Zementverbrauch in Deutschland sinkt auf Niveau vor Zweitem Weltkrieg

Datum27.06.2026 08:46

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie deutsche Baustoffindustrie kämpft mit einer historischen Krise, der Zementverbrauch ist auf Vorkriegsniveau gesunken (-30% seit 2020). Gestiegene Kosten, hohe Zinsen und rückläufige Investitionen hemmen Bauvorhaben in allen Sektoren. Einzig staatliche Mittel aus dem Sondervermögen, ab zweitem Halbjahr erwartet, könnten der Branche einen Aufschwung bringen.

InhaltWegen des Irankriegs waren Preise für Zement, Diesel und Beton zuletzt gestiegen. Nun äußert sich der Branchenverband für Baustoffe alarmiert: Der Verbrauch ist niedrig. Das Sondervermögen könnte der Branche Aufschwung verleihen. Die deutsche Baustoffindustrie steckt laut Branchenexperten in einer historischen Krise: Der Verbrauch von Zement liege hierzulande, aber auch in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, auf dem Niveau vor dem Zweiten Weltkrieg. Das sagte der Präsident des Bundesverbandes Baustoffe – Steine und Erden (BBS), Dominik von Achten, der Nachrichtenagentur dpa. Der Unternehmer ist zugleich Chef des Dax-Konzerns Heidelberg Materials. Demnach betreffe die Krise nahezu alle Sektoren, die im Hoch- und Tiefbau aktiv sind. In den vergangenen Jahren sei es für die Baustoffindustrie "im dramatischen Schritt zurückgegangen", so von Achten. Der Zementverbrauch in Deutschland liege derzeit rund 30 Prozent unter dem Niveau von 2020. Das sei keine Stagnation mehr, "das ist Rezession". Die Gründe dafür seien vielfältig: Das hohe Zinsniveau und die – auch durch den Irankrieg – gestiegenen Bau- und Baunebenkosten hemmen den privaten Wohnungsbau, zudem sind die Investitionen im öffentlichen Infrastrukturbau sowie bei Industrie- und Bürogebäuden rückläufig. Die Nachfrage sei auch beim Wohnungsbau schwach. Die Genehmigungen seien jüngst zwar um etwa 10 Prozent gestiegen, jedoch dauere es Monate, bis wirklich gebaut werde, so Achten. Bei Infrastrukturprojekten sind staatliche Mittel aus dem Sondervermögen der Bundesregierung angekündigt und inzwischen auch eingeplant. Ab dem zweiten Halbjahr sollte sich das "in einer verstärkten Bautätigkeit niederschlagen." Sie träumen von der eigenen Immobilie? Im SPIEGEL-Interview erklärt Experte Tobias Beuler, wie Sie Ihr Bauprojekt angehen sollten, mit welchen Summen Sie rechnen müssen und wie Sie verhängnisvolle Fallen umgehen. Lesen Sie hier das Expertengespräch .