Israel: Regierung erkennt Völkermord an Armeniern offiziell an

Datum28.06.2026 12:28

Quellewww.spiegel.de

TLDRIsrael hat den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich offiziell anerkannt. Das Kabinett billigte einen entsprechenden Vorschlag des Außenministers einstimmig. Zuvor hatte Israel lange Zeit eine Anerkennung wegen der Beziehungen zur Türkei vermieden, die bis heute den Begriff Genozid zurückweist. Die Entscheidung Israels fällt vor dem Hintergrund sich verschlechternder Beziehungen zur Türkei und angesichts ähnlicher Anerkennungen durch die USA und Deutschland.

InhaltLange vermied es Jerusalem, den Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich anzuerkennen – auch wegen seiner Beziehungen zur Türkei. Nun hat das Kabinett einen entsprechenden Vorschlag des Außenministers gebilligt. Die israelische Regierung hat den Völkermord an den Armeniern vor mehr als 110 Jahren anerkannt. Das Kabinett habe einen entsprechenden Vorschlag des Außenministers Gideon Sa’ar einstimmig angenommen, teilte dessen Sprecher mit. "Es ist niemals zu spät, das Richtige zu tun", sagte der Außenminister demnach. Im vergangenen Jahr hatte bereits Benjamin Netanyahu in einem Interview als erster Regierungschef Israels den Völkermord anerkannt. Rund 1,5 Millionen Armenier starben 1915 und 1916 – im Ersten Weltkrieg – nach Forschungen von Historikern durch systematische Tötungen im Osmanischen Reich. Die Türkei als Rechtsnachfolgerin weist den Begriff Genozid, also die gezielte Auslöschung des armenischen Volkes mit systematischen Tötungsmethoden, zurück. Die Türkei spricht von Massenkern an 300.000 bis 500.000 Menschen. Israel hatte eine offizielle Anerkennung des Genozids lange vermieden. Es gab verschiedene Vorstöße im Parlament, die aber nie in einer formellen Abstimmung endeten. Als Grund für die Zurückhaltung galt Rücksichtnahme auf die Beziehungen mit der Türkei und ihrem Verbündeten Aserbaidschan. Das Verhältnis zur Türkei habe sich jedoch in den vergangenen Jahren immer weiter verschlechtert, vor allem vor dem Hintergrund des Kriegs im Gazastreifen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan warf Israel 2023 einen "Genozid" (Völkermord) im Gazastreifen vor. Der US-Kongress hatte die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges 2019 als Völkermord anerkannt. Der Deutsche Bundestag hatte dies bereits 2016 getan. Dies belastete damals die deutsch-türkischen Beziehungen schwer. Armenien strebt bessere Beziehungen mit der Türkei und Aserbaidschan an. In Eriwan wurde Premier Nikol Paschinjan, der Anfang Juni wiedergewählt wurde, zum Gesicht der Annäherung. Erfahren Sie hier mehr  über die Parlamentswahlen in Armenien – und darüber, warum sie einen Rückschlag für Wladimir Putin bedeuteten.