Ungarn: Zehntausende demonstrieren bei Pride Parade in Budapest

Datum27.06.2026 19:11

Quellewww.zeit.de

TLDRTausende demonstrierten in Budapest bei der Pride Parade, der ersten seit dem Regierungswechsel in Ungarn. Im Vorjahr war die Veranstaltung von Orbáns Regierung verboten worden. Obwohl die Teilnehmerzahl unter dem Vorjahr lag, überschritt sie die Zahlen früherer Jahre. Ungarns neuer Premier Péter Magyar sprach sich für Gleichberechtigung aus, hat aber die LGBTQ-Gesetze noch nicht aufgehoben.

InhaltTrotz Hitze gehen Zehntausende in Budapest für die Rechte queerer Menschen auf die Straße. Im Vorjahr war die Veranstaltung unter der Regierung Orbáns verboten worden. In der ungarischen Hauptstadt Budapest haben zehntausende Menschen an der ersten Pride Parade seit der Abwahl des rechtsnationalistischen Regierungschefs Viktor Orbán teilgenommen. Orbáns Regierung hatte die Demonstration in Budapest im vergangenen Jahr unter anderem mit Verweis auf ein Anti-LGBTQ-Gesetz aus dem Jahr 2021 untersagt. 2025 war das Gesetz noch strenger geworden. Die Veranstaltung für die Rechte queerer Menschen fand trotz der hohen Temperaturen von bis zu 38 Grad Celsius statt. Die Organisatoren hatten besonders gefährdete Menschen aufgerufen, zuhause zu bleiben und die Parade im Internet zu verfolgen. Die Teilnehmerzahl habe zwar unter der vom Vorjahr gelegen, doch sei die Menge größer als in den Jahren vor 2025 gewesen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf einen Journalisten vor Ort. Damals hatten sich jährlich etwa 35.000 Menschen an der Demonstration beteiligt. 2025 nahmen mehr als 200.000 Menschen an der Parade teil. Unter dem Grünen-Bürgermeister und Gegner Orbans, Gergely Karácsony hatte die Demonstration trotz des Verbots stattgefunden. Im Januar 2016 wurde daraufhin Anklage gegen Karacsony erhoben. Die Staatsanwaltschaft ließ die Anklage Anfang Juni jedoch fallen. Zuvor hatte der Europäische Gerichtshof im April geurteilt, dass die ungarischen Anti-LGBTQ-Gesetze gegen die EU-Grundfreiheiten verstießen. Die Lage für die LGBTQ-Community "verbessert sich vor allem aufgrund des Regierungswechsels immer weiter", sagte eine Teilnehmerin, die aus dem Süden des Landes für die Parade angereist war. Ungarns neuer konservativer, pro-europäischer Ministerpräsident Péter Magyar, der Orbán im Mai nach 16 Jahren als Regierungschef ablöste, hat sich einerseits zwar regelmäßig für Gleichberechtigung und Versammlungsfreiheit ausgesprochen. Zur Pride-Parade äußerte er sich bislang jedoch nicht. Auch Schritte, um die unter Orbán in Kraft getretenen Anti-LGBTQ-Gesetze aufzulösen, unternahm Magyar bislang nicht.  "Wir haben deutlich gemacht, dass unserer Ansicht nach jeder frei ist, zu lieben, wen er will, und mit wem er will zu leben, solange er nicht gegen das Gesetz verstößt", sagte Magyar zuletzt Anfang Juni zum Thema Eheschließung und Adoption für gleichgeschlechtliche Paare. "Wenn der Wunsch besteht, dass wir diese gesellschaftlich und politisch sensiblen Themen ansprechen, sind wir offen für eine Debatte darüber", sagte er weiter.