Datum28.06.2026 12:01
Quellewww.spiegel.de
TLDRIn Texas wird die Bibel ab 2030 zur Pflichtlektüre in staatlichen Schulen. Ein Ausschuss entschied, dass Schüler biblische Geschichten lesen müssen. Begründet wird dies mit der Bedeutung der Bibel für die amerikanische Kultur. Kritiker sehen die Trennung von Staat und Kirche gefährdet, während evangelikale Gruppen die Entscheidung begrüßen.
InhaltJesu Botschaft im Klassenzimmer: Im US-Bundesstaat Texas müssen Schüler in Zukunft die Bibel lesen. Kritiker sehen die Trennung von Staat und Kirche gefährdet. Mehr als fünf Millionen Schülerinnen und Schüler besuchen in Texas staatliche Schulen. Und genau dort werden sie in Zukunft dazu verdonnert, neben weltlicher Literatur auch die Bibel zu lesen. So hat es laut US-Medienberichten die zuständige Behörde des US-Bundesstaates entschieden. Ein von den Republikanern geführter Ausschuss verabschiedete am Freitag mit 9 zu 5 Stimmen eine neue Pflichtlektüreliste für jede Klassenstufe. Das Gremium beschloss außerdem eine Neufassung der landesweiten Lehrplanvorgaben für den Sozialkundeunterricht vom Kindergarten bis zur achten Klasse. Die neue Leseliste für die Schulen in Texas empfiehlt neben weltlicher Literatur die biblischen Geschichten von Jona und dem Wal, David und Goliat, Adam und Eva ebenso wie Textstellen zu christlicher Demut und Liebe aus dem Alten und dem Neuen Testament. Bibeltreue Kreationisten werden es begrüßen, dass nun neben den naturwissenschaftlichen Theorien zur Entstehung der Erde auch die Schöpfungsgeschichte verbreitet wird. Bildungsbeamte in Texas begründeten die Entscheidung damit, dass "die Bibel als unverzichtbares literarisches Werk, das für das Verständnis der amerikanischen Gründungsgeschichte und Kultur von Bedeutung" sei. Ob die Idee, dass Eva, die Frau, aus der Flanke Adams, des Mannes, erschaffen wurde, im Unterricht als antiquierter Genderstereotyp kritisch hinterfragt werden soll, ist unklar. Laut Schätzungen gehören rund 27 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Texas eher strenggläubigen evangelikalen Gruppierungen an, das sind mehr als sechs Millionen Menschen. Evangelikale haben landesweit eine mächtige Lobby und großen Einfluss auf die US-Politik. Laut einem Bericht der "Texas Tribune " sollen die Ausschussmitglieder unter der Leitung des Republikaners Tom Maynard sogar diskutiert haben, ob sie Lehrkräften verbieten sollten, Bücher zu vergeben, die nicht vom Staat vorgeschrieben und online von den Eltern genehmigt wurden. Dieser Vorschlag wurde aber nicht angenommen. Kritik kam von Befürwortern einer Trennung von Staat und Kirche. "Die Regierung von Texas – ganz zu schweigen von jeder anderen amerikanischen Regierungsstelle – sollte sich niemals damit befassen, den Menschen eine bestimmte Religion aufzuzwingen", sagte Rachel Laser von "Americans United for Separation of Church and State" der "New York Times". Die Organisation hatte bereits gegen ein Gesetz geklagt, das das Aushängen der Zehn Gebote in texanischen Klassenzimmern vorschreibt. Texas ist bekannt für seine christlich-missionarischen Vorstöße im Bildungsbereich. Der US-Bundesstaat erlaubt bereits die schulinterne Tätigkeit von Kaplanen, die als Seelsorger Schüler betreuen. Auch gibt es schon jetzt optionale bibelorientierte Lehrpläne. Die neue Leseliste soll ab 2030 verbindlich sein.