Datum27.06.2026 18:51
Quellewww.spiegel.de
TLDRAustralien plant wegen mangelnder Wirksamkeit seines Social-Media-Verbots für Minderjährige, die Strafen für übertretende Konzerne zu verdoppeln. Trotz des seit Ende 2025 geltenden Verbots nutzen weiterhin 85 Prozent der 12- bis 15-Jährigen soziale Medien, oft durch Angabe eines falschen Alters. Die Regierung will die Aufsichtsbehörde stärken und die Höchststrafe auf fast 100 Millionen Dollar erhöhen. Weltweit erwägen oder haben andere Länder ähnliche Jugendschutzmaßnahmen eingeführt.
InhaltKonzerne in Australien sollen bald deutlich mehr Strafe zahlen, wenn sie gegen das Verbot bestimmter sozialer Medien für Kinder und Jugendliche verstoßen. Denn: Eine Studie zeigt, dass die Maßnahme bisher kaum wirkt. Rund ein halbes Jahr nach dem weltweit ersten Start eines Social-Media-Verbots für Kinder ringt Australien mit der Durchsetzung. Nun plant die Regierung, eine Verschärfung des Gesetzes zu prüfen. Premierminister Anthony Albanese erklärte, dass ein Schwerpunkt unter anderem darauf liege, die Internet-Aufsichtsbehörde mit mehr Befugnissen auszustatten. Außerdem sollen die Konzerne stärker belangt werden: Wie die Regierung am Samstag mitteilte, wird die Höchststrafe für systematische Verstöße auf 49,5 auf 99 Millionen australische Dollar (59,9 Millionen Euro) verdoppelt. Das Gesetz verbietet Plattformen wie Instagram und YouTube seit Ende 2025, Konten für Nutzer unter 16 Jahren anzubieten. Eine in dieser Woche veröffentlichte Studie ergab, dass drei Monate nach Inkrafttreten des Verbots im Dezember 2025 noch 85 Prozent der Australier im Alter von zwölf bis 15 Jahren weiterhin soziale Medien genutzt haben. Zwei Drittel blieben online, indem sie ein Alter über 16 Jahre angaben oder ein Selfie einer Person posteten, die die Plattform als alt genug akzeptierte. "Wir haben keine hinreichenden Belege dafür gefunden, dass das Gesetz bereits nennenswerte Auswirkungen auf die Nutzung sozialer Medien bei Jugendlichen unter 16 Jahren hatte", heißt es in der von in Australien ansässigen Forschern vorgenommenen und am Donnerstag im renommierten "British Medical Journal" veröffentlichten Studie. Die Regierung und die Behörden in Australien haben bereits rechtliche Schritte gegen mehrere Plattformen angekündigt, sollten sie das Gesetz systematisch umgehen. Auf der anderen Seite hat das Onlineforum Reddit vor dem High Court eine Klage gegen das Verbot eingereicht, die sich noch in der Vorverhandlung befindet. "Wir wollen sicherstellen, dass die Gesetze so stark wie möglich sind und allen rechtlichen Anfechtungen standhalten", sagte Regierungschef Albanese dem Sender ABC . Nach Australien haben etliche andere Länder wie Frankreich, Kanada, Spanien, Slowenien, Griechenland und Großbritannien zum Jugendschutz bereits Social-Media-Verbote erlassen oder arbeiten daran. In Deutschland legte eine vom Familienministerium eingesetzte Kommission am Mittwoch Optionen für eine stärkere Regulierung des Zugangs zu Social-Media-Angeboten vor. Darin wird als eine Variante ein gesetzliches Social-Media-Verbot für unter 13-Jährige vorgeschlagen. Für 13- bis 16-Jährige und 16- bis 18-Jährige solle es eine wirksame Altersprüfung und abgestufte Schutzstandards geben.