Datum26.06.2026 09:02
Quellewww.zeit.de
TLDRAustralien kämpft mit der Durchsetzung seines weltweit ersten Social-Media-Verbots für Minderjährige. Eine Studie zeigt, dass 85 % der 12-15-Jährigen die Sperren umgehen. Die Regierung will das Gesetz stärken und der Aufsichtsbehörde mehr Befugnisse geben. Strafen für Plattformen drohen, doch Reddit klagt gegen das Verbot. Andere Länder und Deutschland prüfen ähnliche Maßnahmen.
InhaltEin Großteil der Australier zwischen 12 und 15 Jahren findet offenbar Wege, die Social-Media-Sperren zu umgehen. Die Regierung will das Gesetz überprüfen. Ein halbes Jahr nach dem weltweit ersten Social-Media-Verbot für Kinder ringt Australien mit der Durchsetzung der Maßnahme. Premierminister Anthony Albanese sagte dem Fernsehsender ABC, seine Regierung wolle das dem Verbot zugrunde liegende Gesetz einem Stresstest unterziehen. Ein Schwerpunkt sei dabei, die Internet-Aufsichtsbehörde mit ausreichenden Befugnissen auszustatten. Man wolle sicherstellen, dass das Gesetz " so stark wie möglich" sei und allen rechtlichen Anfechtungen standhielte, sagte Albanese. Das Gesetz verbietet Plattformen wie Instagram und YouTube, Konten für Nutzer unter 16 Jahren anzubieten. Eine im British Medical Journal veröffentlichte Studie hatte jedoch ergeben, dass die Maßnahme kaum Wirkung zeigt. Demnach nutzten drei Monate nach Inkrafttreten des Verbots im Dezember 2025 noch 85 Prozent der Australier im Alter von zwölf bis 15 Jahren weiterhin soziale Medien. Zwei Drittel blieben online, indem sie ein Alter über 16 Jahren angaben oder ein Selfie einer Person posteten, die die Plattform als alt genug akzeptierte. Auch Eltern berichten, dass das Gesetz kaum Wirkung zeige. Die Regierung und die Behörden in Australien haben bereits rechtliche Schritte gegen mehrere Plattformen angekündigt. Diesen droht eine Geldstrafe von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar (umgerechnet rund 30 Millionen Euro), wenn sie das Verbot systematisch missachtet haben sollten. Auf der anderen Seite hat das Online-Forum Reddit vor dem High Court, dem obersten Gericht des Landes, eine Klage gegen das Verbot eingereicht, die sich noch in der Vorverhandlung befindet. Nach Australien haben zahlreiche andere Länder wie Frankreich, Kanada, Spanien, Slowenien, Griechenland und Großbritannien zum Jugendschutz bereits Social-Media-Verbote erlassen oder arbeiten daran. In Deutschland legte eine vom Bundesfamilienministerium eingesetzte Kommission in dieser Woche Optionen für eine stärkere Regulierung des Zugangs zu Social-Media-Angeboten vor. Darin wird als eine Variante ein gesetzliches Social-Media-Verbot für unter 13-Jährige vorgeschlagen. Für 13- bis 16-Jährige und 16- bis 18-Jährige solle es eine wirksame Altersprüfung und abgestufte Schutzstandards geben. Dieser Artikel wird weiter aktualisiert.