Datum26.06.2026 08:56
Quellewww.spiegel.de
TLDRObwohl die Bundesregierung den Kauf von Elektroautos mit einer Prämie fördert, kürzen die Hersteller ihre Rabatte für E-Autos. Gleichzeitig werden Verbrenner attraktiver durch höhere Preisnachlässe. Dies macht Verbrenner im Schnitt günstiger in der Anschaffung. Von der E-Förderung profitieren vor allem ausländische Hersteller, während deutsche Premiummarken und deren heimische Arbeitsplätze weniger profitieren. Die staatliche Subvention droht, die Preise künstlich hochzuhalten.
InhaltDie staatliche Kaufprämie soll den Absatz von E-Autos in Deutschland ankurbeln. Die Konzerne kürzen aber zeitgleich die Rabatte – und fördern so den Verkauf von Verbrennern wieder stärker. E-Auto oder Verbrenner? Diese Frage entscheiden viele Autokäufer auch aufgrund des Preises. Damit die zumindest in der Anschaffung oft noch teureren E-Modelle vermehrt Absatz finden, greift die Bundesregierung Interessenten mit kleinen und mittleren Einkommen mit einer Kaufprämie unter die Arme. Die Hersteller allerdings drücken nun offenbar trotzdem vermehrt Verbrenner-Modelle in den Markt. So bekommen Fahrzeuge mit fossilem Antrieb im Juni erstmals seit einem Jahr höhere Rabatte als E-Autos, wie aus der regelmäßigen Markstudie des privaten "Center Automotive Research (CAR)" hervorgeht. Handel und Hersteller setzten bei Verbrennern höhere Kaufanreize als bei vergleichbaren Elektroautos, damit schmilzt für viele Käufer der Vorteil durch die Prämie. Konkret ist nach den Erhebungen bei den 20 meistverkauften Elektrofahrzeugen der durchschnittlich gewährte Preisnachlass von 19,5 Prozent im Januar auf nun 17,8 Prozent des Listenpreises zurückgegangen. Bei den Verbrennern gab es im Schnitt 18,4 Prozent Rabatt. Sie sind damit zumindest in der Anschaffung durchschnittlich 1.997 Euro billiger als die E-Modelle. Im Dezember hatte der Abstand nur gut 1.300 Euro betragen. Die staatliche Förderung ist bei dem Preisvergleich nicht eingerechnet, weil vom gekauften Auto und den Einkommensverhältnissen des Käufers abhängig. Zu den Profiteuren der Prämie auf Herstellerseite zählen auch weniger deutsche Hersteller, wie CAR-Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer sagt. Zwar gebe es eine starke Förderung von Elektroautos im günstigen Einstiegssegment. Dies komme aber insbesondere Importeuren aus China, Korea und Europa entgegen. "Deutsche Premiumhersteller wie Audi, BMW, Mercedes, Porsche und ihre Jobs in Deutschland haben wenig davon." Voraussetzung für die E-Förderung ist eine Zulassung des Fahrzeugs seit dem 1. Januar dieses Jahres. Die Höhe des staatlichen Zuschusses hängt von Fahrzeug, Haushaltseinkommen (höchstens 80.000 Euro) und Familiengröße ab und kann zwischen 1.500 und 6.000 Euro betragen. Die Prämie gilt nur für Privatautos, nicht für Dienstwagen. (Lesen Sie hier dazu: So kommen Sie jetzt an Fördergeld für ein Elektroauto .) Zuletzt hatten E-Autos und ebenfalls geförderte Plug-in-Hybride einen Marktanteil von 35 Prozent in Deutschland erreicht. Nach Einschätzung Dudenhöffers sind die für 2026 vorgesehenen Fördermittel Mitte Juni bereits zur Hälfte aufgebraucht. Das Budget könne damit schon vor Jahresende vorübergehend erschöpft sein. Letztlich halte die staatliche Subvention die Preise für Elektroautos künstlich hoch. Nach dem Förderende werde es schwer, wieder zum Normalbetrieb zurückzukehren. Falls Sie ein neues Auto benötigen: Sind Sie der Typ für ein E-Auto – und wie sollten Sie es am besten finanzieren? Hier erfahren Sie, ob Sie besser leasen oder kaufen .