Datum28.06.2026 16:53
Quellewww.zeit.de
TLDREine schiitische Demonstration in Berlin, der "Aschura-Marsch", löste scharfe Kritik aus, da Kinder in eine szenische Darstellung der Verschleppung von Frauen und Kindern unterdrückten Personen eingebunden wurden. Die Polizei untersagte die Darstellung aufgrund der extremen Hitze. Das Jüdische Forum bezeichnete die Demo als islamistisch. Berlins Innensenatorin Spranger verurteilte die Instrumentalisierung von Kindern und die Gefährdung ihres Kindeswohls. Trotz Kritik verlief die friedliche Veranstaltung mit rund 600 Teilnehmern polizeilich ohne strafbare Inhalte.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Demonstration“. Lesen Sie jetzt „Scharfe Kritik nach schiitischer Demo mit Kindern in Berlin“. Eine Demo anlässlich eines schiitischen Festes hat am Sonntag für große Aufregung gesorgt. Nach Angaben der Polizei wurden bei der Veranstaltung am Samstag bei Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius Kinder in eine szenische Darstellung der historischen Verschleppung von Frauen und Kindern eingebunden. Die Kinder seien dabei aneinander zusammengebunden gewesen. Der Polizeiführer habe die Darstellung in einem Kooperationsgespräch mit der Versammlungsleitung unverzüglich untersagt, teilte die Polizei mit. Die Versammlungsleiterin habe dann dafür gesorgt, dass das Theaterstück beendet wurde. "Die Kinder verließen aufgrund der Hitze den Aufzug selbstständig nach einigen Metern", hieß es von der Polizei. Das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) veröffentlichte am Samstag einen Zusammenschnitt, der Videos und Bilder der Demonstration zeigen soll. Darin sind mindestens drei Kinder in langer, grüner Kleidung zu sehen mit Seilen zwischen sich. Sie folgen einem Mann, der komplett gelb gekleidet ist. Die Versammlung war mit dem Titel "Aschura-Marsch" für Solidarität gegenüber allen unterdrückten Menschen weltweit angekündigt. Aschura gilt als Trauerfest im schiitischen Islam. Gläubige erinnern dabei an den Märtyrertod des von ihnen verehrten Imams Hussein, ein Enkel des Propheten Mohammed. Während Aschura nehmen Pilger an Trauerprozessionen teil. Für einen Großteil der Schiiten hat das Fest aber auch rein gesellschaftlichen Charakter und ist Anlass für Treffen mit Familie und Freunden. Einige Schiiten geißeln sich zu Aschura auch selbst, um an die Leiden Husseins zu erinnern. Das JFDA bezeichnete die Demo als islamistisch, Teilnehmer hätten sich zu Ikonen des islamischen Terrorismus bekannt. Das Fest werde seit Jahrzehnten von der iranischen Führung politisch instrumentalisiert. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) kritisierte mit deutlichen Worten, dass Kinder an einer szenischen Darstellung beteiligt waren. "Wir schützen in unserem Rechtsstaat die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Absolut inakzeptabel ist aber die Funktionalisierung und Instrumentalisierung von Kindern auf Versammlungen wie am gestrigen Samstag, um durch emotionale Bilder politische Botschaften zu senden", sagte Spranger laut einer Mitteilung. Kinder bei extremer Hitze auf Demonstrationen vorzuführen habe nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun, "sondern mit einer Gefährdung des Kindeswohls". Nach Angaben der Polizei nahmen etwa 600 Menschen an der Versammlung teil. Aufgrund der hohen Temperaturen mussten demnach mehrere Versammlungsteilnehmende wegen Kreislaufbeschwerden medizinisch versorgt werden. Auf eine geplante Zwischenkundgebung wurde verzichtet und der Aufzug zwischenzeitlich unterbrochen, um den Teilnehmenden eine Trinkpause im Schatten zu ermöglichen. "Im gesamten Verlauf der Versammlung wurden durch eingesetzte Dolmetscher keine strafbaren Inhalte bei Ausrufen und Redebeiträgen, an mitgeführten Transparenten sowie Fahnen, insbesondere keine IS-Fahnen, festgestellt", teilte die Polizei mit. Die Versammlung verlief demnach "insgesamt friedlich". © dpa-infocom, dpa:260628-930-299647/1