Zollhunde: Ausgezeichnete Spürnase: Wie Riki und Co. beim Zoll helfen

Datum27.06.2026 05:00

Quellewww.zeit.de

TLDRZollhunde wie Riki, ein Belgischer Schäferhund, sind unverzichtbare Helfer bei der Bekämpfung von Schmuggel. Sie spüren gezielt Drogen, Bargeld, Tabak und mehr auf. Trainiert durch Belohnung, nutzen sie ihre überlegene Nase präzise und effizient. Jede Rasse mit guter Nase ist geeignet, wobei Hunde mit Neugier und Spieltrieb bevorzugt werden. Bundesweit sind 327 Zollhunde im Einsatz, und der Zoll betont: "Zur Hundenase gibt es keine Alternative."

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Zollhunde“. Lesen Sie jetzt „Ausgezeichnete Spürnase: Wie Riki und Co. beim Zoll helfen“. Schnauze voran untersucht Riki die vor einem Reisebus aus dem Ausland aufgereihten Koffer und Reisetaschen. Mit wedelndem Schwanz und unter Führung von Frank H. läuft der Belgische Schäferhund von einem Gepäckstück zum nächsten, schnüffelt kräftig und steckt auch mal die Nase tief in einen halb geöffneten Rucksack. Dann plötzlich hält er bei einer schwarzen Sporttasche an und setzt sich ruhig hin: Der Drogenspürhund zeigt einen Treffer an.  "Riki ist seit sieben Jahren bei mir, ein Familienhund", sagt Hundeführer und Mitarbeiter des Hauptzollamts Erfurt Frank H., der seinen ganzen Namen nicht nennen möchte. Er tätschelt Riki und lässt ihn noch mit dem bunten Spielzeug tollen, das es zur Belohnung für die gefundenen Drogen gab.  Was genau Riki entdeckt hat, zeigt derweil Zollhundetrainer Joachim Lang. Er fischt ein Plastiktütchen mit Opium aus der Tasche. "Das war für das Erfolgserlebnis", erklärt er. Denn auch wenn Riki die Bus-Großkontrolle auf einem Rastplatz am Thüringer Autobahnkreuz bei Hermsdorf an diesem heißen Juni-Mittwoch tatkräftig unterstützt – neue illegale Drogen entdeckt er an diesem Einsatztag nicht: Das von ihm erschnüffelte Opium stammt aus der Asservatenkammer und soll Riki und seine anderen vierbeinigen Kollegen bei diesem Einsatz zumindest schon einmal das besagte Erfolgserlebnis verschaffen.  Zollhunde sind in der Regel darauf trainiert Tabak, Bargeld, tierische Produkte – oder eben wie Riki – Drogen zu finden. Dabei ist der Fund für die Hunde nur der Weg zum eigentlichen Ziel, wie Lang erklärt: "Der Hund sucht ja nicht, weil er die Stoffe finden möchte, sondern weil er weiß, dass er etwas zu essen oder zu spielen bekommt, wenn er Erfolg hat." Und vor allem Riki hatte schon Erfolg: Innerhalb seiner bisher sechs Dienstjahre bei der Kontrolleinheit Verkehrswege in Chemnitz hatte er schon etliche Treffe. Nach seinem 100. Fund wurden ihm und Frank H. jüngst eine Medaille für "vorbildliche Leistungen" überreicht.  Bundesweit gibt es aktuell 327 Zollhunde, wie der Pressesprecher des Hauptzollamts Erfurt, Carlito Klaus, erklärt. Zehn davon seien beim Hauptzollamt Erfurt, dem auch Zollämter in Jena, Eisenach und auf sächsischer Seite in Chemnitz, Nossen und Reichenbach untergeordnet sind.  Dabei müssen es längst nicht immer Schäferhunde oder vergleichbare Rassen sein. "Grundsätzlich kommt jede Rasse infrage, die noch über eine richtige Nase mit entsprechendem Riechvermögen verfügt", sagt Lang. Er erinnert sich etwa an einen inzwischen gestorbenen Jack-Russell-Terrier. Dieser sei etwa bei Postpaketkontrollen des Zolls eingesetzt worden. Der Kleine habe direkt auf den Förderbändern die Postsendungen durchschnüffeln können. "Da können wir mit einem schweren Labrador eher nicht drüber", sagt Klaus. In der Regel kommen die Tiere im Alter von etwa einem Jahr zum Zoll. Zuerst werde überprüft, ob sich diese überhaupt eignen. Neugierde und Spieltrieb müssten vorhanden sein, Gehorsamkeit könne im Zweifel noch antrainiert werden, fasst Lang zusammen. "Der ideale Hund für uns, ist ein Scheidungshund", sagt der Hundetrainer mit langjähriger Erfahrung. Diese Tiere seien meist schon sozialisiert, an Menschen gewöhnt und hätten erzieherische Grundlagen. Hunde aus Tierheimen seien die absolute Ausnahme. Auch über das Netzwerk im Hundesport könnten Tiere vermittelt werden. Zwar gibt es auch technische Geräte wie Endoskope, mit denen die Zöllner Hohlräume etwa in Autotüren nach Illegalem durchsuchen können. "Aber zur Hundenase gibt es keine Alternative", sagt Klaus. Sie könnten schnell entscheidende Hinweise geben, wo es sich lohnt, genauer hinzuschauen.  Denn Hunde haben deutlich mehr Riechzellen in ihrer Nasenschleimhaut als Menschen, heißt es etwa bei der gemeinnützigen Internationalen Rettungshunde Organisation IRO. Sie können demnach außerdem mit beiden Nasenlöchern unabhängig voneinander Gerüche wahrnehmen, wissen also, von welcher Seite ein Geruch kommt. Sie erfassen Gerüche schnell und präzise. Und das bringt Zeitersparnis. Gerade bei besonders unangenehmen Kontrollen, helfe es, wenn die Tiere anzeigen, wo genau an einem Menschen nach möglichen Drogen oder anderem Illegalem gesucht werden sollte. "Körperkontrollen machen keiner von beiden Seiten Spaß, aber sie sind ein notwendiges Übel", sagt Frank H. und verweist auf Fälle, in denen Menschen in Körperöffnungen Drogen schmuggelten.  An einen besonderen Erfolg mit einem Zollhund erinnert sich Lang gerne: Das auf Bargeld-Suche spezialisierte Tier sprang vor einigen Jahren bei einer Durchsuchung im Zusammenhang mit Schwarzgeld-Ermittlungen an einem Sims im Wohnzimmer eines Verdächtigen immer wieder hoch. Hinter der Gipskarton-Wand des Sims fanden die Beamten dann rund 100.000 Euro Bargeld, dazu noch Schmuck und Uhren. Einen ganz so beeindruckenden Fund machen die Vierbeiner bei der Großkontrolle am Hermsdorfer Kreuz zwar nicht. Unabhängig vom Ergebnis sind die Tiere nach dem Einsatz bei deutlich mehr als 30 Grad auf dem Rastplatz platt. Und Riki steht bereits eine Belohnung in Aussicht: "Der bekommt noch ein ganz großes Wiener Würstchen", kündigt Herrchen und Hundeführer Frank H. an. © dpa-infocom, dpa:260627-930-292811/1