Datum25.06.2026 17:34
Quellewww.spiegel.de
TLDRVenezuela wurde von einem schweren Doppel-Erdbeben erschüttert, das Tausende Tote fordern könnte. Unterdessen legt ein neues Rechtsgutachten nahe, dass die AfD verfassungswidrig ist und verboten werden könnte. Bei der Fußball-WM leitet die als Überraschungsstar gefeierte Schiedsrichterin Tori Penso heute das Spiel Deutschland gegen Ecuador.
InhaltDie AfD ist laut einem neuen Rechtsgutachten verfassungswidrig. Ein Doppel-Erdbeben erschüttert Venezuela. Und der weibliche Überraschungsstar dieser WM leitet heute Abend das deutsche Spiel gegen Ecuador. Das ist die Lage am Donnerstagabend. Die drei Fragezeichen heute: Im Abstand von 39 Sekunden hat in Venezuela am gestrigen Abend, als es in Mitteleuropa kurz nach Mitternacht war, zweimal die Erde gebebt. Die Regierung befürchtet Tausende Tote, etliche Gebäude sind eingestürzt. Das zweite der beiden Beben ist das heftigste in dem südamerikanischen Land seit mehr als einem Jahrhundert. Was bisher über die Katastrophe bekannt ist. (Hier mehr ) Die Erde begann am Mittwoch um 18.04 Uhr Ortszeit zu beben, wegen der geringen Tiefe dürften die Auswirkungen des zweiten Bebens größer sein. Die Millionenstadt Caracas, aus der die ersten Bilder und Berichte kamen, lag dabei nicht sehr nah am Epizentrum, sondern mehr als 150 Kilometer östlich davon. "Im Norden Venezuelas bewegen sich auf einer Strecke von vielen Hundert Kilometern zwei Erdplatten aneinander vorbei, die karibische und die südamerikanische Platte", berichten meine Kolleginnen Anika Freier und Charlotte Lüder. "Hätten die Platten glatte Kanten, könnten sie wohl einfach aneinander vorbeigleiten. Doch das ist nicht der Fall; die Plattengrenzen haben mehrere Verwerfungen, Brüche oder Risse. Durch diese Unebenheiten können sie sich verhaken und Spannung aufbauen, die sich irgendwann entlädt." Hier äußert sich ein Experte über das Beben. (Lesen Sie hier mehr ) In der Region, in der die Platten aneinandergrenzen, sind viele Städte und Siedlungen. Weil die starken Beben so dicht aufeinanderfolgten, sind wohl viele Gebäude, die beim ersten Beben nur geschwächt wurden, beim zweiten dann eingestürzt. "Entwarnung gibt es für die Region erst einmal nicht", sagt meine Kollegin Anika. "Experten gehen davon aus, dass es weitere Nachbeben geben wird. Doch wann diese auftreten oder wie stark sie sein werden, dafür gibt es kein Vorhersagesystem. Für die Menschen vor Ort ist das fatal." Die AfD, die im Fall einer Bundestagswahl am nächsten Sonntag nach jüngsten Umfragen mehr Stimmen als die Unionsparteien bekommen würde, ist laut einem heute vorgelegten Rechtsgutachten verfassungswidrig – und könnte verboten werden. (Hier mehr) Die Gesellschaft für Freiheitsrechte, kurz GFF, präsentierte eine rund 1500 Seiten lange Untersuchung, deren zentrale Erkenntnis lautet: Ein Verbotsverfahren in Karlsruhe wäre nach Ansicht der Verfasser Erfolg versprechend. (Hier lesen Sie mehr ) Die AfD verstoße gegen das Demokratieprinzip und die Menschenwürde, sagte der GFF-Projektleiter Bijan Moini. Die Partei beabsichtige, politische Gegner zu unterdrücken, indem sie insbesondere Politiker und Politikerinnen anderer Parteien strafrechtlich verfolgen wolle – und zwar, ohne dass es dafür Gründe gebe. Zum anderen plane die AfD vor allem Muslime, Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft und Schutzsuchende in ihrer Menschenwürde zu verletzen. Nach der Veröffentlichung des Expertengutachtens zur AfD haben sich heute fünf Bundestagsabgeordnete, die sich schon länger fraktionsübergreifend mit dem Thema beschäftigen, zu Wort gemeldet. Sie fordern, dass die Partei auf ihre Verfassungswidrigkeit geprüft wird. Ein entsprechendes Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe müsse endlich vorbereitet werden, so die Parlamentarier von CDU, SPD, Grünen, Linken und SSW. (Hier mehr ) "Wie juristisch diffizil und strittig die Materie ist, zeigt der Fall eines anderen prominenten Gutachtens", schreiben meine Kollegen Astrid Geisler und Dietmar Hipp. "Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte im Frühjahr 2025 nach mehrjähriger Prüfung einen Schriftsatz mit mehr als 1100 Seiten zur Gefährlichkeit der AfD vorgelegt. Der Inlandsgeheimdienst wollte damit belegen, dass die gesamte Partei gesichert rechtsextrem ist – und scheiterte vorerst im Eilverfahren. Das Verwaltungsgericht Köln kassierte die Einstufung im Februar." Wie das Verfahren ausgeht, ist offen. "Die Welt ist zwar kein Fußball, aber im Fußball findet sich eine ganze Menge Welt", hat der große Fußballschriftsteller Ror Wolf einmal