Datum28.06.2026 10:04
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie geplante Tabaksteuererhöhung könnte Shisha-Tabak bis 2030 fast verdoppeln, von 56 auf 188,46 Euro pro Kilogramm. Dies würde den Kilopreis auf 250-300 Euro treiben. Der Bundesverband Wasserpfeifentabak warnt vor einem massiven Anstieg des Schwarzmarktes und dem Ende der legalen Branche, ähnlich wie bei früheren Verpackungsregulierungen. Dies könnte zu Steuerausfällen und Gewinnen für die organisierte Kriminalität führen.
InhaltAuf schätzungsweise 1,5 Millionen Shisha-Raucher in Deutschland kommt eine kräftige Steuererhöhung zu. Ein Lobbyist warnt, davon werde vor allem der Schwarzmarkt profitieren. Shisha-Raucher könnten bald deutlich stärker zur Kasse gebeten werden. Das geht laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur aus einem Gesettentwurf zum Tabaksteuergesetz und der Steuerstatistik hervor. Demnach soll die aktuelle Tabaksteuerlast von etwa 56 Euro pro Kilogramm Wasserpfeifentabak bis 2030 schrittweise auf 188,46 Euro pro Kilo steigen. Nach Angaben des Bundesverbandes Wasserpfeifentabak liegt der durchschnittliche Verkaufspreis derzeit bei circa 139 Euro pro Kilo. "Künftig würden sich die Preise wohl auf 250 bis 300 Euro pro Kilo in etwa verdoppeln", sagte Folke Rega vom Bundesverband Wasserpfeifentabak. Das Gesetzesvorhaben stammt vom Bundesfinanzministerium, es könnte zügig verabschiedet werden. Der Verband warnte vor einer Zunahme des Schwarzmarktes, sollte die geplante Steuererhöhung tatsächlich kommen. Allein im ersten geplanten Schritt zum Januar 2027 würde sich die Tabaksteuer auf Wasserpfeifentabak fast verdoppeln, danach ginge es weiter hoch. "Die Steuererhöhungen sind unverhältnismäßig hoch", sagt Verbandsgeschäftsführer Rega. "Ein legaler Vertrieb von Wasserpfeifentabak setzt voraus, dass die Branche ausreichende Absatzmengen erzielen kann: Das aber ist in Gefahr, wenn eine 200-Gramm-Dose künftig 60 Euro kostet." Derzeit seien es 25 bis 30 Euro. In Deutschland rauchen laut einer Schätzung von 2023 rund 1,5 Millionen Menschen Wasserpfeife. Krebsforscher betonen die Gesundheitsgefahren des Shisha-Rauchens. Dass das Wasser bei dieser Art von Rauchen eine Filterfunktion habe, ist eine weit verbreitete Legende. Ein Viertel des in Deutschland verkauften Wasserpfeifentabaks wird in circa 5000 Shisha-Bars konsumiert – der Rest entfällt auf den privaten Bedarf. Laut Verbandsangaben gibt es circa 2500 Verkaufspunkte wie Kioske und Tankstellen, sowie circa 200 Großhändler. Eine restriktive Verpackungsregelung, die von 2022 bis 2024 galt, machte der Shisha-Branche schwer zu schaffen. Damals brummte der Schwarzmarkt: Während die Importmenge spezieller Kohle, die für Wasserpfeifen benötigt wird, gleich blieb, brach die Menge versteuerten Shisha-Tabaks ein. Diese Entwicklung erklärten Fachleute damit, dass die Konsumenten besagte Kohle weiterhin legal einkaufen, für den Tabak aber auf illegale Kanäle zurückgreifen. Der Bundesverband Wasserpfeifentabak schätzte, dass 80 Prozent des in Deutschland konsumierten Shisha-Tabaks aus illegalen Kanälen kam. Schließlich machte der Gesetzgeber einen Rückzieher, kippte die Verpackungsregelung und entzog dem Schwarzmarkt damit teilweise den Boden. Nun befürchtet Verbandsvertreter Rega, dass die Steuererhöhung der nächste Wachstumsimpuls für den illegalen Markt sein könnte. "Die Pläne des Fiskus zu kräftigen Steuermehreinnahmen würden wieder schiefgehen", sagt der Lobbyist. "Stattdessen ist mit einem Verlust der kompletten legalen Steuereinnahmen zu rechnen, profitieren wird die Organisierte Kriminalität." Produktion in Deutschland werde es dann wohl nicht mehr geben, da sich das Geschäft angesichts des zu erwartenden Umsatzeinbruchs nicht mehr lohnen würde. Als Folge der geplanten Steuererhöhungen würde wohl nur noch illegale Importware über das Internet nach Deutschland kommen, so Rega weiter. "Die legale Branche stirbt und der Fiskus geht leer aus." Beim Koalitionsgipfel in der kommenden Woche könnte sich die Bundesregierung auf eine Steuerreform einigen. Dabei ist laut einem Bericht von "Bild" auch eine weitere Anhebung der Tabaksteuer im Gespräch. Diese soll in den kommenden Jahren ohnehin schrittweise steigen.