Datum25.06.2026 19:20
Quellewww.zeit.de
TLDRAnwohner und Gewerbetreibende protestierten im Berliner Kurfürstenkiez für mehr Sicherheit, da sie unter Drogenhandel, Straßenprostitution und Gewalt leiden. Sie forderten von Politik und Verwaltung konsequentes Handeln. Zeitgleich demonstrierten einige gegen ein CDU-Forderungsverbot der Straßenprostitution, da dies Sexarbeiterinnen und Drogenkonsumenten schaden würde. Der Erhalt des Frauentreffs Café Olga wurde ebenfalls gefordert. Verschlimmerung der Zustände seit letztem Jahr, Ansprechen von Kindern durch Dealer und Angst unter Bewohnern waren Themen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Protest“. Lesen Sie jetzt „Demo im Kurfürstenkiez gegen Drogen und für mehr Sicherheit“. Der Kurfürstenkiez ist von Straßenprostitution, Drogenhandel und Gewalt belastet - mehrere Dutzend Anwohner und Gewerbetreibende haben nun für mehr Sicherheit demonstriert. Bei dem Treffen vor der Zwölf-Apostel-Kirche schilderte ein Familienvater, dass regelmäßig Fremde ins Wohnhaus und die Tiefgarage einbrechen, so dass er seine Kinder im Alter von sieben und zwölf Jahren nicht einmal mehr allein ins Treppenhaus lasse. Er wünsche sich mehr Sicherheit in der Nachbarschaft. Eine 65-jährige Anwohnerin, die seit gut drei Jahren nahe der Kirche wohnt, sagte der dpa, die Zustände hätten sich besonders seit dem vergangenen Jahr verschlimmert. "Die Drogenkriminalität nimmt zu. Dealer sprechen Kinder an, daher werden sie oft von Eltern zur Schule begleitet. Viele Leute haben gerade abends Angst auf die Straße zu gehen, insbesondere Frauen." Sie wünscht sich mehr Polizeipräsenz. Im Kiez würden Drogen gehandelt "wie auf dem Flohmarkt". Gegen den Straßenstrich, den es schon seit Jahrzehnten gebe, habe sie nichts, sagte die Frau, die ihren Namen nicht genannt wissen wollte. "Die Frauen sind nicht das Problem, denn sie sind ganz überwiegend einfach nur ganz arme Menschen." Prostitution tagsüber auf der Straße, offener Drogenhandel, Gewalt und Verwahrlosung prägen einen Teil der Kurfürstenstraße in Mitte und Schöneberg. In der Einladung zu der Aktion werden Verwaltung und Politik aufgefordert, die Probleme "mit der notwendigen Konsequenz" anzugehen. Der Betreiber von zwei Rewe-Märkten in unmittelbarer Nähe, Sulaf Ahmed, sagte der dpa, schon immer gebe es Prostitution, doch seit etwa eineinhalb Jahren zudem viel mehr Menschen mit massivem Drogenkonsum. Das zeige sich in seinen Läden durch viele Diebstähle und leider auch immer mehr Gewalt. "Viele leben auf der Straße, sind zugedröhnt und sehr unberechenbar." Etliche seiner Mitarbeiter hätten Angst, wenn sie frühmorgens oder spätabends die Läden öffnen oder schließen. Eine Straßenecke weiter demonstrierten zeitgleich einige Dutzend Menschen gegen die Forderung der CDU nach einem ein Verbot der Straßenprostitution - nicht nur im Kurfürstenkiez, sondern in der ganzen Stadt. Dazu sagte Anne Bonny von Hydra, einer Beratungsstelle zu Prostitution, ein Sperrbezirk werde viele Menschen, die Sexarbeit nachgehen und Drogen konsumieren, massiv schaden und sie aus der Stadt oder in die Illegalität drängen. In dem Kiez gebe es Sexarbeit schon seit den 1880er Jahren, mit der Gentrifizierung hätten sich nun aber Konflikte gerade mit neuen Nachbarn zugespitzt, schildert sie. An die Menschen "in den Luxuswohnungen" appelliert sie, den Kiez mit den "Vulnerabelsten" weiter zu teilen sowie für gemeinsame Schutzstrukturen zu kämpfen. Demonstriert werde zudem für den Erhalt des Frauentreffs Café Olga, der Beratung und medizinische Versorgung für täglich bis zu 70 Sexarbeiterinnen anbiete, dessen Mietvertrag aber gekündigt worden sei. © dpa-infocom, dpa:260625-930-284324/1