Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Ganz arc schön! Dieses Restaurant hat nun einen Michelin-Stern

Datum26.06.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDas Restaurant Arc in Eimsbüttel erhielt einen Michelin-Stern. Hamburg hat nun 22 Sterne. Die Elbvertiefung berichtet über Hitzewarnungen und Badeverbote. Die Sanierung des Michel-Kirchturms beginnt. Ein Platz wird nach Semra Ertan benannt. Die Kirschenernte im Alten Land hat begonnen. Eine Brücke wird abgerissen und ersetzt, was Verkehrseinschränkungen nach sich zieht. Oke Göttlich äußerte sich zur Nichtteilnahme an der WM.

InhaltDie Elbvertiefung am Freitag – Mit einem Interview mit Oke Göttlich, Tipps gegen die Hitze, Vorbereitungen auf die "Monsterbrücke" und einem Platz für Semra Ertan das Restaurant Arc in Eimsbüttel trägt seit Dienstag einen Stern im Guide Michelin. Als ich das las, war mein erster Gedanke "Mist!" Dabei freut mich natürlich, dass Hamburg mittlerweile auf insgesamt 22 Sterne kommt – nur noch knapp hinter Berlin und München mit je 26. Und noch mehr freut es mich für die netten und engagierten Betreiber des regionalistischen Mini-Lokals am Eppendorfer Weg. Darum hätte ich die Entscheidung der Michelin-Inspektoren (so nennen sie sich wirklich) gerne genutzt, um mich selbst als Kritiker ein bisschen wichtigzumachen. "Das wurde aber auch höchste Zeit!" – irgendetwas in dieser Manier. Nun ist das Arc aber kein Restaurant, in das man so einfach spaziert. Ich kenne kein weiteres in der Stadt, das dermaßen überbucht ist. Wer einen Tisch bekommen will, plant das über Wochen im Voraus. Das Spiel geht so, dass am letzten Tag eines jeden Monats um 10 Uhr der Reservierungskalender ein Stück weiter freigeschaltet wird. Man sitzt dann am besten fokussiert am Rechner, die Kreditkartennummer bereit, den eigenen Terminkalender auf einem zweiten Bildschirm geöffnet. Um 10.02 Uhr ist meist schon nichts mehr zu machen. Ich spreche da aus Erfahrung. Erst nach vier Monaten hat es geklappt. Zum Vergleich: Im Haerlin, das 2025 seinen dritten Stern erhielt (was übrigens höchste Zeit war), bekommt man nächsten Dienstag einen Tisch. Das hat mit Kapazitäten zu tun – im Arc gibt es gerade mal zwanzig Plätze. Natürlich auch mit den Preisen – die sind dort immer noch zweistellig für das große Menü. Vor allem aber sieht man daran, dass die berühmten Sterne gar nicht mehr so maßgeblich sind. Wer, wie das Arc, ein sehr junges und persönliches Konzept verfolgt, profitiert oft mehr von den Geheimtippereien der Gastro-Blogger. Ob das Essen die Wartezeit wert ist, weiß ich in sechs Wochen. Bis dahin kann ich Ihnen nur diese Besprechung aus einer früheren Elbvertiefung anbieten. Sie ist schon zwei Jahre alt, aber zumindest ein bisschen prophetisch. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Michael Allmaier Aufgrund der erhöhten Waldbrandgefahr ist in den Wäldern das Grillen, offenes Feuer und Rauchen verboten – auch auf Waldspielplätzen. Darauf weist die Umweltbehörde hin und rät zudem vom Baden in der Elbe dringend ab. Die unberechenbaren Unterströmungen bedeuteten selbst für geübte Schwimmer akute Lebensgefahr. Auch Alster und Kanäle seien wegen Mischwasserüberläufen, Zerkarienbefall und Blaualgenblüten ein Risiko. Bei den Harley Days, die am Freitag beginnen, kommt es zu temperaturbedingten Einschränkungen: Eine für Sonntag geplante Biker-Parade durch die Stadt hat der Veranstalter wegen der erwarteten Hitze vorerst abgesag. Der Halbmarathon war bereits Mitte der Woche gecancelt worden. Am Michel hat die Außensanierung des Kirchturms begonnen, an dem sich Risse von bis zu 30 Metern Länge gebildet haben. Finanziert wird sie durch Spenden in Höhe von 1,3 Millionen Euro an die Stiftung St. Michaelis. Die Sanierung soll bis Anfang 2027 abgeschlossen sein. Auf St. Pauli wird ein Platz nach der Schriftstellerin und Aktivistin Semra Ertan benannt. Sie hatte sich 1982 aus Protest gegen die wachsende Ausländerfeindlichkeit in der Nähe des Platzes selbst verbrannt. Ihr Tod erschütterte die Öffentlichkeit und machte auf die Diskriminierung von Migranten aufmerksam. Eine Hamburger Künstlerin, die sich dafür einsetzt, dass Plätze und Straßen nach Menschen benannt werden, die durch Rassismus oder rechtsextremistische Gewalt zu Tode gekommen sind, ist Talya Feldman. Unser Kollege Oskar Piegsa hat vor einiger Zeit hier über sie geschrieben. Im Alten Land hat die Kirschenernte begonnen – früher als im langjährigen Durchschnitt. Das hängt nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen vor allem mit der wiederholt frühen Blüte Anfang April zusammen. Erwartet werden etwa 15 Kilogramm Kirschen pro Baum. Ab heute wird die Max-Brauer-Allee zwischen Sternbrücke und Schulterblatt gesperrt. Die Bahn räumt die Straße frei für den Abtransport der denkmalgeschützten Sternbrücke. Nach ihrem Abriss wird ein modulares Transportfahrzeug die neue Brücke Ende Juli zu ihrem Bestimmungsort karren. "Monsterbrücke" wird das Ersatzbauwerk auf einigen Protestbannern genannt. Anwohnerinnen und Anwohner entlang des Weges müssen evakuiert werden, weil ihre Wohnungen in der Zeit der Sperrung nicht von Rettungskräften erreichbar wären. Die Bahn stellt Ersatzunterkünfte. Die Buslinie 15 fährt ab heute einen Umweg. Von Mitte Juli bis Ende August, wenn die gesamte Kreuzung gesperrt ist, werden die Linien S2 und S7 zwischen den Stationen Sternschanze und Bergedorf/Aumühle fahren, zwischen Sternschanze und Altona gibt es einen Ersatzverkehr mit Bussen. Die Linie S5 wird über den City-Tunnel umgeleitet. Die Bürgerinitiative Prellbock spricht von "verkehrlichen Albträumen rund um die Sternbrücke". Die inzwischen etablierten "Kreisel-Demo-Konzerte" der Abrissgegner an der Wohlers-Allee vis-à-vis der Sternbrücke finden derweil unverdrossen jeden Donnerstagabend statt, ab dem 23. Juli auf Höhe der Kulturkirche. Von Christoph Twickel Sollte man die WM aus politischen Gründen boykottieren? Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli, riet einst der deutschen Mannschaft dazu. Nun war er selbst in den USA. Mit ZEIT-Autor Tom Kroll hat er darüber gesprochen. Lesen Sie hier einen Ausschnitt aus dem Interview. DIE ZEIT: Herr Göttlich, Sie haben im Januar in einem Interview gesagt, Sie würden der deutschen Mannschaft aus politischen Gründen abraten, zur Fußball-Weltmeisterschaft in die USA zu fahren. Nun waren Sie selbst ein paar Tage vor Ort. Wie war es denn? Oke Göttlich: Ich habe in dem zeitlichen Kontext, in dem mir die Frage nach der WM gestellt wurde, hinterfragt, ob es sinnvoll ist, in den USA Fußball zu spielen. Es war eine Zeit, in der der US-Präsident Donald Trump mit dem