Meinung: News des Tages: Elterngeld, VW, Vergiftete Hamburger Familie in Istanbul

Datum26.06.2026 17:57

Quellewww.spiegel.de

TLDRFamilienministerin Prien plant eine Elterngeldreform: Auszahlung nur noch 12 Monate, wenn beide Partner je vier Monate Elternzeit nehmen, um Kosten zu sparen. Volkswagen erwägt bis zu 100.000 Stellenabbau und Werksschließungen aufgrund von Absatzproblemen und starker Konkurrenz. In Istanbul wurden sechs Angeklagte im Fall einer vergifteten Hamburger Familie verurteilt; vier erhielten hohe Haftstrafen wegen fahrlässiger Tötung.

InhaltFamilienministerin Prien plant eine eigenwillige Elterngeldreform. Volkswagen will bis zu 100.000 Arbeitsplätze abbauen. Und in Istanbul ist das Urteil im Prozess um eine vergiftete Hamburger Familie gefallen. Das ist die Lage am Freitagabend. Die drei Fragezeichen heute: Für werdende Eltern besteht seit heute doppelt Grund zu guter Hoffnung: Laut SPIEGEL-Informationen aus Koalitionskreisen soll das Elterngeld erhöht werden. Damit käme Familienministerin Prien einer Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag nach. Gleichzeitig könnte ihr das Kunststück gelingen, beim Geldauszahlen Geld zu sparen, denn: Die staatliche Förderung soll künftig nur noch 12 statt 14 Monate ausgezahlt werden. Und zwar nur dann, wenn beide Partner jeweils mindestens vier Monate Elternzeit leisten – statt bisher zwei. Laut Milena Hassenkamp und Gerald Traufetter aus dem SPIEGEL-Hauptstadtbüro heißt das konkret: "Prien plant, die Väter in die Pflicht zu nehmen. Und sollten die nicht mitspielen? Dann spart der Staat Geld." (Lesen Sie hier mehr dazu .) Offenbar wettet der klamme Staat also auf die patriarchale Prägung seiner Bürger: Er rechnet damit, dass Väter nach der Geburt ihres Kindes lieber schnell zurück ins Büro gehen, statt sich an der Betreuung des Neugeborenen gleich vier Monate lang zu beteiligen. Er spart Geld, wenn Mütter weiterhin den Großteil der Familienarbeit stemmen. Irgendwie zynisch, aber auch ein bisschen genial. Jetzt liegt es an den werdenden Vätern dieses Landes! Werden Sie dem Staat beim Sparen helfen oder ihrem Baby beim Großwerden? VW-Chef Oliver Blume will in den kommenden Jahren bis zu 100.000 Arbeitsplätze abbauen und vier deutsche Werke schließen. Doch damit nicht genug: Blume will den Konzern neu sortieren – dadurch würde die Volkswagen AG ein komplett anderes Unternehmen. Die Details dieser exklusiven Geschichte des manager magazins  sowie alle weiteren Inhalte auf manager.de können Sie als SPIEGEL+-Abonnent für nur zwei Euro pro Woche lesen. Hier geht es zum Upgrade Ihres Abos. Es ist eine Nachricht, die mich anders trifft als viele ähnlich düstere Wirtschaftsmeldungen aus den vergangenen Wochen. Volkswagen war lange Jahre ein Teil meiner Familie: Als Kind fuhren wir mit einem roten VW-Bus in die Ferien, meine ersten Fahrstunden absolvierte ich in einem VW Golf, mein erstes eigenes Auto war ein Touran. Aber dann, auf der Suche nach einem Elektroauto, wurden wir VW untreu – und landeten bei einem amerikanischen Autobauer. Nun ist es vermutlich übertrieben zu sagen, dass meine Familie und ich schuld sind am Stellenabbau bei VW. Aber vielleicht sind wir ein kleines Beispiel für das Problem. Alexander Demling aus der SPIEGEL-Wirtschaftsredaktion schreibt: "In China, wo Volkswagen lange Marktführer war, haben heimische Player wie BYD oder Geely den Deutschen den Rang abgelaufen. In Europa, vor allem in Deutschland, könne der Konzern noch immer eine halbe Million mehr Autos bauen als verkaufen, was der Jahresproduktion mehrerer Werke entspricht." Dieser Fall ging vielen Menschen in Deutschland und der Türkei