Haarige Plage: Eichenprozessionsspinner: Wo besondere Vorsicht gilt

Datum27.06.2026 05:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Eichenprozessionsspinner breitet sich in Berlin stark aus und verursacht allergische Reaktionen. Fast alle Parks mit Baumbestand sind betroffen. Bezirke saugen Nester ab und sperren teilweise Spielplätze oder Sportanlagen. Die Bekämpfung ist aufwändig und die Meldungensteigen jährlich.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Haarige Plage“. Lesen Sie jetzt „Eichenprozessionsspinner: Wo besondere Vorsicht gilt“. Der Eichenprozessionsspinner hat sich in Berlin diesen Sommer zur stadtweiten Plage ausgeweitet. Die winzigen Brennhaare der Raupen des graubraunen Nachtfalters können schwere allergische Reaktionen, Hautreizungen und Atembeschwerden auslösen. Wie viele Menschen in Berlin deshalb Beschwerden haben, lässt sich nur schwer sagen – eine Meldepflicht gibt es nicht. Wie groß der Befall ist, wissen die Bezirke hingegen schon. Die Deutsche Presse-Agentur hat bei allen zwölf nachgefragt. Ein Überblick. Es könne davon ausgegangen werden, dass in jedem Park mit Eichenbestand der Eichenprozessionsspinner vorhanden sei, sagt Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger. Sehr stark betroffen sei der Volkspark Jungfernheide. Der Bezirk hat den Angaben zufolge Mitte Juni damit begonnen, die Nester abzusaugen. Von Sperrungen betroffen seien Teilflächen und kleine Bereiche, die mit Flatterband gekennzeichnet würden. Ganze Grünanlagen oder Spielplätze seien nicht gesperrt. Einige Sportanlagen mussten laut Schruoffeneger vorsorglich schließen, zum Teil noch bis voraussichtlich Ende Juni.  Insgesamt seien rund 240 Beschwerden eingegangen. Beim Bezirk seien viele E-Mails und Anrufe von Bürgerinnen und Bürgern eingegangen, die zum Teil von Symptomen wie Hautausschlag berichten, vor allem aus den besonders betroffenen Gebieten.  In Friedrichshain-Kreuzberg sind besonders der Görlitzer Park und der Volkspark Friedrichshain von den Raupen befallen, wie es aus der Pressestelle heißt. Abgesehen davon gebe es nur vereinzelt einen Befall. Insgesamt seien 350 bis 400 Bäume betroffen, auch in der Nähe von Schulen. Bei einem Großteil, etwa 300, seien die Nester bereits entfernt. Flächen oder Spielplätze seien aktuell nicht gesperrt. Die Grillwiese im Görlitzer Park war vorübergehend zu. In Lichtenberg gibt es eine "enorme Zahl" an Hinweisen von Bürgerinnen und Bürgern, sagt Bezirksstadträtin Filiz Keküllüoğlu. "Allein innerhalb von zwei Wochen gingen rund 400 E-Mails ein." Besonders befallen seien unter anderem der Orankesee, die Wuhlheide, der Oberseepark und der Stadtpark Lichtenberg. Etliche Orte wurden den Angaben nach mit Warnhinweisen versehen, darunter vor allem Schulen und Kitas. Die Beschäftigten im Straßen- und Grünflächenamt arbeiteten mit großem Engagement daran, den außergewöhnlich starken Befall zu bewältigen, sagt Keküllüoğlu. Die Bekämpfung sei sehr aufwändig und beginne nicht erst mit dem Absaugen der Nester. Bereits ab Mitte bis Ende Mai starte das Straßen- und Grünflächenamt mit der Erfassung der befallenen Orte und den Vorbereitungen. "Zu diesem Zeitpunkt befinden sich die Raupen jedoch noch in der sogenannten Prozessionsphase. Sie können dabei große Strecken zurücklegen, sodass sich die Situation an einem Standort innerhalb kurzer Zeit verändern kann." Eine wirksame Bekämpfung sei erst möglich, sobald sich Nester gebildet hätten. In Marzahn-Hellersdorf sind mindestens 760 Bäume befallen (Stand 19. Juni), wie eine Sprecherin des Bezirksamts mitteilt. An rund 320 Bäumen seien die Raupen bislang abschließend bekämpft worden. Wenn ein Baum befallen sei, werde er mit Flatterband abgesperrt und markiert. Großflächige Sperrungen gebe es bislang nicht. Schwerwiegende Gesundheitsfälle sind dem Bezirk nicht bekannt. Mindestens 600 Funde von Eichenprozessionsspinner-Nestern seien gemeldet worden, teilt der Bezirk Mitte mit. Ein Großteil sei bereits von Spezialfirmen entfernt worden. An 13 Schulen seien Teile der Schulhöfe gesperrt worden, außerdem fünf Sportanlagen. Dazu gehören die Sportanlagen Stadion Rehberg, Koloniestraße und Stade Napoleon.  "Sie können davon ausgehen, dass überall dort, wo sich mehrere Eichen befinden, der Eichenprozessionsspinner nicht weit ist. Wir stellen hier eine große Steigerung zum Vorjahr fest", sagt eine Sprecherin des Bezirksamts. Parks und Grünanlagen würden nicht komplett abgesperrt, dazu sei das Auftreten der Raupen zu groß. An den Eingängen der betroffenen Flächen, etwa dem Volkspark Hasenheide, dem Grünzug Gropiusstadt oder dem Vogelschutzgebiet am Wildmeisterdamm hingen wie auch in anderen Bezirken Informationsschilder. An Orten, an denen sensible Gruppen betroffen seien, wie Kitas, Schulhöfe, Sportplätze, Bushaltestellen oder Eingänge von Seniorenwohnanlagen würden die Raupen vom Bezirk entfernt. Vor allem am Faulen See und am Schlosspark Schönhausen machen die Raupen nach Angaben eines Sprechers Probleme. "Darüber hinaus wurden vermehrt Meldungen aus der Schönerlinder Straße, der Feldmannstraße sowie dem Else-Jahn-Park registriert." Weitere Meldungen verteilten sich über das gesamte Bezirksgebiet. Bis zum 16. Juni seien 76 Standorte mit einem Verdacht oder einem gesicherten Befall gemeldet worden. In besonders kritischen Bereichen gebe es vorübergehende Absperrungen. Betroffene Bäume würden gekennzeichnet, die Öffentlichkeit durch Warnhinweise informiert. Die Sportanlage Nordendarena sei wegen eines Befalls bis zum 30. Juni vollständig gesperrt. Im Straßen- und Grünflächenamt seien etwa 600 Meldungen eingegangen, teilt der Bezirk Reinickendorf mit. Eine Meldung könne jedoch auch mehrere Nester umfassen. Prioritär würden Schulen, Spiel- und Sportplätze bearbeitet. Derzeit seien Bäume auf 16 Schulhöfen und 3 Sportanlagen betroffen. Sie seien gekennzeichnet und mit Flatterband versehen.  In Spandau ist der Stadtteil Siemensstadt besonders betroffen, erklärt ein Sprecher. "Im Wilhelm-von-Siemens-Park und auf den angrenzenden Flächen sind nahezu alle Eichen befallen. Der Befall breitet sich zudem auch auf andere Bereiche und Ortsteile des Bezirks aus." Bis zum 22. Juni seien knapp 33.430 Nester bekämpft worden. Zwei Spielplätze und das Stadion Hakenfelde seien gesperrt worden. Bis zum 22. Juni gingen dem Sprecher zufolge 330 Meldungen zum Eichenprozessionsspinner bei dem Bezirksamt ein.  Bislang sind dieses Jahr um die 230 Fundorte von Eichenprozessionsspinnern gemeldet worden, wie Bezirksstadtrat Urban Aykal mit Stand 22. Juni mitteilt. Die Entfernung der Nester erfolge im Idealfall Ende Juni, nach der letzten Häutung der Raupen, wenn die Haare keine Gefahr mehr darstellten. Die Fundorte würden mit Flatterband abgesperrt. Aktuell sind in dem Bezirk von 140 Kinderspielplätzen 9 Kinderspielplätze ganz oder in Teilbereichen gesperrt. Dazu gehörten die Spielplatz Kaulbachstraße, Lilienthalpark, Keffenbrinkweg, Pappritzstraße, Johann-Baptist-Gradl, Brauerplatz, Dorfaue Alt-Lankwitz, Rathaus Lichterfelde Ost sowie Grünanlage und Spielplatz Apoldaer Straße. In Tempelhof-Schöneberg gebe es viele Stellen mit befallen Bäumen, erklärt ein Sprecher. Täglich gingen zwischen 30 und 100 neue Meldungen ein. Auch Spielplätze, Schulen, bezirkliche Kitas, Sportplätze und Friedhöfen sowie Bereiche an Ampeln und Haltestellen seien betroffen. Der Bezirk sauge die Nester der Raupen ab, allerdings müsse stark priorisiert werden, da es weder ausreichend Personal noch finanzielle Mittel gebe. Davon berichten auch andere Bezirke.  Nach Angaben des Bezirks wurden bekannte Problembereiche gezielt mit Pflanzenschutzmitteln gespritzt, um einen starken Befall möglichst zu verhindern. Pro Befall gebe es in der Regel bis zu fünf Nester, in Einzelfällen sogar 10 bis 20.  Grundsätzlich seien alle Flächen mit großem Eichenbestand in sonniger Lage betroffen, sagt eine Sprecherin. Aktuell zählt der Bezirk rund 570 befallene Bäume (Stand: 24. Juni). Von voraussichtlich 541 dieser befallenen Bäume würden die Raupen entfernt beziehungsweise abgesaugt. Probleme mache der Eichenprozessionsspinner unter anderem im Volkspark Wuhlheide, in der Südostallee, der Kiefholzstraße und dem Müggelseedamm. Die Raupen kämen auch in vielen Waldgebieten vor. Bislang sind den Angaben der Sprecherin zufolge mindestens 600 Meldungen eingegangen. Allerdings würden befallene Bäume häufig mehrmals gemeldet. Die Zahl der Meldungen nehme jährlich zu. © dpa-infocom, dpa:260627-930-292823/1