geschrieben. Ich selbst habe mich leider in den vergangenen Tagen ein wenig gelangweilt beim Ansehen diverser Vorrundenspiele bei dieser Mega-WM. Interessanter und aufregender als viele Auftritte der Spieler finde ich die Geschichten, die meine Kollegen aus dem WM-Trubel erzählen – zum Beispiel die Story meines Kollegen Matthias Fiedler über die Schiedsrichterin Tori Penso, die das heute um 22 Uhr MESZ beginnende Spiel der DFB-Elf gegen Ecuador leiten wird. (Hier mehr ) Penso ist ein Überraschungsstar der WM. Bislang einmal im Turnier leitete ein rein weibliches Gespann ein Vorrundenspiel – Tschechien gegen Südafrika. Seither rede die Fußballwelt "vor allem darüber, wie Hauptschiedsrichterin Victoria Penso, 39 Jahre alt, aus Florida, die Partie im Griff hatte", so Matthias. Deutschlands früherer Topschiedsrichter Patrick Ittrich bezeichnete die Leistung der US-Amerikanerin Penso und ihren zwei gleichfalls amerikanischen Assistentinnen als die "mit Abstand beste bis jetzt bei dieser WM".Bis 2019 hat Penso, Mutter von drei Töchtern, Vollzeit in einer Werbeagentur gearbeitet, das Schiedsrichtern war nur ein Nebenverdienst. Im September 2020 pfiff sie als erste Frau seit 20 Jahren ein reguläres Spiel in der US-amerikanischen Profiliga MLS. "Manchmal nimmt sie die Kinder mit zum Training", berichtet mein Kollege Matthias. "Dann üben sie mit ihr auf dem Platz Sprints und Hürdenläufe." Penso findet es gut, ihren Kindern zu zeigen, wie erschöpft sie nach dem Training ist. Die Schiedsrichterin sagt: "Ich glaube, das lehrt sie viel über das Leben." Ich bin im Berufsleben wie im Privaten umgeben von Menschen, die sehr viel bessere Abiturnoten bekommen haben als ich. Meine war eher so mittelgut. Das zehrt wegen des großen Abstands zur Abiturzeit inzwischen kaum noch an meinem Selbstbewusstsein, meine Neugier auf das Interview meiner Kollegin Franca Quecke mit Alexander Jorias war trotzdem enorm. Mit 900 von 900 Punkten hat Jorias, Jahrgang 2007, die Bestnote im Abitur hingelegt. Das ist rein rechnerisch eine Gesamtnote von 0,67. "Mit der Hand habe ich Lernzettel geschrieben, weil ich mir Wissen so am nachhaltigsten einpräge. Historische Fakten habe ich nicht isoliert gelernt, sondern versucht, sie mir im Zusammenhang zu merken", berichtet der erfolgreiche Abiturient aus Südhessen. "Was mit Abstand am hilfreichsten war: KI als kostenlosen Nachhilfelehrer zu nutzen." Jorias sagt, er habe mithilfe von ChatGPT und Claude Übungsklausuren simuliert und seine Antworten anschließend strenger korrigieren lassen, als es in der Schule erwartet wird. "Außerdem habe ich die KI gebeten, mir jedes Mal die Stärken und Schwächen meiner Antworten aufzulisten, mit konkreten Verbesserungsvorschlägen. Sie sollte mich auf keinen Fall nur loben."Würde auch ich mithilfe von KI-Training heute ein Topabitur hinlegen? Ich bezweifle es stark. Smartphones weg in der Kabine! İlkay Gündoğan, 35, Ex-DFB-Kapitän und SPIEGEL-WM-Kolumnist, berichtet in seinem heutigen Kolumnentext vom Einsatz von Smartphones in der Mannschaftskabine. "Ich kenne Profis, die in der Halbzeitpause ihren Namen gegoogelt haben, um zu lesen, was über ihre Leistungen bis dahin geschrieben wurde", so Gündoğan. Sein Tipp an jüngere Spieler: "Am Ende ist deine innere Stimme am wichtigsten und das, was dir deine Mitspieler und Trainer spiegeln. Du kannst dir echtes Feedback nicht von außen holen." Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Könnten Sie sich mit unserem neuen SPIEGEL-Newsletter Literatur & Bestseller beschäftigen. (Hier ist er zu finden). Er wird mit Leidenschaft und Humor von Redakteurinnen und Autoren des Kulturressorts geschrieben. Sie können ihn hier abonnieren. Der Newsletter, so schreibt mein Kollege Xaver von Cranach, "verbindet das Persönliche mit dem Analytischen, das Schwierige mit dem Leichten. Sie werden in die hintersten Winkel des Literaturbetriebs geführt und bekommen exklusive Mini-Interviews von angesagten Autorinnen und Autoren. Sie werden schlauer sein, wenn Sie ihn lesen, und besser gelaunt." In der ersten Ausgabe geht es unter anderem um den heute in Klagenfurt beginnenden Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis. "Diese Mischung aus öffentlich-rechtlicher Steifheit (das Ganze wird drei Tage lang live auf 3sat übertragen) und vogelwilder Gegenwartsdiagnose eignet sich perfekt für den ersten Aufschlag", so mein Kollege Xaver. "Zudem wäre dieses Jahr die Namensgeberin dieses Literaturevents, Ingeborg Bachmann, 100 Jahre alt geworden." Einen schönen Abend. Herzlich Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort