Datum28.06.2026 17:46
Quellewww.spiegel.de
TLDRBei einer schiitischen Demonstration in Berlin nahm die Polizei eine Aufführung mit Kindern, die aneinandergebunden waren, um die historische Verschleppung von Frauen und Kindern darzustellen. Die Kinder liefen bei bis zu 40 Grad Hitze. Die Polizei untersagte die Aufführung. Berlins Innensenatorin kritisierte die Instrumentalisierung von Kindern scharf und sprach von Kindeswohlgefährdung. Die Demonstration, die Solidarität mit Unterdrückten zeigen sollte, wurde von Kritikern als islamistisch bezeichnet.
InhaltDie Kinder liefen verkleidet und aneinandergebunden durch die Hitze: Die Polizei hat eine Aufführung bei einer schiitischen Demonstration in Berlin gestoppt. Nun gibt es schwere Vorwürfe gegen die Veranstalter. Eine schiitische Demonstration in Berlin hat am Wochenende für Aufregung gesorgt. Der Grund: Bei einer Aufführung waren Kinder beteiligt. Nach Angaben der Polizei wurden sie in eine szenische Darstellung der historischen Verschleppung von Frauen und Kindern eingebunden. Die Kinder seien dabei zusammengebunden in einer Prozession gelaufen – und das bei Temperaturen von bis zu 40 Grad. Die Polizei untersagte die Aufführung nach eigenen Angaben unverzüglich. Die Versammlungsleiterin habe dann dafür gesorgt, dass das Theaterstück beendet wurde. "Die Kinder verließen aufgrund der Hitze den Aufzug selbstständig nach einigen Metern", teilte die Polizei mit. Das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) veröffentlichte am Samstag einen Zusammenschnitt, der Videos und Bilder der Demonstration zeigen soll. Darin sind mindestens drei Kinder in langer, grüner Kleidung zu sehen mit Seilen zwischen sich. Sie folgen einem Mann, der gelb gekleidet ist. Auch unabhängige Fotografen hielten die Szene fest. Die Versammlung war mit dem Titel "Aschura-Marsch" für Solidarität gegenüber allen unterdrückten Menschen weltweit angekündigt. Aschura gilt als Trauerfest im schiitischen Islam. Gläubige erinnern dabei an den Märtyrertod des von ihnen verehrten Imams Hussein, ein Enkel des Propheten Mohammed. Während Aschura nehmen Pilger an Trauerprozessionen teil. Für einen Großteil der Schiiten hat das Fest einen rein gesellschaftlichen Charakter und ist Anlass für Treffen mit Familie und Freunden. Einige Schiiten geißeln sich zu Aschura aber auch selbst, um an die Leiden Husseins zu erinnern. Das JFDA bezeichnete die Demo als islamistisch. Teilnehmer hätten sich zu Ikonen des islamischen Terrorismus bekannt, heißt es. Das Fest werde seit Jahrzehnten von der iranischen Führung politisch instrumentalisiert. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) kritisierte deutlich, dass Kinder an einer szenischen Darstellung beteiligt waren. "Wir schützen in unserem Rechtsstaat die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Absolut inakzeptabel ist aber die Funktionalisierung und Instrumentalisierung von Kindern auf Versammlungen wie am gestrigen Samstag, um durch emotionale Bilder politische Botschaften zu senden", sagte Spranger laut einer Mitteilung. Kinder bei extremer Hitze auf Demonstrationen vorzuführen habe nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun, "sondern mit einer Gefährdung des Kindeswohls". Nach Angaben der Polizei nahmen in der Spitze etwa 600 Menschen an der Versammlung teil. Aufgrund der hohen Temperaturen mussten demnach mehrere Versammlungsteilnehmende wegen Kreislaufbeschwerden medizinisch versorgt werden. Auf eine geplante Zwischenkundgebung wurde verzichtet und der Aufzug zwischenzeitlich unterbrochen, um den Teilnehmenden eine Trinkpause im Schatten zu ermöglichen. "Im gesamten Verlauf der Versammlung wurden durch eingesetzte Dolmetscher keine strafbaren Inhalte bei Ausrufen und Redebeiträgen, an mitgeführten Transparenten sowie Fahnen, insbesondere keine IS-Fahnen, festgestellt", teilte die Polizei mit. Die Versammlung verlief demnach "insgesamt friedlich". Schiitinnen und Schiiten beklagen am Aschura-Festtag das Martyrium von Imam Hussein, der im Jahr 680 nahe der Stadt ermordet und zum Märtyrer wurde. Nach schiitischer Auffassung sollte Husseins Familie die rechtmäßigen Nachfolger des Propheten Mohammed stellen. Lesen Sie in diesem Archiv-Beitrag mehr über das Fest.