Meinung: Die Lage am Morgen - Iran, Donald Trump, Hitzewelle

Datum27.06.2026 06:31

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Artikel behandelt drei Hauptthemen: die eskalierenden Spannungen zwischen dem Iran und den USA an der Straße von Hormus, den diplomatischen Konflikt um die Digitalsteuer zwischen der EU und den USA und die Rekordhitze in Deutschland. Es wird Trumps chaotische Politik kritisiert, sowohl außenpolitisch als auch innenpolitisch durch Personalwechsel im Pentagon. Trotz Hitzerekorden und den Folgen des Klimawandels wird auch auf deutsche Entwicklungen eingegangen.

InhaltNeue Kampfhandlungen an der Straße von Hormus. Es gibt Streit über die Digitalsteuer – und eine gefährliche Hitzewelle. Das ist die Lage am Samstagmorgen. Heute geht es um die neuen Kampfhandlungen an der Straße von Hormus, um den Streit mit Washington über die Digitalsteuer – und um die Hitzerekorde. In Deutschland wird gern und viel über die angebliche Unfähigkeit unserer Regierenden gemeckert. Das ist übertrieben. Was passiert, wenn ein Land wirklich schlecht regiert wird, ist in den USA zu besichtigen. Donald Trumps Irandeal (mehr hier ), mit großem Pomp verkündet, scheint schon nach wenigen Tagen wieder brüchig. Erst attackieren offenbar Iraner ein Schiff in der Straße von Hormus, dann reagieren die Amerikaner mit Vergeltungsschlägen. Eine echte Waffenruhe sieht anders aus. Die Lage an der Straße von Hormus bleibt fragil. Oder besser gesagt: Es herrscht schon wieder das übliche Trump-Chaos. Wie Amerikaner und Iraner ihre geplanten Verhandlungen über eine dauerhafte Friedenslösung schon bald zu einem Erfolg führen wollen, bleibt ein Rätsel. Ganz nebenbei spielt sich noch ein Drama im Drama ab: Im US-Verteidigungsministerium sorgt eine Säuberungswelle unter Pentagonchef Pete Hegseth für erhebliche Unruhe. Topmilitärs, die dem früheren Fox-News-Moderator, aus welchen Gründen auch immer, nicht in den Kram passen, müssen ihre Posten räumen. Oder sie ziehen sich von selbst zurück. Sie werden gegangen, wie man auf Deutsch sagt. Unter den zahlreichen Betroffenen sind einige der besten Soldaten: Für besonderes Entsetzen sorgt unter US-Militärexperten der Rückzug von General Christopher Donahue, dem Chef der amerikanischen Truppen in Europa und Afrika. Mehr Topmilitär geht kaum: Donahue ist Elite-Soldat, er befehligte die Luftlandedivision 82nd Airborne, er sicherte mit seinen Truppen den US-Rückzug aus Afghanistan. Warum er geht: unklar. Der angesehene frühere US-Admiral William McRaven warnt in der Zeitschrift "The Atlantic" vor einer erheblichen Schwächung der Streitkräfte durch den Abgang zahlreicher Topmilitärs wie Donahue – und er verlangt von Trump und Hegseth Auskunft über die genauen Gründe für die Abgänge. Denn, so McRaven: "Es geht um die Zukunft unserer nationalen Sicherheit." Apropos schlecht regiert: Kaum haben sich US-Präsident Donald Trump und die Europäische Union auf ein neues Handelsabkommen verständigt, zettelt der Amerikaner schon den nächsten Konflikt an. Es geht um Steuern auf die Gewinne großer Techkonzerne, die einige europäische Länder erheben (mehr hier ). Etwa Frankreich: Paris verlangt seit 2019 ab einer bestimmten Grenze eine Abgabe von drei Prozent auf Erlöse aus digitalen Dienstleistungen. Von der Steuer sind hauptsächlich US-Tech-Giganten betroffen, was nun wiederum Trump auf den Plan ruft. Er droht jedem Land, das eine Digitalsteuer erhebt, mit einem Zoll von 100 Prozent auf sämtliche Produkte. Vermutlich haben ihm wieder einmal einige seiner Fans aus den Chefetagen der US-Tech-Industrie ihr Leid über die schlimmen Europäer geklagt. Oder er will von seinem missratenen Irandeal ablenken. Oder beides. Wie auch immer: Die Europäer tun erst einmal das einzig Richtige. Sie zeigen sich unbeeindruckt von den Drohungen. Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte, man werde "umgehend und entschlossen" reagieren, um eigene Rechte und die regulatorische Autonomie zu wahren, sollten "ungerechtfertigte unilaterale Maßnahmen angestrebt werden". Palmen auf Sylt, tropische Nächte am Rhein, Siesta in Stuttgart: Deutschland kann einen neuen Hitzerekord verzeichnen. An einer Wetterstation in Saarbrücken wurden 41,3 Grad gemessen – der höchste je in einem Juni aufgezeichnete Wert (mehr hier). Auch andere Landesteile meldeten Top-Werte. Zumindest über das Wochenende soll es so weitergehen. Nun könnte man sagen, endlich ist es einmal richtig warm, schlechtes Wetter haben wir schließlich genug. Doch so einfach ist die Sache nicht. Denn: Die Hitzewellen werden durch die Klimakrise weltweit intensiver und länger, erklärt meine Kollegin Susanne Götze aus unserem Wissenschaftsressort. Der Trend geht eindeutig nach oben. Die ersten Opfer sind Alte und Kranke. Sie leiden besonders, auch, weil es in vielen Pflegeheimen oder Krankenhäusern keine Klimaanlagen gibt. Das ist nur ein Beispiel von vielen – doch es zeigt: Auf die Probleme des Klimawandels sind wir nicht vorbereitet. Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. … ist die deutsche Fußballmannschaft. Ehrlicherweise verstehe ich nicht allzu viel von Fußball. Aber eine Sache dann doch: Wenn ein Team, so wie die deutsche Mannschaft, in der Vorrunde ein Spiel krachend verliert, fühlt sich das nicht wirklich vielversprechend an. Gleichwohl gilt im Fußball wie im echten Leben: Aus Schaden wird man klug. So gesehen ist die Niederlage gegen Ecuador dann ein Gewinn. Oder nicht? Das Vorbild wäre die WM 1974. Auch da verlor (West)-Deutschland ein Spiel in der Vorrunde – gegen die DDR. Ausgerechnet. Am Ende wurde die Mannschaft trotzdem Weltmeister. Geht also doch. Gemeinsam mit den Eltern in den Ferien lernen? Grundschulkinder können das sogar als "Quality Time" erleben. Eine Bildungsforscherin verrät, wie das gelingt . Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihr Roland Nelles, Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros