Datum27.06.2026 07:54
Quellewww.spiegel.de
TLDRBerlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey lehnt die Empfehlung der Rentenkommission zur Abschaffung der „Rente mit 63“ ab. Sie plädiert für die Beibehaltung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren und argumentiert, dies sei eine Frage der Gerechtigkeit für Menschen mit früheren Arbeitsbeginn und körperlich anstrengenden Berufen, deren Arbeitsbiografien sich stark unterscheiden. Dies steht im Gegensatz zur geplanten Umsetzung der Regierung.
InhaltDie Rentenkommission empfiehlt, die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen. Berlins SPD-Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey hält das für ungerecht: Menschen hätten völlig andere Arbeitsbiografien. Die Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey kritisierte einen zentralen Punkt des Renten-Reformplans: Sie sprach sich gegen die Empfehlung der Rentenkommission aus, die sogenannte Rente mit 63 abzuschaffen. "Die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren Arbeit sollte aus meiner Sicht möglich bleiben", sagte Giffey dem "Tagesspiegel" . Die frühere Regierende Bürgermeisterin argumentierte, das sei eine Frage der Gerechtigkeit, insbesondere was Menschen im Handwerk, aber auch andere Berufe mit körperlicher Anstrengung betreffe. Es sei doch "ein großer Unterschied", ob jemand mit 16 nach der 10. Klasse angefangen habe zu arbeiten, oder ob er erst studiert habe, zusätzlich ein Auslandsjahr oder ein soziales Jahr gemacht habe und erst mit 28 in den Beruf eingestiegen sei. Schwesig hatte sich gegen eine vollständige Umsetzung des Rentenpakets ausgesprochen und die vorgeschlagene Abschaffung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren kritisiert. Die SPD-Politikerin lehnte auch generell die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung ab. Vielleicht hätten zwei Personen die gleiche Lebenserwartung. "Aber sie haben trotzdem eine völlig andere Arbeitsbiografie. Ich kann nachvollziehen, dass derjenige, der mit 16 angefangen hat, sich ungerecht behandelt fühlt, wenn die Rente einzig an die Lebenserwartung geknüpft wird", sagte Giffey. Auch SPD-Parteikollegin Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern, hatte sich gegen diese Empfehlung der Rentenkommission gestellt. Sie muss sich im September einer Landtagswahl stellen und liegt hinter der AfD weit zurück. Auch die Berliner SPD steht im September vor einer Abgeordnetenhauswahl. Die schwarz-rote Bundesregierung will die umfangreichen Empfehlungen der Kommission möglichst vollständig umsetzen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ebenso wie die SPD-Co-Vorsitzende, Sozialministerin Bärbel Bas, wollen das Gesamtkonstrukt "nicht zerreden" lassen. Giffey wandte ein, bislang habe es immer geheißen, die Rentenkommission erarbeite ein Konzept, das dann von den Ländern, im Bundesrat und mit allen Beteiligten diskutiert werde. "Wenn jetzt nach Veröffentlichung des Konzepts sofort gesagt wird, alles werde eins zu eins umgesetzt, geht mir das zu schnell. Über so einen Vorschlag, der so weitreichende Folgen hat, bedarf es einer Debatte", sagte sie. Was es für Ihren Jahrgang bedeutet, wenn die Rente an die Lebenserwartung gekoppelt wird, können Sie hier testen.