»Alligator Alcatraz«: Umstrittenes US-Abschiebelager in Florida schließt

Datum25.06.2026 23:35

Quellewww.zeit.de

TLDRDas umstrittene US-Abschiebelager "Alligator Alcatraz" in Florida wird geschlossen. Häftlinge wurden verlegt, da die Einrichtung als Übergangslösung gedacht war. Hohe Betriebskosten und Bedenken wegen der Hurrikansaison wurden als Gründe genannt. Kritiker bezweifeln diese Angaben und verweisen auf schlechte Haftbedingungen und Umweltbedenken. Das Lager war ein Symbol der Trump-Regierung und diente zur Abschreckung durch die Anwesenheit von Alligatoren.

InhaltFlorida hat alle inhaftierten Einwanderer aus dem Gefängnis "Alligator Alcatraz" verlegt. Das Lager sei nur eine Übergangslösung gewesen, teilte der Gouverneur mit. Das als "Alligator Alcatraz" bekannte US-Abschiebezentrum im Bundesstaat Florida wird geschlossen. Es gebe dort keine Häftlinge mehr. Das zwischen Sümpfen errichtete Zentrum, in dem Tausende Migrantinnen und Migranten in Gewahrsam waren, sei von Anfang an nur als vorübergehende Lösung gedacht gewesen, teilte Gouverneur Ron DeSantis mit. Inzwischen verfügten die US-Bundesbehörden über ausreichend Kapazitäten, um illegal Eingewanderte in dauerhafteren Einrichtungen festzuhalten und dann abzuschieben, sagte er weiter. Zuvor hatten US-Medien berichtet, dass horrende Betriebskosten ein Schließungsgrund sein könnten. Bereits Anfang Juni hatten Behördenvertreter eine vorübergehende Schließung der Einrichtung angekündigt, weil es wegen der Hurrikansaison zu unsicher sei, Inhaftierte in den Florida Everglades unterzubringen. Alle Menschen, die in dem Abschiebezentrum festgehalten wurden, seien in andere Einrichtungen verlegt worden, hieß es. Aktivisten und Anwälte sahen in den Angaben der Behörden einen Vorwand. "Das ist eine unsinnige Ausrede, weil die Einrichtung mitten in der schlimmsten Phase der Hurrikansaison im vergangenen Jahr eröffnet wurde", sagte Arianne Betancourt von der Organisation The Workers Circle. Die US-Regierung hatte das Gefängnis im vergangenen Jahr in den Sümpfen errichtet, um Gefangene aufgrund der Alligatoren von der Flucht abzuhalten. "Alligator Alcatraz" war zum Symbol der aggressiven Abschiebepolitik von US-Präsident Donald Trump geworden. Er hatte die Haftanstalt im Sommer 2025 nach Beginn der Hurrikansaison persönlich eröffnet. Innerhalb weniger Tage waren Zelte für Tausende Inhaftierte sowie mobile Unterkünfte für Mitarbeiter auf einem abgelegenen Flugplatz errichtet worden. Den Angaben zufolge zählte die Einrichtung mehr als 200 Überwachungskameras, mehr als 8.500 Meter Stacheldraht und 400 Sicherheitskräfte. Kritiker sprachen unter anderem von käfigartigen Zellen für die Gefangenen und wiesen auf mangelnde Hygiene hin. Gefangene berichteten von Schwierigkeiten beim Zugang zu Anwälten und schlechten Bedingungen wie Würmer im Essen, nicht funktionierende Toiletten, mit Fäkalien verschmutzte Böden sowie Moskitos und andere Insekten. Die Regierung wies die Vorwürfe indes zurück. Einrichtung bedrohe zudem das Ökosystem der Everglades, kritisierten Umweltschützer und Ureinwohner vom Stamm der Miccosukee. DeSantis zufolge waren etwa 21.000 Menschen über die Einrichtung abgeschoben worden. Mehrere Gerichte hatten sich mit dem Abschiebezentrum befasst. Im August vergangenen Jahres, zwei Monate nach der Eröffnung, hatte eine Bundesrichterin die Schließung des Lagers bis Ende Oktober angeordnet.