Türkische Aktivisten protestieren gegen Pride-Verbot in Istanbul

Datum28.06.2026 15:42

Quellewww.spiegel.de

TLDRTürkische Aktivisten protestierten gegen das Verbot der Istanbuler Pride-Parade, das seit 2015 besteht. Die Behörden sperrten die Innenstadt ab und untersagten die Veranstaltung. Trotzdem versammelten sich Demonstranten, wurden aber schnell von der Polizei gestoppt, was zu Festnahmen führte. Die Organisatoren kritisierten die Regierung für die Repression von LGBTQ+-Personen und warfen ihr vor, von Verbrechen wie Femiziden abzulenken. Zunehmende Repressalien gegen LGBTQ+-Aktivisten und Einrichtungen unterstreichen die angespannte Situation.

InhaltSeit mehr als zehn Jahren verbieten türkische Behörden die Pride-Parade in Istanbul. Dieses Mal haben sie sogar die Innenstadt abgesperrt. Dennoch kam es zu Demonstrationen, die schnell unterbunden wurden. Türkische Aktivisten haben gegen das Verbot der jährlichen Pride-Parade in Istanbul protestiert. "Ihr könnt unsere Stimmen nicht durch Repression, unsere Slogans nicht mit Verboten zum Schweigen bringen", teilten die Organisatoren der diesjährigen Pride, einer Demonstration für die Rechte von queeren Menschen, mit. Zuvor hatten die Behörden die Pride-Parade in Istanbul untersagt und die Istanbuler Innenstadt um die bekannte Einkaufsstraße Istiklal abgesperrt. Auch der öffentliche Nahverkehr wurde eingeschränkt. Auf der asiatischen Seite der Stadt versuchten Demonstranten, sich dennoch zu versammeln, sie liefen pfeifend durch die Straßen, wie Aufnahmen zeigten. Das wurde unmittelbar von Zivilpolizisten unterbunden. Medienberichten zufolge gab es auch Festnahmen. Die Organisatoren warfen der Regierung vor, Lesben, Schwule, Bisexuelle und trans Personen ins Visier zu nehmen, statt effektiv gegen Straftaten wie Femizide und Vergewaltigungen vorzugehen. Man lasse sich nicht durch Verbote und Hasspolitik reglementieren. Vertreter der Regierung und Präsident Recep Tayyip Erdogan äußern sich immer wieder offen LGBTQ-feindlich. In den vergangenen Wochen haben die Repressalien zugenommen. Zahlreiche Konten auf X, die sich für die Rechte von LGBTQ+ einsetzen, wurden gesperrt. Am Freitag war der queere Journalist Yildiz Tar verhaftet worden. Am Samstag ließen die Behörden nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu eine Gay-Bar im Istanbuler Ausgehviertel Beyoglu schließen. Begründet wurde dies mit dem Verstoß gegen Rechtsvorschriften. Die Pride-Parade in Istanbul ist seit 2015 verboten, in der Regel begründen die Behörden die Maßnahme mit Sicherheitsbedenken.