Chinesischer Menschenrechtler nach spektakulärer Flucht in Kanada

Datum28.06.2026 10:25

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer chinesische Menschenrechtler Dong Guangping erreichte nach gefahrvoller Flucht per Schlauchboot von China nach Südkorea schließlich Kanada. Der ehemalige Polizist, der wegen seines Engagements für Demokratie jahrelang verfolgt und inhaftiert wurde, strebte nach Kanada aus, wo seine Familie lebt. Nach mehreren gescheiterten Ausreiseversuchen und Abschiebungen markiert seine erfolgreiche Flucht nach Nordamerika einen Wendepunkt in seinem Leben.

InhaltEs war ein langer Weg: Der chinesische Dissident Dong Guangping ist nach wochenlangem Warten von Südkorea nach Kanada ausgereist. Er war mit einem Schlauchboot in China gestartet. Der nach Südkorea geflohene chinesische Regierungskritiker Dong Guangping ist übereinstimmenden Berichten zufolge in sein Wunschland Kanada ausgereist. Wie Aktivisten in sozialen Netzwerken berichteten, erreichte der Menschenrechtler bereits am Freitag die kanadische Stadt Toronto per Flugzeug. Damit endete das jahrelange Unterfangen Dongs, China zu verlassen. Seit 2015 hatte er mehrfach versucht, auszureisen, war aber immer wieder in sein Heimatland abgeschoben worden - zuletzt im Jahr 2022 aus Vietnam. Ende Mai hatte der Demokratieaktivist nach einer 30-stündigen Überfahrt in einem rund drei Meter langen motorisierten Schlauchboot Südkorea erreicht. Rund 400 Kilometer legte er mit dem Gefährt zurück, gestartet war er in der ostchinesischen Küstenstadt Weihai. Er wurde letztlich von örtlichen Fischern entdeckt, was ihm mutmaßlich das Leben rettete. Er habe befürchtet, an Erschöpfung zu sterben, sagte Dong, der laut eigenen Worten zuvor noch nie ein Schlauchboot gesteuert hatte, der "New York Times". "Ich war bereits in einem schrecklichen Zustand." In Südkorea war zunächst ungewiss, wie es für den 68-Jährigen weitergehen soll. Einen Antrag auf Untersuchungshaft wegen illegaler Einreise hatte der örtliche Bezirksrichter abgewiesen, wie Südkoreas amtliche Nachrichtenagentur Yonhap berichtete hatte. Dong kam laut eigenen Worten zunächst in ein Zentrum für Geflüchtete in Incheon, nahe der Hauptstadt Seoul, unter. Er äußerte den Wunsch, Asyl in Kanada zu beantragen, wo seine Tochter und seine Ehefrau leben. Dong war Polizist in China, bis er 1999 am 10. Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Demokratieproteste am Platz des Himmlischen Friedens in Peking eine öffentliche Petition unterschrieb. Daraufhin wurde er entlassen und in den darauffolgenden Jahren immer wieder aufgrund seines Aktivismus‘ inhaftiert.