Erdbeben in Venezuela: UN melden mehr als 50.000 Vermisste

Datum26.06.2026 20:32

Quellewww.spiegel.de

TLDRNach einem Erdbeben in Venezuela werden über 50.000 Menschen vermisst, die Opferzahl liegt bei 920 und steigt. Internationale Suchteams aus Deutschland und anderen Ländern sind im Einsatz, um Verschüttete zu bergen. Die Beben mit Stärken von 7,2 und 7,5 sind die stärksten seit über einem Jahrhundert und rücken auch den maroden Zustand des Landes in den Fokus.

InhaltErste internationale Suchtrupps, auch aus Deutschland, erreichen nach dem Erdbeben Venezuela. Die Zahl der Toten hat sich auf 920 erhöht, dürfte aber noch weiter steigen. In Venezuela werden nach dem verheerenden Erdbeben  nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 50.000 Menschen vermisst. Die offizielle Zahl der Toten stieg auf mindestens 920, teilte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mit. Noch immer werden sehr viele Menschen unter Trümmern vermutet. "Die Suche in den Trümmern ist eine kolossale Aufgabe", sagte der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher. Die Suche nach Verschütteten ist dabei ein Wettlauf gegen die Zeit . Experten gehen davon aus, dass die Überlebenschancen nach 72 Stunden stark sinken. Das Epizentrum des ersten Bebens am Mittwoch um 18.04 Uhr (Ortszeit; 00.04 MESZ Donnerstag) lag den Angaben der US-Erdbebenwarte USGS zufolge 24 Kilometer östlich von San Felipe entfernt im Nordwesten des südamerikanischen Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der beiden Erdbeben mit 7,2 und 7,5 an. Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Das zweite der beiden Beben mit der Stärke 7,5 ist laut USGS das heftigste in dem südamerikanischen Land seit mehr als einem Jahrhundert. Ein noch stärkeres Beben der Stärke 7,7 gab es zuletzt im Jahr 1900 nordöstlich der Hauptstadt Caracas vor der Küste Venezuelas, wie aus Daten der Organisation hervorgeht. Inzwischen läuft internationale Hilfe an. In der Nacht auf Freitag landeten bereits mehrere internationale Einsatzteams in Venezuela, darunter Helfer aus dem Nachbarland Kolumbien, aus Mexiko und der Schweiz. Aus der EU ist Hilfe aus acht Mitgliedstaaten mit mehr als 520 Helfern und Rettungshunden unterwegs. Auch die USA brachten Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe auf den Weg. Die Regierung von Präsident Donald Trump kündigte darüber hinaus Hilfsgelder von 150 Millionen US-Dollar an. Um das Katastrophengebiet mit Internet zu versorgen, kündigte die Firma Starlink von Tech-Unternehmer Elon Musk an, das Kommunikationsnetz für Kunden bis zum 25. Juli kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Eine erste Bundeswehr-Maschine mit Material und Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks (THW) an Bord startete am Freitag vom Fliegerhorst Wunstorf aus in die Krisenregion. Im Laufe des Tages sollten drei weitere Flugzeuge nach Venezuela aufbrechen, darunter eines, das auf den Transport von Verletzten spezialisiert ist. Wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, sollen mit den Maschinen insgesamt 75 bis 80 Helfer, darunter vor allem THW-Mitarbeiter, und etwa 30 Tonnen Material in das südamerikanische Land gebracht werden. Das THW erklärte, ein 48-köpfiges Team einer auf Erdbeben-Einsätze spezialisierten Bergungseinheit sei auf dem Weg nach Venezuela. Mit an Bord waren demnach auch vier Suchhunde-Teams. Ziel sei es, Überlebende in den Trümmern aufzuspüren. Der THW-Teamleiter des deutschen Einsatzes, Peter Benz, rechnete damit, vor Ort mit viel Zerstörung und Leid konfrontiert zu werden, äußerte aber auch Hoffnung, dass auch noch viele Stunden nach dem Einsturz von Hochhäusern Verschüttete gerettet werden könnten, da viele der eingestürzten Hochhäuser aus Beton Hohlräume bildeten. "Und in den Hohlräumen haben Menschen Chancen zu überleben", sagte der Einsatzleiter. Die Politologin Sabine Kurtenbach erklärt, wie durch das Erdbeben auch der marode Zustand des Landes in den Blick rückt – und seine politische Führung. Mehr dazu hier .