sehr nah: Im November war eine Familie mit zwei kleinen Kindern aus Hamburg im Istanbul-Urlaub mit Beschwerden wie Erbrechen und Übelkeit ins Krankenhaus eingeliefert worden und später gestorben. Zunächst hatten die Behörden eine Lebensmittelvergiftung vermutet. Todesursache war jedoch eine Vergiftung durch ein im Hotel verwendetes Insektizid zur Schädlingsbekämpfung, wie ein Gutachten später feststellte. (Die Rekonstruktion des Falles lesen Sie hier .) Heute hat das Istanbuler Gericht Caglayan vier der sechs Angeklagten schuldig gesprochen und hohe Haftstrafen verhängt. Der Betreiber des Hotels wurde zu 13 Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Der Inhaber der Schädlingsbekämpfungsfirma bekam eine 18-jährige Haftstrafe, ebenso sein Sohn. Ein Mitarbeiter der Firma wurde zu zwölf Jahren und zwei Monaten verurteilt. Als Grund nannte der Richter "bewusste fahrlässige Tötung". Die angeklagten Rezeptionisten wurden freigesprochen. Ein SPIEGEL-Team rund um Cathrin Schmiegel, Bradley Secker und Kerem Yalciner hat den Bruder des verstorbenen Vaters bei seiner Reise nach Istanbul zum Prozessbeginn begleitet. Ihre berührende Reportage möchte ich ihnen gerne ans Herz legen. (Lesen Sie den Text hier .) Der Bruder sagte der Nachrichtenagentur dpa heute, er empfinde 18 Jahre als eine "gerechte Strafe". Das Urteil ist bisher nicht rechtskräftig, die Verurteilten können noch in Berufung gehen. Acht Tipps für Sport bei Hitze: Wärme gilt als Leistungskiller, trotzdem verausgaben sich jetzt am Wochenende Tausende bei Halbmarathons und Triathlons. Ein paar Überlebensregeln für Sport bei Hitze – die wichtigste hat weder mit Kühlung noch Trinken zu tun . Flexibel Altern: Was plant Barack Obama, 64, für die Zukunft? Stretching. Seine Frau, die ehemalige First Lady Michelle Obama, sei ihm in Sachen Beweglichkeit weit voraus, sagte der Ex-Präsident der USA in einem Interview mit dem Magazin "People". Der 64-Jährige ist für seine Basketballleidenschaft bekannt, die er zurzeit aber nicht wirklich auslebe. Bei Wurfwettbewerben mache er gerne mit, aber richtige Spiele seien ihm zu riskant. "Solange ich nur geradeaus laufe, bin ich in guter Form. Aber wenn ich anfange, mich seitlich zu bewegen, mache ich mir Sorgen, dass irgendetwas schiefgeht." Aus dem "Trierischen Volksfreund": "Jeder Tote ist ein Toter zu viel, der ins Schwimmbad gegangen ist. Unabhängig davon, ob das ein Elfjähriger oder ein 99-Jähriger ist." Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Seit vier Jahren begeistert mich die Serie "The Bear". Die Geschichten rund um die Mitarbeiter eines Sandwichladens in Chicago sind rau und zauberhaft zugleich. Heute startet die fünfte und letzte Staffel, was mich einerseits ein bisschen traurig macht, denn die Hauptdarsteller wie der knittergesichtige Ebon Moss-Bachrach als Cousin Richie sind mir ans Herz gewachsen. Andererseits muss man gute Serien auch gehen lassen können. Eine Herausforderung nicht nur fürs Publikum, sondern vor allem für die Drehbuchschreiber. Häufig tun sie sich schwer damit, ein richtiges Serienende zu finden. Bei "The Bear" scheint das gelungen. Mein Kollege Oliver Kaever aus dem Kulturessort schreibt: "Dass hier jeder Konflikt angegangen und aufgelöst wird, befremdet geradezu. Aber es rührt auch." Vielleicht, weil man erst am Serienende wirklich begreife, "wie sehr sich das Gerangel in der Küche als Allegorie auf den Versuch der Menschen in den USA lesen lässt, bei allem Zwist doch noch auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen". (Lesen Sie hier die ganze Serienkritik .) Ein schönes Wochenende wünscht Ihre Anna Clauß, Autorin der Chefredaktion