Nato-Ostflanke: Polen befürchtet russische Übergriffe

Datum28.06.2026 13:07

Quellewww.spiegel.de

TLDRPolen befürchtet russische Provokationen an der Nato-Ostflanke, ähnlich der Krim-Besetzung 2014. Der polnische Auslandsgeheimdienst warnt vor Täuschungsaktionen wie dem Einsatz von "grünen Männchen". Laut Geheimdienstchef Szota teste Russland systematisch die Reaktion der Nato. Der polnische Außenminister Sikorski mahnt eine klare Haltung gegenüber Präsident Putin an und betont die Verteidigungsbereitschaft des Bündnisses.

InhaltMehrfach hat der Kreml erklärt, dass Russland Nato-Gebiet nicht angreifen werde. Doch Polens Auslandsgeheimdienst warnt vor Täuschungsaktionen, ähnlich denen bei der Krim-Besetzung 2014. Die polnische Führung sieht ein wachsendes Risiko russischer Provokationen an der Nato-Ostflanke. "Wir sehen die Ereignisse in der Ukraine und dass der Krieg für Russland derzeit nicht gut läuft. Das ist ein Grund zur Besorgnis, dass Moskau die Situation weiter eskalieren könnte", sagte der Chef des polnischen Auslandsgeheimdienstes, Oberst Pawel Szota, der Zeitung "Rzeczpospolita". Seiner Einschätzung nach könnte ein begrenzter Angriff auf die baltischen Staaten so aussehen, dass dort "grüne Männchen" auftauchen. Mit diesem Begriff wurden russische Soldaten bezeichnet, die 2014 die ukrainische Halbinsel Krim unter Kontrolle brachten. Sie trugen keinerlei Hoheitsabzeichen, wie etwa die Flagge ihres Landes an der Schulter. Der Kreml hatte damals anfangs bestritten, dass es sich um Soldaten der regulären russischen Armee handelte. "Russland überschreitet systematisch rote Linien, um die Reaktion der Nato zu testen", sagte Szota. "Die Kosten solcher Provokationen sind gering, aber das Bündnis reagiert vor allem politisch, was zu weiterer Eskalation einlädt." Ähnlich hatte der polnische Außenminister Radosław Sikorski vergangene Woche vor möglichen Aktionen der Russen unter falscher Flagge gewarnt. "Wir müssen Putin kommunizieren, dass wir wissen, was er im Schilde führt, und dass wir nicht darauf hereinfallen, dass dies völlig unannehmbar ist und wir jeden Zoll von Nato-Gebiet verteidigen würden", sagte er dem US-Sender CBS. Sikorski äußerte zudem die Ansicht, dass der erfolgreiche Widerstand der Ukraine Russland bislang jener Ressourcen beraubt habe, die für eine wirksame Invasion der Nato-Ostflanke erforderlich wären. Kremlchef Wladimir Putin und andere Mitglieder der Moskauer Führung haben mehrfach erklärt, dass Russland nicht Nato-Gebiet angreifen werde. Militär und Geheimdienste mehrerer Nato-Staaten sehen die Lage aber ähnlich wie die Polen, wobei die Einschätzungen zu Zeitraum und Ausmaß möglicher Angriffe auseinandergehen.