FIFA Peace Prize ausgezeichnet wurde und gleichzeitig immer wieder eine Invasion Grönlands ins Gespräch brachte. Und es war eine Zeit, in der die Bilder von den tödlichen Schüssen von ICE-Beamten auf die Lyrikerin Renée Good und den Krankenpfleger Alexander Pretti um die Welt gingen. Es ging mir um eine Debatte. ZEIT: Die Debatte haben Sie ausgelöst. Göttlich: Ja, es gab ein großes Echo. Was mich positiv überrascht hat, ist, dass wir auch intern in der Deutschen Fußball-Liga und im Deutschen Fußball-Bund darüber diskutiert haben. Hätte es beispielsweise einen Angriff auf den EU-Staat Dänemark gegeben, dann wäre eine deutsche Teilnahme an einer Fußball-Weltmeisterschaft sicherlich auch von anderen Funktionären anders bewertet worden als jetzt. ZEIT: Der DFB-Präsident Bernd Neuendorf kanzelte Sie hingegen damals öffentlich ab. Er sagte in der Sportschau, Sie seien "noch nicht so lange dabei". Gemeint war Ihre Mitgliedschaft seit November 2025 im Präsidium des DFB. Nun haben Sie mit ihm gemeinsam auf der Ehrentribüne in Houston das erste Spiel der Nationalmannschaft geschaut. Wie war die Stimmung? Göttlich: Gut und anständig, wie es sich unter Menschen gehört, die in manchen Fragen unterschiedlicher Auffassung sind. Ich treffe Bernd Neuendorf regelmäßig, abseits von Events. Der DFB-Präsident ist ein integrer und kluger Kopf. Er ist auch jemand, der Antennen für meine Positionen besitzt. Aber als DFB-Präsident hat er natürlich eine Rolle, die von größerer Zurückhaltung und Diplomatie geprägt ist. Seine Aufgabe ist es, moderativ sämtliche Strömungen und Meinungen einzuordnen, im Endeffekt um den verbindenden und auch gesellschaftlich relevanten Fußballsport innerhalb der Nationalverbände der Welt zu orchestrieren. Meine Rolle ist eine andere. Wie Oke Göttlich reagierte, als Neuendorf ihm nahelegte, beim DFB neutraler zu sein als beim FC St. Pauli, lesen Sie in der ungekürzten Fassung. → Zum Interview (Z+) In den nächsten Tagen erwarten uns in Hamburg Temperaturen von über 30 Grad. Wir sollten zwar den Sommer genießen, müssen aber mehr gegen die Gefahren durch Hitze tun – denn es wird nicht kühler. In einigen Kommunen gibt es bereits kluge Ansätze, schreibt ZEIT-Redakteurin Petra Pinzler. → Zum Artikel (Z+) Das 11. Hamburger VorleseVergnügen startet am Montag. Im Rahmen dieses Literaturfestivals für Kinder liest am kommenden Mittwochnachmittag Julia Ginsbach aus Tafiti – Krokodil-Alarm am Wasserloch. Das Erdmännchen Tafiti und sein Freund Pinsel müssen Hürden überwinden, bevor sie bei Hitze einen Schluck Wasser bekommen. Für Kinder ab 5 Jahren. Wir verlosen dreimal zwei Karten für die Lesung am kommenden Mittwoch, 1. Juli, in der Flussschifferkirche. Schreiben Sie uns bis Montag, 12 Uhr, eine E-Mail mit dem Betreff "Krokodil-Alarm" an hamburg@zeit.de. Die Gewinner werden von uns direkt benachrichtigt. Viel Glück! Der U-Bahn-Zug zwischen Sternschanze und Feldstraße bleibt abrupt stehen. Meldet sich der Zugführer: "Liebe Fahrgäste, ich habe angehalten, weil sich vor mir ein Schwan im Gleisbett befindet. Den möchte ich nicht totfahren. Das Aufsichtspersonal ist verständigt. Es wird einige Minuten dauern, bis der Schwan entfernt ist." Darauf ein Fahrgast: "Jetzt drehen die auch schon durch!" Gehört von Michael Pasdzior Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.