Türkische Journalisten von Nato-Gipfel in Ankara ausgeschlossen

Datum25.06.2026 18:25

Quellewww.spiegel.de

TLDRTürkische Journalisten, darunter von kritischen Medien wie "Cumhuriyet", wurden vom Nato-Gipfel in Ankara ausgeschlossen. Die Nato begründet dies mit der Abhängigkeit von der Einschätzung des Gastgeberlandes. Reporter ohne Grenzen kritisiert das intransparente und faire Vergabeverfahren. Es bestehe der Verdacht, dass regierungsnahe Medien bevorzugt würden, während unabhängige Berichterstatter ausgeschlossen blieben. Dies deckt sich mit der generellen Unterdrückung kritischer Stimmen in der Türkei.

InhaltKritische Presse unerwünscht? Vor dem Nato-Gipfel in Ankara sind viele türkische Reporter ohne Akkreditierung geblieben. Die Nato hat sich eigenen Angaben zufolge auf die Einschätzung des Gastgeberlandes verlassen. Reporter ohne Grenzen hat den Ausschluss zahlreicher türkischer Journalisten vom Nato-Gipfel beklagt. Der Türkei-Vertreter der Organisation, Erol Önderoğlu, sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass ein Großteil der türkischen Medien, darunter sehr bekannte Journalisten, keine Akkreditierung erhalten und damit vom Gipfel ausgeschlossen würden. Unter anderem teilten die oppositionelle Zeitung "Cumhuriyet" sowie die oppositionellen Sender Sözcü und Halk TV mit, keine Akkreditierung erhalten zu haben. Die Gründe für die Entscheidung könne nicht genannt werden, heißt es demnach in der Absage. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Der Journalist Deniz Zeyrek schreibt bei X, er habe über zahlreiche Nato-Treffen und Gipfel berichtet, unter anderem über die in Washington und Brüssel – aber in seinem eigenen Land werde er nicht zugelassen. Dabei sei auffällig, dass der Regierung nahestehende Medien akkreditiert worden seien, unabhängige aber nicht. Önderoğlu kritisierte, das Akkreditierungsverfahren sei nicht nachvollziehbar, völlig intransparent, und es gebe keine Einspruchsmöglichkeit. "Wir fordern ein faires Vergabeverfahren." Die Nato erklärt bei X, sie verlasse sich bei Gipfeltreffen außerhalb des Hauptquartiers auf die Einschätzung des Gastgeberlandes hinsichtlich der Journalisten im eigenen Land, um den Zugang zum Veranstaltungsort zu gewährleisten. Man stehe mit den türkischen Behörden in Kontakt. "Es ist wichtig für die Nato, dass Medienvertreter persönlich an Großveranstaltungen teilnehmen können." Der Nato-Gipfel in Ankara sorgt schon seit Wochen für Unmut bei der Bevölkerung, die sich auf zahlreiche Einschränkungen einstellen muss. Die türkische Justiz geht seit Jahren verstärkt gegen Oppositionelle vor. Am Dienstag durchsuchten sie Medienberichten zufolge die Wohnungen von Gewerkschaftern, Anwälten und linken Aktivisten und nahmen mehr als 200 Menschen fest. Die Organisation Human Rights Watch (HRW) wirft der türkischen Regierung vor, die Antiterrorgesetze zu missbrauchen, um Menschen vor dem Nato-Gipfel mundtot zu machen. Dies widerspreche den Gründungswerten des Bündnisses, sagte Benjamin Ward, stellvertretender HRW-Direktor für Europa und Zentralasien. Warum gerade kein Weg an Recep Tayyip Erdoğan vorbeiführt, lesen Sie hier .