Deutsche Bahn: Evelyn Palla will bei Stuttgart 21 reinen Tisch machen

Datum26.06.2026 14:03

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie neue Bahn-Chefin Evelyn Palla verspricht nach Problemen bei Stuttgart 21 einen Neuanfang. Ein interner Bericht deckte erhebliche Defizite in Planung, Steuerung und Risikomanagement auf. Die Inbetriebnahme verschiebt sich bis 2031, die Kosten steigen auf 14,5 Milliarden Euro. Palla kündigt "reinen Tisch" an und will das Projekt mit Ehrlichkeit und Realismus neu aufstellen, um den modernsten Bahnknoten Europas zu realisieren. Das Vorgehen wird von Landes- und Stadtspitze gelobt.

InhaltEs wird immer länger und immer teurer gebaut: Bahn-Chefin Evelyn Palla nennt vier Hauptgründe für die Probleme bei Stuttgart 21. Und sie verspricht: "Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben." Die Inbetriebnahme verzögert sich bis 2031, die Kosten steigen um weitere drei Milliarden Euro auf insgesamt etwa 14,5 Milliarden Euro: Das Großprojekt Stuttgart 21 ist für die Deutsche Bahn schon lange ein Flop. Die neue Bahn-Chefin Evelyn Palla hat nun gemeinsam mit dem baden-württembergischen Regierungschef Cem Özdemir (Grüne) und dem Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) einen Konzernbericht zur Entwicklung bei Stuttgart 21 vorgestellt. Dabei fand sie offene Worte für die Fehlleistungen. "Transparenz ist manchmal schmerzhaft, Aufklärung kann manchmal frustrierend sein. Wir machen reinen Tisch und sagen, was ist", erklärte Palla. Der Bericht soll als "Geschäftsgeheimnis" allerdings nicht veröffentlicht werden. Die Untersuchung habe "erhebliche Projektversäumnisse festgestellt und offengelegt", sagte Palla. "Der Bericht zeigt gravierende Defizite in Planung, in Steuerung und auch im Risikomanagement." Es gebe dem Revisionsbericht zufolge vier Hauptursachen für die Probleme bei Stuttgart 21, so Palla: Nun versprach die Bahn-Chefin: "Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben." Die Bahn werde sich bei Stuttgart 21 neu aufstellen. "Das klare Ziel ist dabei, die komplexen Prozesse verlässlich und zukunftsfähig zu steuern. Wesentlich ist dafür, dass Ehrlichkeit und Realismus einkehren." Das Ziel bleibt laut Palla dasselbe: "Wir wollen und werden in Stuttgart den modernsten Bahnknoten Europas realisieren", sagte sie. Die Menschen in Stuttgart würden dann sehr stolz auf den Bahnhof sein. Ministerpräsident Özdemir äußerte sich ebenfalls kritisch: "Ich glaube, alle miteinander stehen wir davor, dass es kaum zu erklären ist, dass wir mittlerweile die neunte Verschiebung um weitere fünf Jahre haben", sagte er. Palla dankte er für ihre Offenheit: "Es geht nur mit maximaler Transparenz". Wichtig sei, dass grundsätzlich an der vollständigen Fertigstellung des Projekts festgehalten werde, sagte der Grüne weiter. "Wir brauchen einen leistungsfähigen Bahnknoten mit maximaler Kapazität, mit hoher Pünktlichkeit und vollständiger Digitalisierung." Er hoffe zudem, dass "die Belastungen für die Fahrgäste und die Bevölkerung auf ein Minimum reduziert werden". Stuttgarts Bürgermeister Nopper lobte, dass Palla "für die Deutsche Bahn glaubhaft Besserung" und "schonungslose Offenheit" gelobt habe. Diese schonungslose Offenheit sei in der Vergangenheit nicht gegeben gewesen. Der neue Zeitplan scheine nun "realistisch und nachvollziehbar". "Die Deutsche Bahn hat als Bauherrin glaubhaft versichert, dass sie nicht mehr verspricht, als sie halten kann." Stuttgart muss sich noch auf Jahre mit der missglücktesten Großbaustelle der Bahn herumplagen. Für Fahrgäste, die Region und den Staatskonzern hat das weitreichende Konsequenzen. Welche das sind, lesen Sie hier.