Datum26.06.2026 04:52
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Sanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin ist durch Bauverzögerungen, insbesondere durch Frost im Januar und Februar, deutlich teurer geworden. Die Kosten steigen auf rund 2,7 Milliarden Euro, was eine Überschreitung des ursprünglichen Budgets und des Puffers bedeutet. Trotz der Eröffnung im Juni verzögert und verteuert sich die Modernisierung. Kritisiert wird, dass das neue Zugsicherungssystem ETCS nicht wie geplant installiert werden konnte, was zukünftige Sperrungen wahrscheinlich macht. Tausende Pendler litten unter den massiven Einschränkungen.
InhaltSeit Mitte Juni fahren wieder Züge zwischen Hamburg und Berlin – sechs Wochen später als geplant. Nun steht fest, was die Verzögerung gekostet hat. Und die nächste Sperrung ist bereits absehbar. Die Sanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin ist infolge wochenlanger Bauverzögerungen deutlich teurer geworden. Die Gesamtkosten der Streckenmodernisierung belaufen sich aktuell auf rund 2,7 Milliarden Euro, wie aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Frage des Linkenabgeordneten Christian Görke hervorgeht. Zuletzt war von Baukosten in Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro die Rede. Vorgesehen war darüber hinaus noch ein Risikopuffer von rund 300 Millionen Euro. Dieser wurde der Antwort zufolge ausgeschöpft. Ob die Sanierung sogar noch teurer werden könnte, lässt die Antwort offen. "Für diese riesigen Kosten wurde viel zu wenig erreicht", sagte Görke. "Vor allem konnte das neue europäische Zugsicherungssystem nicht wie ursprünglich geplant eingebaut werden, allein deshalb wird es in fünf bis zehn Jahren zu einer weiteren Großsperrung kommen." Görke bezieht sich auf das digitale Zugleitsystem ETCS. Diese Technik soll für mehr Kapazität auf der Schiene sorgen, weil Züge in dichterer Taktung fahren können. Das System sollte ursprünglich auch auf der Strecke Hamburg–Berlin eingesetzt werden. Nach jetzigem Stand können die Züge dort aber auch nach der Sanierung nicht mit ETCS fahren. Zudem hätten gleich nach der Eröffnung Aufzüge nicht richtig funktioniert und Züge seien nicht gefahren. "Für dieses magere Ergebnis mussten viele Tausend Pendlerinnen und Pendler zehneinhalb Monate lang halbe Weltreisen mit dem Bus zurücklegen und mit massivsten Einschränkungen leben", kritisierte Görke. Die Sanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin ist Teil eines Gesamtprogramms, mit dem die Bahn bis Mitte der Dreißigerjahre Dutzende marode Strecken umfassend sanieren und auf diese Weise über Jahre hinweg baufrei halten will. Die Korridore werden dafür über Monate gesperrt. Die Strecke Hamburg–Berlin war seit Anfang August für den Fern-, Regional- und Güterverkehr gesperrt. Während der Fernverkehr über Stendal und Uelzen mit einer etwas längeren Fahrzeit umgeleitet wurde, mussten Fahrgäste im Regionalverkehr monatelang auf Ersatzbusse ausweichen. Eigentlich sollte der Korridor Anfang Mai wiedereröffnet werden. Wochenlanger Frost im Januar und Februar hatte aber zu erheblichen Verzögerungen geführt, weil aufgrund des gefrorenen Bodens nicht gearbeitet werden konnte. Erst seit Mitte Juni rollen die Züge wieder. Das Konzept der sogenannten Generalsanierungen hat viele Kritiker in der Branche, insbesondere aufgrund der umfassenden Sperrungen. Auch hohe Kosten werden immer wieder bemängelt. Mehr zur Sanierung der Bahninfrastruktur: Marode Schienen und Bahnhöfe – so will die Bahn aus ihren Pannen lernen