Türkei: Veranstalter melden 50 Festnahmen bei Pride-Umzug in Istanbul

Datum28.06.2026 16:27

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Istanbuler Pride-Parade, seit 2015 verboten, führte zu 50 Festnahmen, darunter Journalisten. Veranstalter berichten von Foltervorwürfen gegen die Polizei. Behörden sperrten die Innenstadt und schlossen eine Gay-Bar. Trotz zunehmender Repressionen und queerfeindlicher Äußerungen seitens der Regierung, darunter die Verhaftung eines queeren Journalisten und die Sperrung von Social-Media-Konten, demonstrierte die Community entschlossen auf der asiatischen Seite der Stadt.

InhaltDie Istanbuler Pride ist seit Jahren verboten, die Regierung äußert sich queerfeindlich. Bei einem nicht genehmigten Umzug gab es den Veranstaltern zufolge 50 Festnahmen. Bei einer inoffiziellen Pride-Parade für die Rechte von schwulen, bisexuellen, transidenten und queeren Menschen (LGBTQ) sind in Istanbul Berichten zufolge zahlreiche Menschen festgenommen worden. Die Organisationen sprachen von 50 Menschen in Polizeigewahrsam, darunter auch Journalisten. In einem Facebook-Post warfen sie der Polizei auch vor, einige Betroffene gefoltert zu haben; nähere Angaben dazu gibt es nicht. Die Veranstaltung wird seit elf Jahren nicht offiziell genehmigt. Schon am Freitag war der queere Journalist Yıldız Tar verhaftet worden. Am Samstag ließen die Behörden nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu eine Gay-Bar im Istanbuler Ausgehviertel Beyoğlu schließen. Begründet wurde das mit dem Verstoß gegen Rechtsvorschriften. Die Behörden ließen die Innenstadt um die bekannte Einkaufsstraße İstiklal absperren, auch der öffentliche Nahverkehr wurde eingeschränkt. Trotz des Verbots versammelten sich Demonstrierende am Wochenende auf der asiatischen Seite der Stadt. Videos zeigen, wie sie pfeifend durch die Straßen liefen. Polizisten in Zivil gingen dagegen vor. "Ihr könnt unsere Stimmen nicht durch Repression, unsere Slogans nicht mit Verboten zum Schweigen bringen", schrieben die Veranstalter dazu. Sie werfen der Regierung vor, Lesben, Schwule, Trans- und Bisexuelle ins Visier zu nehmen, statt effektiv gegen Straftaten wie Femizide und Vergewaltigungen vorzugehen. Die Community lasse sich aber nicht durch Verbote und Hasspolitik reglementiere. In der Türkei äußern sich Vertreter der Regierung und Präsident Recep Tayyip Erdoğan selbst immer wieder offen LGBTQ-feindlich. In den vergangenen Wochen haben die Repressalien weiter zugenommen. Bei Razzien gegen Oppositionelle vor dem Nato-Gipfel am kommenden Wochenende wurden Anfang der Woche mehr als 200 Personen festgenommen. Ein Gericht erließ später Haftbefehl für 103 von ihnen wegen des Vorwurfs der "Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung". Zahlreiche Konten auf X, die sich für die Rechte queerer Menschen einsetzen, wurden gesperrt. Das Magazin queer.de berichtet, dass viele Kulturverstaltungen der LGBTQ-Community verboten wurden und die Medienaufsicht immer stärker gegen queere Inhalte vorgeht. Die Pride-Parade war früher eine Massenveranstaltung, seit 2015 ist sie aber verboten, die Behörden begründen das mit Sicherheitsbedenken.