Datum28.06.2026 04:12
Quellewww.spiegel.de
TLDRNach Angriffen auf Öltanker und US-Ziele droht US-Präsident Trump dem Iran mit "Vernichtung", falls sich dies wiederholt. Die USA retalierten mit Angriffen auf iranische Stellungen. Iran meldete indes Einschläge in eigenen Dörfern, während Kuwait und Bahrain ebenfalls attackiert wurden. Die iranische Revolutionsgarde beanspruchte diese Angriffe als Reaktion auf US-Aktionen. Ein kürzlich geschlossenes Rahmenabkommen zwischen beiden Ländern, das die Straße von Hormus öffnete, scheint angesichts der Eskalation fragil.
InhaltWieder ein Zwischenfall in der Straße von Hormus, wieder reagieren die USA mit Attacken in Iran. Auch aus verbündeten Golfstaaten wird Beschuss gemeldet. US-Präsident Trump verwendet einmal mehr drastische Worte. Auch in dieser Nacht sah es nicht so aus, als sei das mit viel Getöse verkündete Rahmenabkommen zwischen Iran und den USA allzu viel wert. Erneut hat es US-Angriffe gegeben – und auch aus Golfanrainerstaaten wie Bahrain und Kuwait wurden Zwischenfälle gemeldet. Dazu kamen sowohl aus Washington als auch aus Teheran eskalierende Töne. Zunächst hatten US-Streitkräfte nach eigenen Angaben erneut einen Vergeltungsschlag gegen Iran verübt. Mehrere Ziele – darunter Flugabwehrstellungen, Drohnenlager und Überwachungsinfrastruktur – seien angegriffen worden, teilte das zuständige Regionalkommando Centcom mit. Grund sei ein Angriff Irans auf einen Öltanker gewesen. Es ist der zweite US-Angriff auf Iran seit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen den beiden Ländern Mitte Juni (mehr dazu hier ). Erst am Freitagabend und in der Nacht zum Samstag hatten die USA gemeldet, iranische Raketen- und Drohnenlagerstätten sowie küstennahe Radaranlagen aus der Luft angegriffen zu haben – als Reaktion auf die Attacke auf ein Containerfrachtschiff am Donnerstag (mehr dazu hier). "Es ist ein größerer Angriff als gestern Abend", sagte ein hochrangiger US-Beamter dem Sender Fox News zu dem jüngsten Schlag. Am Samstag hatte die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO mitgeteilt, dass ein Schiff von einem unbekannten Geschoss getroffen worden sei. Die genauen Hintergründe dieses Vorfalls blieben zunächst unklar, nach Angaben der "New York Times" soll eine iranische Drohne involviert gewesen sein. Laut Centcom handelte es sich bei dem Schiff um die unter panamaischer Flagge fahrende "Kiku". Der Tanker sei am Donnerstag in Katar ausgelaufen und auf dem Weg in die Vereinigten Arabischen Emirate gewesen, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf einen US-Beamten. US-Präsident Donald Trump zeigte sich auf der Plattform Truth Social verärgert über Iran. Der US-Angriff sei die Vergeltung für einen erneuten Verstoß gegen die Waffenruhe seitens Irans, schrieb er. "Es ist gut möglich, dass sie es nie lernen werden! Es könnte ein Punkt kommen, an dem wir nicht mehr vernünftig sein können und gezwungen sein werden, das Werk, das wir sehr erfolgreich begonnen haben, militärisch zu vollenden", so Trump weiter. Der US-Präsident drohte erneut Richtung Teheran: "Sollte das geschehen, wird die Islamische Republik Iran nicht mehr existieren!" Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Der iranische Staatssender Irib meldete in der Nacht, in einem Dorf bei der Stadt Sirik seien Explosionsgeräusche zu hören gewesen. Wenig später hieß es, Geschosse seien in einen Kommunikationsturm eingeschlagen. Vier Geschosse schlugen laut Irib in Außenbezirken der iranischen Hafenstadt Bandar-Lengeh in der Provinz Hormusgan ein. Auch auf der Insel Gheschm in der Straße von Hormus soll es demnach Einschläge gegeben haben. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Ebenfalls in der Nacht ist auch das Golfemirat Kuwait nach Angaben der örtlichen Streitkräfte mit Raketen und Drohnen attackiert worden. "Die kuwaitische Luftabwehr wehrt derzeit feindliche Raketen- und Drohnenangriffe ab", erklärte die Armee im Onlinedienst X und rief die Menschen im Land auf, den Sicherheitsanweisungen der Behörden Folge zu leisten. Auch in Bahrain, wo sich ein bedeutender Stützpunkt der US-Marine befindet, wurde Luftalarm ausgelöst. Das bahrainische Innenministerium rief die Menschen im Land auf, "sich ruhig zu verhalten und sich zum nächstgelegenen Schutzraum zu begeben". Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Irans Revolutionswächter teilten am frühen Sonntagmorgen mit, dass die Angriffe auf acht Ziele in US-Einrichtungen in Kuwait und Bahrain als Reaktion auf die jüngsten Schläge der US-Armee zu verstehen seien. Es handle sich um Ziele auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ali Al-Salem in Kuwait und der 5. US-Marineflotte in Mina Salman, Bahrain. Mit Verweis auf den Beschuss von Schiffen in der Straße von Hormus hieß es aus Teheran: "Gegen jedes Schiff, das die Vereinbarung verletzt, wird mit Nachdruck vorgegangen. Jede Aggression des Feindes wird aufs Härteste beantwortet." Im Zuge der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran hatte die Islamische Republik Anfang März die wichtige Meerenge durch Drohungen und Angriffe für den Schiffsverkehr weitestgehend gesperrt. Die USA reagierten im Verlauf mit einer eigenen Seeblockade für Schiffe, die iranische Häfen anliefen oder verlassen sollten. Im Zuge des Rahmenabkommens wurden beide Blockaden inzwischen aufgehoben. Washington und Teheran hatten sich nach mühsamen Verhandlungen jüngst auf diese Vereinbarung geeinigt. Sie trat vergangene Woche in Kraft und umfasst unter anderem ein vorläufiges Ende der Kampfhandlungen sowie die Wiedereröffnung der für den weltweiten Ölhandel zentralen Straße von Hormus. Das Rahmenabkommen gilt zudem als Ausgangspunkt für vertiefte Verhandlungen. Diese sind zunächst auf 60 Tage angesetzt und sollen unter anderem das umstrittene iranische Atomprogramm in den Fokus nehmen. Nach der nächsten Nacht voller Angriffe und gegenseitiger Drohungen ist unklar, ob und wie lange das Abkommen noch Bestand haben kann. Der SPIEGEL-Leitartikel zum Konflikt im Nahen Osten: Trump wollte Iran brechen – und hat den Nahen Osten verloren.