Datum26.06.2026 00:57
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie kriselnde Warenhauskette Galeria erhält bis zu 160 Millionen Euro Kredit von Gordon Brothers. Dieser ist an einen dreijährigen Sanierungsplan gekoppelt, der auch deutliche Filialschließungen vorsieht. Etwa 30 der 83 Warenhäuser sind gefährdet. Das Geld soll zunächst einen alten Kredit ablösen und Ware für die kommende Saison sichern. Gründe für die finanzielle Schieflage sind das schwache Konsumklima und die Insolvenz des Mutterkonzerns Signa. Trotz der Finanzspritze bleibt die Lage angespannt.
InhaltDie kriselnde Warenhauskette Galeria erhält nach Wochen der Unruhe frisches Geld. Der damit verbundene Sanierungsplan könnte für einen Teil der Beschäftigten jedoch schmerzhafte Folgen haben. Galeria verschafft sich Luft: Die angeschlagene Warenhauskette erhält eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro, wie eine Sprecherin in Düsseldorf mitteilte. Zugleich sind weitere Filialschließungen vorgesehen. Die Kreditlinie stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit, abgesichert durch die Ware von Galeria. Die Verhandlungen zogen sich über Wochen hin. Voraussetzung für die Zusage war ein von der Unternehmensberatung AlixPartners erstelltes Gutachten zur wirtschaftlichen Lage von Galeria. Zuvor hatten auch das "Handelsblatt" und die "Wirtschaftswoche" über den neuen Kredit berichtet. Das Geld ist an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, der jetzt umgesetzt werden soll. Der Einzelhändler will dabei unter anderem prüfen, welche Standorte rentabel sind, und mit Vermietern über Mietsenkungen sowie flexiblere Konditionen verhandeln. "Wir durchleuchten das gesamte Filialnetz, denn jedes Haus soll künftig wirtschaftlich tragfähig sein", sagt Galeria-Geschäftsführer Tilo Hellenbock. Als Grund für die Maßnahmen nennt das Unternehmen unter anderem das anhaltend schwache Konsumklima im stationären Einzelhandel. Etwa 30 der derzeit 83 Warenhäuser gelten als Wackelkandidaten und sollen besonders gründlich in den Blick genommen werden. Galeria dürfte in drei Jahren ein deutlich kleineres Filialnetz haben – so berichten es Beteiligte, die über die Pläne informiert sind. Hellenbock zufolge wird allerdings auch in Betracht gezogen, an früheren Standorten wieder Filialen zu eröffnen. Unklar ist, wie viel von dem neuen Geld für Investitionen, zum Beispiel in die Filialen, übrig bleibt. Zunächst soll ein Kredit des Minderheitsgesellschafters Bain Capital abgelöst werden. Dem Vernehmen nach geht es dabei um etwa 80 Millionen Euro. Hinzu kommen noch ausstehende Mietzahlungen. Mehrere Vermieter hatten zuletzt beklagt, dass Mieten von Galeria gar nicht oder nur teilweise gezahlt wurden. Das Unternehmen begründete dies mit Liquiditätsschwankungen und räumte ein, die Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben. Ein Eigentümer sagte, die offenen Positionen seien inzwischen beglichen. Andernorts hieß es hingegen, noch zwei Monatsmieten seien offen. Zudem wird Geld benötigt, um Ware für die Herbst- und Wintersaison zu bestellen. Zuletzt bemühte sich Galeria mit großen Rabattaktionen darum, die Umsätze anzukurbeln. Weitere Filialschließungen könnten erhebliche zusätzliche Kosten verursachen, etwa für Sozialpläne und Abfindungen für Beschäftigte sowie Entschädigungszahlungen an Vermieter. Bereits im März hatte die Handelskette angekündigt, die Mietverträge von acht Filialen neu verhandeln zu wollen. Schließungen seien nicht ausgeschlossen, hieß es schon damals. Galeria beschäftigt rund 12.000 Menschen. Anfang 2024 hatte der Konzern zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz angemeldet. Grund dafür war unter anderem die finanzielle Schieflage des Mutterkonzerns Signa (Lesen Sie hier Interna zur Pleite ). Im Sommer 2024 wurden neun Standorte geschlossen. Seitdem gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz (mehr dazu hier ). Nach Verhandlungen mit den Vermietern konnte die Kette ihre Mietbelastung deutlich senken. Beetz sagte, für Galeria könne es "nach der Kreditzusage zunächst einmal weitergehen, doch die Lage bleibt weiter angespannt". Die Rahmenbedingungen seien für die Warenhauskette im vergangenen Jahr "besonders ungünstig" gewesen. "Wir haben jetzt den kurzfristigen Fortbestand gesichert, aber wir wollen auch eine langfristige und belastbare Zukunftsperspektive schaffen", fügt der Miteigentümer hinzu. Gordon Brothers ist im Kosmos des Unternehmens kein unbekannter Name. Der Investor organisierte vor Jahren den Abverkauf in Kaufhof- und Karstadt-Filialen vor deren Schließung.