Datum27.06.2026 12:04
Quellewww.zeit.de
TLDRAuf Vinted kursieren Gerüchte über Kinderhandel, ausgelöst durch überteuerte Spielzeuganzeigen mit kindlichen Größenangaben. Die französische und deutsche Polizei prüfen Hinweise, gehen aber von Fakes aus. Verkäufer und Vinted selbst geben an, dass die Angaben sich auf Zielgruppen oder Sammlerwert beziehen, und betonen, dass sie gegen unangemessene Inhalte vorgehen. Bisherige Verdachtsmomente auf ähnlichen Plattformen bestätigten sich nicht.
InhaltAnzeigen für überteuertes Spielzeug auf der Secondhand-Plattform Vinted haben zu Spekulationen über Kinderhandel geführt. Die Polizei geht von Fakes aus. In Online-Netzwerken ist in den vergangenen Tagen in zahlreichen Videos und Beiträgen der Verdacht geäußert worden, dass bei dem Secondhand-Onlinehändler Vinted Kinder verkauft würden. Auslöser der Spekulationen waren Anzeigen für Spielsachen oder andere Artikel von geringem Wert, die zu extrem hohen Preisen angeboten wurden und zudem Alters- und Größenangaben enthielten, die denen von Kindern entsprechen könnten. Für einige Artikel wurden vierstellige Preise aufgerufen und in der Beschreibung wurde auf das Alter, die Körper- oder die Kleidergröße von Kindern Bezug genommen. Auf Vinted werden vor allem gebrauchte Kleidung und Schuhe ver- und gekauft. Vor allem auf Tiktok ging das Thema viral. "Schaut euch das an, angeblich eine Harry-Potter-Figur für 30.000 Euro", sagt etwa ein Nutzer in einem Video, das seit Mitte Juni mehr als 112.000 Likes erhalten hat. Nicht nur der Preis werfe "viele Fragen auf", sondern auch die angegebene Größe von 1,58 Meter und das Alter von 13 Jahren. Es könne sich um ein "verschlüsseltes System" für Kinderhandel handeln. Die französische Justiz leitete Ermittlungen zu den verdächtigen Angeboten ein. Das Vorermittlungsverfahren soll von einer Abteilung geführt werden, die auf die Untersuchung von Straftaten gegen Kinder spezialisiert ist. Auch in Deutschland werden Hinweise dazu geprüft. Von der Polizei aus Frankfurt am Main heißt es etwa auf Instagram, man nehme diese Hinweise sehr ernst. "Uns ist zudem bewusst, welche emotionalen Reaktionen und Ängste solche Beschreibungen auslösen". Nach aktuellen Erkenntnissen deute jedoch derzeit vieles darauf hin, dass es sich um Fake-Anzeigen handelt. Dennoch würden die Hinweise alle geprüft, "um jegliche Gefahr oder Straftat auszuschließen". Die Polizei bittet darum, Screenshots oder Links zu derartigen Verkaufsanzeigen nicht ungeprüft zu teilen, aber der Polizei zu melden. Das Hilfetelefon sexueller Missbrauch erreichen Sie unter 0800 22 55 530. Sie werden anonym, kostenfrei und mehrsprachig beraten. Außerhalb der Sprechzeiten können Sie den Beratenden auch eine Nachricht schreiben. Telefonzeiten Montag, Mittwoch und Freitag: 9 bis 14 Uhr Dienstag und Donnerstag: 15 bis 20 Uhr Wenn Sie anonym einen Hinweis an die Redaktion schicken möchten, können Sie uns über unseren anonymen Briefkasten kontaktieren. Sie finden ihn hier. Laut Spiegel will auch das hessische Landeskriminalamt aktuelle Hinweise prüfen. Allerdings hätten sich in der Vergangenheit ähnliche Verdachtsmomente auf Kleinanzeigenplattformen nicht bestätigt. Die Nachrichtenagentur AFP hat in Frankreich Verkäufer kontaktiert, auf deren Anzeigen auf Vinted sich die Spekulationen bezogen. Sie sollen erklärt haben, sie würden tatsächlich Spielzeug verkaufen. Vinted teilte mit, dem Unternehmen seien die Anzeigen bekannt. Bei Untersuchungen habe es aber "keine Hinweise" auf Verbindungen zu Kinderhandel gefunden. Die Altersangabe bei einigen Anzeigen beziehe sich auf die Zielgruppe, für die das Spielzeug gedacht sei. Die hohen Preise könnten ein Hinweis auf "echten Sammlerwert", aber auch "Provokation oder Verhandlungstaktik" sein. Manche seien "offenbar mit der Absicht erstellt wurden, andere zu provozieren oder virale Falschinformationen zu verbreiten". Man dulde "keine unangemessenen Inhalte" und schreite ein, sobald ein verdächtiges Angebot entdeckt werde, teilte Vinted mit. Bei Bedarf arbeite das Unternehmen dabei auch mit der Polizei zusammen.