Hochsommerliche Temperaturen: Hitze: Chefarzt erwartet mehr Patienten in der Notaufnahme

Datum26.06.2026 04:30

Quellewww.zeit.de

TLDRBei hochsommerlichen Temperaturen erwartet der Chefarzt der Inneren Medizin einer Klinik mehr Notfälle, insbesondere bei Herz-Kreislauf-Patienten. Dehydrierung und Hitzeschlag sind häufige Probleme. Rad schlägt vor, bei Beschwerden zunächst Schatten zu suchen, die Beine hochzulegen und viel zu trinken. Bei anhaltenden oder schweren Symptomen wie Bewusstlosigkeit oder einem Hitzschlag ist ein Notarzt nötig. Er rät von Sprüngen in kaltes Wasser bei extremer Hitze ab.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Hochsommerliche Temperaturen“. Lesen Sie jetzt „Hitze: Chefarzt erwartet mehr Patienten in der Notaufnahme“. Mit einem erhöhten Patientenaufkommen angesichts der hochsommerlichen Temperaturen rechnet der Chefarzt Innere Medizin - Kardiologie der Schön Klinik Neustadt, Peter Radke. "Man geht davon aus und das sehen wir selber auch, dass bei solchen Tagen 10 bis vielleicht 20 Prozent mehr Notfälle in den zentralen Notaufnahmen in Schleswig-Holstein und überall in Deutschland gesehen werden", sagte Radke der Deutschen Presse-Agentur. Das seien insbesondere Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen, Herzrhythmusstörungen oder Menschen, die nicht genug getrunken hätten. Radke ist seit 2013 Chefarzt und seit 2017 auch ärztlicher Leiter in Neustadt. Er gehe davon aus, dass die Notaufnahme in Neustadt gut auf die aktuelle Situation vorbereitet sei. "Wir haben mehr Notfälle tatsächlich und das belastet auch die Pflege und den ärztlichen Dienst in den Krankenhäusern." Wer aber bereits seit drei Wochen Beschwerden habe, der müsse nicht in den kommenden 24 Stunden in die Klinik gehen. Der Kardiologe rät vor allem Menschen mit Herzerkrankungen, sich möglichst wenig in der Hitze zu bewegen. Wer Beschwerden wie Schweißausbrüche, zittrige Beine und ein Nachlassen der Kraft verspüre und auch Schwindel oder Übelkeit, solle in den Schatten gehen und die Beine hochlagern, sagte Radke. Neben viel Wasser würden auch feuchte Tücher helfen. Dann sei es ratsam, sich die Situation 30 oder 60 Minuten anzuschauen. "Und wenn das aber nicht besser wird, dann ist die zentrale Notaufnahme schon der richtige Ort." Ein sogenannter Hitzekollaps lasse sich noch selbst oder mit Hilfe in den Griff kriegen, sagte Radke. In anderen Fällen werde es aber schlechter, die Körpertemperatur steige auf bis zu 40 Grad an. Die Haut werde trocken, die Menschen fühlten sich ein etwas duselig. Das sei ein Hitzeschlag und damit ein Notfall. "Die Temperaturregulation funktioniert einfach nicht mehr. Das ist problematisch, und da braucht man tatsächlich dann den Rettungsdienst." Bei Ohnmacht bräuchten Menschen zudem einen Notarzt. Bei erwarteten Temperaturen von deutlich über 30 Grad Celsius suchen derzeit viele Menschen eine Abkühlung in Nord- und Ostsee. Wer bei Temperaturen von 35 Grad und mehr an den Strand will, dem rät der Chefarzt jedoch vom Sprung ins kalte Wasser ab. "Diese Temperaturdifferenzen sind problematisch. Deswegen muss man da langsam ins Wasser gehen", sagte Radke. Es kämen bereits die ersten Urlauber mit Hitzeerschöpfungen in die Klinik. "Wir haben jetzt keine Patienten gehabt in den letzten 24 Stunden, die jetzt tatsächlich über den Rettungsdienst kamen oder auch wirklich ohnmächtig waren", sagte Radke. "Aber es gibt schon viele, die dehydriert sind." Ein erhöhtes Risiko hätten Menschen mit Harnwegsinfekt. "Bei einem Harnwegsinfekt verliert man ja eh schon mehr Flüssigkeit. Und wenn man dann sozusagen sich in der Hitze aufhält, dann können die Kompensationsmechanismen von älteren Herrschaften manchmal nicht mehr funktionieren. Und dann ist es tatsächlich so, dass die relativ schnell dekompensieren, also nicht mehr so richtig bei sich sind und die brauchen dann auch Flüssigkeit über die Vene zum Beispiel." Das sei ein typisches Szenario in der Notaufnahme. Vielen Patienten, die in die Neustädter Notaufnahme kämen, ginge es erst einmal nicht gut, sagte Radke. "Dann kriegen die ein, zwei Liter über die Vene Flüssigkeit und dann sind die wieder tipptopp und wollen nach Hause. Also es ist nicht so, dass die alle im Krankenhaus bleiben." © dpa-infocom, dpa:260626-930-285658/1