Datum28.06.2026 15:54
Quellewww.zeit.de
TLDRBerlin erlebte ein Hitzewochenende mit Rekordtemperaturen von bis zu 39,9 Grad. Die Feuerwehr verzeichnete über 2.000 Einsätze, es gab Badeunfälle mit zwei Toten. Freibäder waren überfüllt. Trotzdem fanden Demonstrationen und Konzerte statt, teils mit gelockerten Regeln. In Brandenburg wurde ebenfalls ein Hitzerekord gemessen. Der Wasserverbrauch stieg stark an. Für Montag wird nach der Hitze mit Regen und Gewittern gerechnet.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Temperaturen um 40 Grad“. Lesen Sie jetzt „Hitze bestimmt das Wochenende in Berlin - Rekord am Samstag“. So heiß wie an diesem Wochenende war es in Berlin seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie. Mit 39,9 Grad Celsius wurde am Samstag in Berlin-Tempelhof ein neuer Rekord aufgestellt, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) anhand vorläufiger Zahlen mitteilte. Große Freude an diesem Höchstwert hatten aber wohl nur die wenigsten Menschen in der Stadt, vielmehr wurde die Hitze zur Belastungsprobe. Mehr als 2.000 Einsätze absolvierte die Berliner Feuerwehr allein am Samstag, oftmals musste der Rettungsdienst wegen Schwindel und Kreislaufproblemen ausrücken. Mindestens zwei Menschen starben bei Badeunfällen in offenen Gewässern. Abkühlung suchten die Berliner und Berlinerinnen auch in den Freibädern der Stadt, die an beiden Tagen sehr voll waren. Der Ticketverkauf für die Sommerbäder wurde an beiden Tagen gestoppt. Vor den Bädern bildeten sich teils sehr lange Schlangen, nicht alle Menschen konnten eingelassen werden. Die Berliner Polizei fuhr an beiden Tagen mit Wasserwerfern durch die Stadt und beregnete die Menschen etwa am Brandenburger Tor. In der Stadt waren abseits der Freibäder wenige Menschen unterwegs, viele Veranstaltungen waren schon vor dem Hitze-Wochenende abgesagt worden. Auch sonst bei Sommerwetter sehr beliebte Orte wie das Tempelhofer Feld oder der Park am Gleisdreieck wirkten vor allem am Samstag regelrecht verwaist. Einige Gewerkschaften sowie Sozial- und Wohlfahrtsverbände riefen dennoch zu einer Demo gegen die von der Bundesregierung angedachten Sozialstaatsreformen auf, laut den Veranstaltern kamen rund 3.000 Menschen. Für Sonntagabend rief Fridays For Future kurzfristig zu einer Demo am Invalidenpark zur Hitzewelle und der Klimakrise auf. Auch zwei Konzerte des Sängers Bruno Mars sowie das Konzert der Berliner Philharmoniker in der Waldbühne fanden statt - die Philharmoniker verkürzten ihr Konzert jedoch, weil sich am Samstagabend Gewitter der Stadt näherten. Für die Konzerte von Bruno Mars wurden die Regeln etwa zur Getränkemitnahme gelockert, Fans durften alkoholfreie Getränke in 1-Liter-Tetra-Paks oder Weichplastikflaschen mitnehmen. Am Sonntag fuhr die Polizei mit den Wasserwerfern auch zu den wartenden Fans. Das Gewitter am Samstagabend brachte vor allem im Westen der Stadt zwar kurz Regen und böigen Wind, aber nur kurz Abkühlung. Die Feuerwehr musste zu 27 wetterbedingten Einsätzen ausrücken, konnte den ausgerufenen Ausnahmezustand aber schnell wieder zurücknehmen. Auch in Brandenburg wurde am Samstag ein neuer Hitzerekord verzeichnet - in Baruth im Landkreis Teltow-Fläming wurden nach vorläufigen DWD-Angaben 40,8 Grad Celsius gemessen. Ob die beiden Rekorde womöglich schon am Sonntag eingestellt oder übertroffen werden, war zunächst offen. Die beiden tödlichen Badeunfälle ereigneten sich am Samstag am Mittag beziehungsweise frühen Nachmittag. Wie die Polizei mitteilte, entdeckte eine Gruppe in einem Schlauchboot gegen 13.00 Uhr eine leblose Person im Jungfernheideteich in Charlottenburg. Die Menschen im Schlauchboot holten den 42-jährigen Mann demnach aus dem Wasser und begannen mit Reanimationsmaßnahmen. Der alarmierte Rettungsdienst führte diese fort, musste aber nach Angaben der Polizei noch vor Ort den Tod des Mannes feststellen. Ein 51-Jähriger starb kurze Zeit später am Tempelhofer Hafen. Dort wurde er leblos im Wasser treibend entdeckt. Nach Angaben der Polizei holten Feuerwehrleute den Mann aus dem Wasser, konnten dann aber nur noch den Tod feststellen. Die Deutsche Bahn riet für das Wochenende von nicht dringend notwendigen Reisen im Regional- und Fernverkehr ab. Im brandenburgischen Karstädt blieb ein Zug der tschechischen Bahn (České dráhy) auf seiner Fahrt zwischen Hamburg und Prag liegen. Weil der Zug keinen Strom mehr hatte, fiel auch die Klimaanlage aus. Mehr als 600 Passagiere waren betroffen. Der Einsatz zog sich über Stunden hin, die Menschen wurden letztlich in ein Notlager in einer Sporthalle gebracht. Die Berliner Verkehrsbetriebe kamen ersten Angaben zufolge ohne größere Probleme durch das Wochenende. Vereinzelt fielen in Fahrzeugen Klimaanlagen aus, die Trams und Busse konnten dann aber ausgetauscht werden. Bei Hitzewarnungen, wie sie am Samstag in Berlin und Brandenburg galten, empfiehlt der Deutsche Wetterdienst, die direkte Sonne und körperliche Anstrengungen während der heißesten Tageszeit möglichst zu meiden. Außerdem sollten Menschen ausreichend trinken, Wohnräume vor direkter Sonneneinstrahlung schützen und möglichst dann lüften, wenn es draußen kühler ist als drinnen. Wenig verwunderlich war der Wasserverbrauch über das Wochenende verhältnismäßig hoch. Wie Zahlen der Berliner Wasserbetriebe zeigen, wurden zeitweise nahezu 45 Millionen Liter Wasser pro Stunde gebraucht. Die höchsten Werte wurden am Samstagvormittag kurz nach 9.00 Uhr gemessen. Am Freitagabend stieg der Verbrauch gegen 20.00 Uhr in ähnliche Höhen, am Sonntagmorgen blieb er knapp darunter. Nach der Hitzewelle und den beiden besonders heißen Wochenendtagen besteht nun Hoffnung auf Abkühlung - allerdings herrscht dem Deutschen Wetterdienst zufolge auch Unwettergefahr. Die Meteorologen erwarten am Montag in Berlin und Brandenburg verbreitet Regen, teils schauerartig mit örtlichen Gewittern. Die Höchstwerte liegen voraussichtlich bei 27 bis 31 Grad. © dpa-infocom, dpa:260628-930-299364/1