oder gleiche Symbole dürfen nebeneinander, aber nicht beides auf einmal. Der grüne Baum neben den blauen Baum, oder der blaue Vogel neben den blauen Baum – so einfach ist das. Vier Runden lang wetteifert man darum, wer sich dabei am schlauesten anstellt. Dann noch die Endwertung, und fertig ist die Gartenlaube. Ein schönes Sommerabendspiel, das viele kleine Erfolgserlebnisse zwischendurch bietet und so die Stimmung hebt. Autor: Michael Kiesling, zwei bis vier Personen ab zehn Jahren, Spieldauer rund 45 bis 60 Minuten Hand drauf: Leute, die auch bei Spielen auf den Sound achten (das Klackern der Steine ist angenehm), bedächtige Ordnungsfanatiker. Finger weg: Hart-gegeneinander-Spieler, Bluffer, Trickser, Action-Junkies. Aaaah, dieser Moment, in dem das farbsatte, glatte Plättchen formschlüssig in der exakten Vertiefung der kleinen schwarzen Papptafel einrastet. Dem inneren Monk laufen beim Spielen von "Project L" wohlige Schauer über den Rücken, weil das Spielmaterial so erfreulich selbstordnend ist. (Für die Jüngeren hier: In der Serie aus den Zehnerjahren ermittelt ein zwangsgestörter Ermittler, der unter Unordnung körperlich leidet.) Pate stand das Computerspiel Tetris, bei dem man verschieden geformte Blöcke miteinander kombinieren muss. Am Anfang startet man gerade mal mit zwei winzigen Rechtecken und baut seinen bunten Fundus erst allmählich auf. Hat man es geschafft, eine Form komplett auszufüllen, bekommt man ein neues Teil, das man gleich verwenden darf. Das klingt sehr ähnlich wie das Spiel "Ubongo", das vor knapp 20 Jahren auf den Markt kam und längst zum Klassiker avanciert ist. Von "Ubongo" gibt es sogar eine 3D-Variante. Die ist auch schön, aber für erwachsene Ästheten, die abstrakte, schnelle Spiele mögen, ist "Project L" die bessere Wahl. Wie die Kunststoffplättchen vor dem schwarzen Hintergrund leuchten! Wie sich alles ineinander fügt! Die Regeln sind in weniger als zwei Minuten erklärt und gelernt. Entspannter geht’s kaum. Autoren: Michal Mikeš, Jan Soukal, Adam Spanel, eine bis vier Personen ab acht Jahren, Spieldauer rund 30 Minuten Hand drauf: Präzisionsfanatikerinnen, Designfans, Tetris-Süchtige. Finger weg: niemand. Manche Leute wird man mit einer bunten Schachtel niemals glücklich machen. Es gibt diesen Typus eher ernsthafter Spieler, die sich auf taktische Klopper wie Schach oder Go werfen und es lieben, sich auf genau einen Gegenspieler zu konzentrieren und ihn oder sie im geistigen Armdrücken herauszufordern. "Urbino", hervorgegangen aus dem etwas leichteren Strategiespiel "Lass die Kirche im Dorf" vom selben Autor, ist da genau das Richtige. Zu zweit spielt man auf einem schweren Buchenholzbrett mit Figuren aus Ahorn und Elsbeere und versucht, die eigenen Häuser, Paläste und Türme mittels der eigenen Architektenfigur zu möglichst punktereichen Stadtvierteln zusammenzufügen. Das Spiel spricht mit seiner holzigen Note und handwerklichen Verarbeitung klassische Ästheten an. Trotz des schlanken Regelwerks ist es ein echter Hirnzwirbler, der beiden Kontrahenten einiges an Konzentration abverlangt. Genau wie bei Schach spielt der Zufall keine Rolle. Hergestellt wird das Spiel in einem Familienbetrieb im Westerwald . Autor: Dieter Stein, zwei Personen ab zehn Jahren, Spieldauer 30 bis 40 Minuten Hand drauf: Schach- und Go-Spielerinnen, Dame-Freunde. Finger weg: Würflerinnen, Glücksritter, Aus-dem-Bauch-heraus-Spieler. Quizspiele gibt es ja viele, aber kaum eines ist so schnell erklärt und so robust wie "Smart 10". Auf den 200 Karten, sicher in einer praktischen Box verstaut, steht mittig je eine Frage. Die Antworten verbergen sich unter Markern, die man herausnimmt und vor der nächsten Fragerunde wieder hineindrückt. Die Fragen sind ganz verschieden aufgebaut – mal soll man Himmelskörper nach ihrem Durchmesser sortieren, mal schätzen, ob ein Ereignis im Jahr 2017 stattfand oder nicht, mal abgebildete Verkehrszeichen erläutern. Es gibt jede Menge Chancen zu punkten – oder sich wohlig zu blamieren. Wer richtig liegt, darf seinen Marker behalten. Wer falsch rät, muss alle erspielten Marker abgeben und ist für die aktuelle Runde raus. Weil man jederzeit passen kann, hat das Spiel auch eine kleine taktische Komponente – vor allem aber bietet es den Kitzel des "Push your luck": Wagt man noch einen Versuch, obwohl man nicht ganz sicher ist, ob Monaco oder Luxemburg die größere Fläche hat? Jede Runde bietet neue Chancen, man spielt entspannt zusammen, grübelt und flucht – genau das Richtige für einen Abend vor dem Wohnmobil oder eine kleine Runde am Strand. Man braucht noch nicht mal einen Tisch. Mittlerweile gibt es etliche Nachfüllpackungen mit neuen Fragen für das mit diversen Preisen ausgezeichnete Spiel, darunter auch themenspezifische wie Essen und Trinken, Reisen oder Harry Potter. Eine Frage bleibt allerdings unbeantwortet: Warum braucht es für eine Box quadratischen Grundmaßes mit einer Kantenlänge von 12,5 Zentimetern eine 25 mal 25 Zentimeter große Schachtel? Autoren: Arno Steinwender und Christoph Reiser, zwei bis acht Personen ab zwölf Jahren, Spieldauer rund 20 Minuten Hand drauf: Risikofreudige, Allgemeinspezialisten, passionierte Nutzlose-Fakten-Sammler. Finger weg: ernste Bildungsbürger, Ehrgeizhälse und sehr introvertierte Personen. Über welche Produkte wir im Tests-Ressort berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen von den Herstellern. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen. Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen werden uns in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen. Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. Wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind, kaufen wir in einigen Fällen auf eigene Kosten Testgeräte. In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und langfristige Leihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen, bevor sie zurückgegeben werden. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen. Oft werden solche Produkte und Rezensionsexemplare zum Beispiel am Ende eines Jahres gesammelt und im Rahmen eines firmeninternen Flohmarktes verkauft, wobei die Erlöse für gemeinnützige Zwecke gespendet werden. Teilweise werden Rezensionsexemplare auch direkt an gemeinnützige Einrichtungen gespendet. In Artikeln des Tests-Ressorts finden sich sogenannte Affiliate-Anzeigen, die Links zu Onlineshops enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link einen dieser Shops und kauft dort ein, wird DER SPIEGEL, aber nie der Autor individuell, in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt. Eine ausführliche Erklärung zu Affiliate-Links finden Sie, wenn Sie auf diesen Link klicken.