Polnische Regierung verlangt von Deutschland jährlich 10.000 Zloty pro NS-Opfer

Datum28.06.2026 15:28

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie polnische Regierung fordert von Deutschland jährliche Hilfszahlungen für NS-Opfer in Höhe von 10.000 Zloty (ca. 2333 Euro) pro Person. Dies ist eine moderate Forderung im Vergleich zu früheren Reparationsansprüchen. Die Finanzierung ist zwar noch ungeklärt, deutsche Politiker zeigen sich aber offen für Entschädigungen. Die Summe wäre für Deutschland im ersten Jahr mit rund 100 Millionen Euro überschaubar.

InhaltPolen drängt laut einem Medienbericht weiter auf eine Entschädigung von NS-Opfern durch Deutschland. Die Forderung der aktuellen Regierung ist deutlich moderater als die der Vorgänger – die Finanzierung dennoch offen. Die polnische Regierung fordert einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge von der Bundesregierung jährliche Hilfszahlungen für polnische Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Höhe von 10.000 Zloty, was rund 2333 Euro pro Person und Jahr entspricht. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte sich Mitte Juni für die Entschädigung polnischer NS-Opfer ausgesprochen. Laut dem Zeitungsbericht vom Sonntag ist die Finanzierung aber weiterhin ungeklärt. Die langjährige rechtsnationale Regierung in Warschau hatte hohe Reparationszahlungen wegen der NS-Verbrechen gefordert. Am 1. September 2022, und damit genau 83 Jahre nach dem deutschen Überfall auf Polen, hatte die polnische Regierung den Deutschen eine Rechnung vorgelegt. Laut einer Expertenkommission, die jahrelang ausgewertet hatte, welcher Schaden den Polen durch dieses Verbrechen entstanden war, belief sich die Summe auf 6.220.000.000.000 Złoty, umgerechnet 1,316 Billionen Euro. Die Bundesregierung lehnte diese Zahlung ab. Zum einen verwies sie auf eine fehlende rechtliche Grundlage, zudem fürchtete sie Forderungen aus weiteren Ländern. Auch in Warschau rechnete offenbar niemand ernsthaft damit, dass der gigantisch hohe Betrag beglichen würde. Die neue polnische Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk entschärfte ihren Ton gegenüber Berlin deutlich, drängt aber weiter auf Entschädigungen. 2024 stellte die Bundesregierung Polen Zahlungen an noch lebende polnische NS-Opfer in Aussicht. "Mit mir haben Sie jemanden in der deutschen Regierung, der dafür ist", sagte Wadephul dazu  vor knapp zwei Wochen. Eine gewichtige Rolle spielt nun wohl die schwierige Haushaltslage in Deutschland. Die Zahl der noch lebenden polnischen NS-Opfer wird auf 50.000 geschätzt, wobei die Zahl sich stetig verringert. Nach "SZ"-Berechnungen wäre bei Zahlungen von 10.000 Zloty pro Jahr im ersten Jahr mit 100 Millionen Euro Kosten und insgesamt mit rund 300 Millionen Euro zu rechnen.