Zugstillstand in der Nacht zu Dienstag: Ausbleibende Fehlermeldung stürzte die Bahn ins Chaos

Datum26.06.2026 15:05

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Softwarefehler nach dem Austausch eines Netzwerkteils legte den Zugverkehr bundesweit lahm. Das digitale Bahnfunksystem GSM-R fiel aus, da ein Ersatzsystem wegen fehlender Fehlermeldung nicht automatisch aktivierte. Manuelle Eingriffe und die Prüfung auf Cyberangriffe verzögerten die Wiederinbetriebnahme um Stunden. Die Bahn plant, Wartungsarbeiten künftig nach Mitternacht durchzuführen und das veraltete GSM-R-System zu modernisieren.

InhaltAlle Züge standen still, weil die DB-IT nicht mehr wollte: Die Bahn hat die Ursache für den bundesweiten Zugstillstand mitgeteilt. Damit das nicht noch mal vorkommt, will sie die Technik künftig erst nach Mitternacht warten. Ein Switch ist in der IT ein zentraler Verteiler innerhalb von Computernetzwerken. Ausgerechnet solch ein Bauteil sorgte dafür, dass die Deutsche Bahn ihrer Funktion als wohl wichtigster Verteiler von Menschen und Gütern innerhalb ganz Deutschlands nicht mehr nachkommen konnte. Hinter dem flächendeckenden Ausfall des Zugverkehrs in der Nacht zu Dienstag habe der Tausch eines solchen Switches gestanden, wie der bundeseigene Konzern mitteilte. Als Folge des Austauschs sei ein Softwarefehler aufgetreten, das digitale Bahnfunksystem GSM-R fiel aus – und hat den Zugverkehr im ganzen Land zum Erliegen gebracht . Die Panne bei den Wartungsarbeiten hätte folgenlos bleiben können, denn ein Ersatzsystem stand allzeit bereit. Das aktivierte sich jedoch nicht, weil eine Fehlermeldung ausgeblieben sei, heißt es vonseiten der Bahn. Das betroffene System sei deshalb auch nicht auf ein Parallelsystem umgesprungen. Der Wechsel habe stattdessen manuell vollzogen werden müssen. Zuvor hätten die Mitarbeiter aber ausschließen müssen, dass es sich um einen Cyberangriff handelte. Erst danach habe der Wechsel durchgeführt werden können. Gegen 0.30 Uhr, rund zwei Stunden nach dem Ausfall, funktionierte der Funk wieder und die Züge konnten weiterfahren. Die Bahn hat eigenen Angaben zufolge mehrere Maßnahmen ergriffen, damit sich dieser bisher einmalige Vorfall nicht wiederholt. Vorerst sollen demnach keine weiteren Komponenten getauscht werden, bis mit dem Hersteller des Geräts der Fehler behoben sei. Zudem sollen Instandhaltungen im System künftig nur noch in der Nacht zwischen 0.00 und 4.00 Uhr durchgeführt werden und nur in dem System, das gerade nicht verwendet wird. "Klar ist: Die Modernisierung unserer Infrastruktur ist der einzige Weg nach vorn", teilte der Chef der Bahn-Infrastrukturgesellschaft DB InfraGo, Philipp Nagl, mit. "Im Rahmen unserer Digitalisierungsstrategie erneuern wir das aktuelle GSM-R-Netz deshalb gerade noch mal umfassend, unterziehen es einem Upgrade und machen es resilienter." Das Funksystem GSM-R (Global System for Mobile Communications – Railway) ist mehr als 20 Jahre alt, aber nach wie vor europaweiter Standard bei sämtlichen Eisenbahnen. Das Nachfolgesystem FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) ist laut Bahn frühestens in zehn Jahren bereit für den Einsatz. Bis dahin müsse das alte System noch funktionieren. Das Bahnfunksystem in Deutschland ist den Angaben zufolge redundant gebaut. Funktioniere ein System nicht, springe der Funk zunächst auf ein Zwillings-System um. Gibt es auch dort Probleme, wird die Kommunikation über den öffentlichen Mobilfunk abgewickelt. Diese zusätzlichen Systeme hätten in der Nacht auf Dienstag zwar tadellos funktioniert, betont die Bahn. Der Vorfall mit Tausenden betroffenen Reisenden hatte Kritik seitens der Politik und Branchenverbänden ausgelöst, die insbesondere auf die überalterte Infrastruktur der Bahn abzielte. Lesen Sie hier einen SPIEGEL-Kommentar, warum das Chaos auch ein Weckruf für die Politik sein sollte: Alle Züge stehen still, weil Deutschland nicht digitalisieren will .